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Sportvereine: Freude, Hoffnung und Frust

Ab Montag ist ein bissel Bewegung für Großenhainer Athleten möglich. Nicht für alle und mit vielen Fragen. Das enttäuscht die Beteiligten.

Ab dieser Woche zieht auf den Außensportanlagen im Sportpark Husarenviertel wieder ein bisschen Leben ein. Doch viele Fragen sind offen - und Inzidenzwerte sowie nicht zuletzt das Wetter sind unwägsame Begleiter.
Ab dieser Woche zieht auf den Außensportanlagen im Sportpark Husarenviertel wieder ein bisschen Leben ein. Doch viele Fragen sind offen - und Inzidenzwerte sowie nicht zuletzt das Wetter sind unwägsame Begleiter. © Kristin Richter

Großenhain. Monatelang haben sie auf ein Zeichen der Politik gehofft. Jetzt dürfen die Sportvereine wieder loslegen. Zumindest teilweise, mit hohen Auflagen - und nicht alle. Es darf Individualsport allein oder zu zweit sowie in Gruppen von bis zu 20 Kindern unter 15 Jahren stattfinden. Und das abhängig von Inzidenzwerten sowie unter Einhaltung von Hygienekonzepten sowie lediglich auf Außenanlagen. Momentan lassen die Werte dies zu. Und vor diesem Hintergrund hat die Stadt Großenhain ab Montag die Jahnkampfbahn Großenhain, das Stadion der Freundschaft sowie die Sportanlagen im Sportpark Bürgerzentrum Husarenviertel im Außenbereich für den Vereinssport, so Rathaussprecherin Diana Schulze.

Das sorgt bei den Sportvereinen in der Röderstadt auf verhaltene Freude. "Wir werden mit den Kindern starten, können bis zur C-Jugend Training anbieten", sagt Steffen Hubrich, Sprecher des Handballclubs Großenhain (HCG). Der Wunsch sei, jedem Sportler im angesprochenen Altersbereich einmal pro Woche Training zu ermöglichen. Stattfinden wird das in Absprache mit dem Rathaus auf dem Allwetterplatz. Zwar ist Handball nun nicht unbedingt eine Sportart, die im Freien betrieben wird. "Aber es geht uns darum, dass sich die Kinder wieder sehen und einfach Hallo sagen können", so Steffen Hubrich. Beginnen werde man mit ganz einfachen Übungseinheiten, die "mit Handball zunächst wenig zu tun haben": Seilspringen, kurze Läufe, Staffelspiele - natürlich unter Einhaltung des Mindestabstandes und der Kontaktfreiheit.

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Das Vereinsleben beim HCG ist nach den Herbstferien nahezu zum Stillstand gekommen. Abgesehen von regelmäßigen WhatsApp-Kontakten und dieser oder jener Initiative im Internet - zum Beispiel einer Aktion "Barfuß im Schnee". Zudem hatte der Handballverband Sachsen die aktuelle Spielzeit frühzeitig für beendet erklärt. "Das kam erwartungsgemäß. Die Saison wäre nicht mehr zu schaffen gewesen", so Steffen Hubrich. Spielpraxis wollen sich die HCG-Mannschaften - soweit möglich -über Freundschaftsspiele und Turniere holen. Die Reaktion von Spielern und Trainern auf die erstmalige leichte Lockerung für den Vereinssport fällt beim HCG durchaus optimistisch aus. Steffen Hubrich: "In meiner D-Jugend gingen sofort die Daumen hoch. Die brennen darauf, wieder spielen zu können."

"Ich sehe es als einen Lichtblick", beschreibt die Vorsitzende des Großenhainer Rollsportvereins (GRV) Ute Enger den Re-Start. "Wir sind sehr gut vorbereitet. Ein Hygienekonzept gibt es für jede Trainingsgruppe." Doch ein Wermutstropfen schwingt mit. Maximal 20 Kinder unter 14 Jahren dürfen auf die Bahn im Sportpark. "Der Platz auf der Bahn ist so groß, dass wir locker mit dieser Gruppengröße trainieren können", so Ute Enger. Um so größer ist der Ärger, dass die "Großen" maximal zu zweit trainieren dürfen. Gerade für die Kadersportler des GRV sei das sehr schwierig. "Ich sehe unsere Bundeskader in dieser außergewöhnlichen Situation als ein wichtiges Potenzial für unseren Verein. Wir sind Landesleistungszentrum und müssen auch ,liefern', um den Status zu halten", so Ute Enger. So oder so: Die Kinder seien voll motiviert, auch wenn es zunächst weniger auf die schnellen Rollen gehen wird. Stattdessen stehen "Trockenübungen" im Vordergrund. Die Sportler müssen sich zudem erst wieder an ihre Skaterschuhe gewöhnen - und das wird nach und nach während der Trainingseinheiten passieren. Ob und wann es dann wieder Wettkämpfe geben wird, steht hier wie überall in den Sternen.

Auch bei den Leichtathleten des SV Motor Großenhain. Abteilungsleiterin Ute Richter hat zwar viele Termine im Blick. Aber erst einmal kann auch sie nur mit leichtem Training auf dem Tennenplatz im Sportpark beginnen. "Es ist noch viel zu wenig, was da jetzt für den Vereinssport freigegeben wird", macht sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Angesichts der Größe der Trainingsgruppen könne es passieren, dass sie aufgeteilt werden müssen. Ein weiteres Problem: Auf den Trainingsplätzen gibt es kein Flutlicht, so dass die Übungseinheiten relativ früh beendet werden müssen. Die jetzige Situation sieht sie als Kompromiss für ihre Leichtathleten. Doch ab 1. April will sie sich nicht mehr mit dem Tennenplatz begnügen, sondern wieder ins Stadion mit Kunstrasen und Tartanbahn umziehen. Dort werden bis dahin neben Fußballern auch Karatekas trainieren. Trainingsmethodisch geht es für die Leichtathleten "beim Urschleim los", formuliert es Ute Richter etwas salopp. Zwar gab es in der Trainings-Zwangspause auf der Vereinshomepage Angebote wie Seilspringen oder auch Tipps zum Joggen. "Aber die Umsetzung konnten wir natürlich nicht kontrollieren", so Ute Richter.

Ziemlich frustriert ist Steffen Klemt, 2. Vorsitzender des Judosportclubs Großenhain. Kontaktfreier Sport ist beim Judo geradezu unumgänglich - also derzeit nicht machbar. Zudem bräuchte der Verein zum Training seine Matten aus der gesperrten Sporthalle auf der Hermannstraße. Ergo: Maximal ein bisschen Lauftraining ist möglich. Auf Dauer wird das nicht ausreichen. Bislang verzeichnen die Judokas dennoch keinen Mitgliederschwund. Steffen Klemt macht sich dennoch so seine Gedanken. "Was soll denn aus den Kindern werden", fragt er angesichts der Einschränkungen. Und fügt seufzend hinzu: "Wir geben nicht auf."

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Judo in seiner Urform: Derzeit ist daran beim Großenhainer Judosportclub nicht zu denken. Trainer Steffen Klemt (hinten links) fragt, was aus den Kindern werden soll.
Judo in seiner Urform: Derzeit ist daran beim Großenhainer Judosportclub nicht zu denken. Trainer Steffen Klemt (hinten links) fragt, was aus den Kindern werden soll. © Anne Hübschmann

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