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Rätsel um die ominöse 91 noch ungelöst

Nach den Schmierereien in Großenhain vom Herbst wird fieberhaft ermittelt. Die meisten "Kunstwerke" sind inzwischen beseitigt worden.

Verunstaltungen auf öffentlichen Plätzen, wie hier am Parkplatz Beethovenallee, sorgten kurz vor Jahresende 2020 in Großenhain für großen Ärger.
Verunstaltungen auf öffentlichen Plätzen, wie hier am Parkplatz Beethovenallee, sorgten kurz vor Jahresende 2020 in Großenhain für großen Ärger. © Foto: Thomas Riemer

Großenhain. Der Aufschrei in der Stadt war groß. In den Medien wurde im November und Dezember 2020 immer wieder über Schmierereien im Großenhainer Stadtgebiet durch Unbekannte berichtet. Immer neue "Kunstwerke" verschandelten meist über Nacht Straßen und Plätze. Immer öfter tauchte an Stromverteilungskästen oder Infotafeln, aber sogar direkt im Herzen der Stadt am Dianabrunnen die ominöse Zahl "91" auf. Bei den Bürgern und Gästen der Stadt stießen die Aktionen auf großes Unverständnis und Ärger. Mehrere Anzeigen bei der Polizei wurden erstattet. Auch von Bürgern, die in einem anonymen Schreiben sogar als vermeintliche Schmierfinken benannt und mit Name, Adresse und Internetadressen an den Pranger gestellt wurden. Die meisten der Plakate wurden seinerzeit von der Polizei "kassiert", die Ermittlungen aufgenommen.

Ein Ergebnis gibt es allerdings noch nicht. "Die polizeilichen Ermittlungen in der Sache sind noch nicht abgeschlossen, so dass derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden können", teilte Jürgen Schmidt, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, jetzt auf Anfrage der SZ mit.

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Im Großenhainer Rathaus riefen die Verunstaltungen im Stadtgebiet seinerzeit wütende Reaktionen hervor. Oberbürgermeister Sven Mißbach machte im Dezember in einem Schreiben aus seinem Herzen keine Mördergrube und kritisierte das Geschehen ungewohnt scharf. Gemeinsam mit dem Polizeirevier der Röderstadt wurde ein Aufruf veröffentlicht, um eventuell Hinweise zu Tatzeiten, Orten und möglicherweise gesehenen, verdächtigen Personen zu erhalten. Der Aufruf "bleibt weiterhin bestehen", so Rathaussprecherin Diana Schulze.

Aufwendig gestaltet sich seit jeher die Beseitigung der Schmierereien. Denn die verwendete Farbe erweist sich in der Regel als sehr hartnäckig. Zudem wurden die Schmierereien oft an denkmalgeschützten Mauern und Natursteinwänden hinterlassen. "Die Beseitigung ist dann mit Mehraufwand und erhöhten Kosten verbunden, um das Mauerwerk nicht zu schädigen", so Diana Schulze.

Deshalb ist man im Rathaus froh, dass die Firma Reparatur- und Dienstleistungsservice Jens Lichy aus Großenhain viel Engagement in die Beseitigung legte. "Jens Lichy waren die vielen sinnlosen Schmierereien an den Bushaltestellen und Schaukästen im Stadtgebiet ein Ärgernis, das er nicht länger dulden und mit ansehen wollte", erklärt Diana Schulze. Obwohl sein Unternehmen durch die Stadtverwaltung vertraglich für die jährlichen Reinigungen der Bushaltestellen gebunden sei, habe er zusätzlich und unentgeltlich sämtliche Schmierereien an Bushaltestellen und Schaukästen im Stadtgebiet beseitigt. An anderen Orten kam der Stadtbauhof zum Einsatz - unter anderem bei der Entfernung von Schmierereien an der Toilettentür am Kulturschloss (Kosten: rund 100 Euro). Weitere hässliche Bilder müssen noch entfernt werden - am Schloss sowie am Dianabrunnen. Die Aufträge werden laut Diana Schulze demnächst ausgelöst und witterungsabhängig umgesetzt.

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Nicht zuletzt haben Polizei und Stadtverwaltung in der Vergangenheit immer wieder an die Courage und "offene Augen" der Großenhainer appelliert. Gerade das Geschehen am neugestalteten Spielplatz Faunhöhe unweit des Naturerlebnisbades hatte bei vielen Eltern Unverständnis und Wut ausgelöst. Dort waren im Spätherbst die neuen Spielgeräte mit Farbe besprüht worden. Die Reaktionen in den sozialen Medien gingen damals sehr weit. Auch deshalb ist der Wunsch der Stadtverwaltung nach erhöhter Aufmerksamkeit nach wie vor aktuell. "Nur gemeinsam kann die Schönheit, Sauberkeit und Ordnung in Großenhain erhalten werden, so dass sich hier jeder wohlfühlt und gern Zuhause ist", heißt es dazu in einer Veröffentlichung des Amtsblattes.

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