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Stadträte verstehen ihre Verwaltung nicht

Im Corona-Quartier im Großenhainer Schloss stimmt die Akustik bei der jüngsten Sitzung nicht. Nicht nur das stößt auf Unverständnis.

Das Kulturschloss in Großenhain ist wegen seiner Akustik eigentlich beliebt bei den Besuchern. Bei der jüngsten Stadtratssitzung war das allerdings anders.
Das Kulturschloss in Großenhain ist wegen seiner Akustik eigentlich beliebt bei den Besuchern. Bei der jüngsten Stadtratssitzung war das allerdings anders. © Norbert Millauer

Großenhain. Jörg Rietdorf hat sich noch am Tag der jüngsten Stadtratssitzung bei den Räten entschuldigt, tags darauf auch der SZ einen Erklärungsversuch präsentiert. Dem Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH ist es spürbar peinlich, was da vergangenen Mittwoch im Saal passierte. Da hatte, kurz nach dem Vortrag von Citymanager Alexander Ehrke, einer der Räte eine Pause beantragt. 

Der Grund: Die Stadträte bekamen von den bis dahin gehaltenen Ansprachen so gut wie nichts mit. Auch die Protokollantin der Sitzung hob zwischendurch mehrfach hilflos die Arme, obwohl sie tatsächlich fast direkt vor einem der Lautsprecher Position bezogen hatte. Mehrere Beteiligte monierten einen hohen Pfeifton als Nebengeräusch.

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 Besucher der Sitzung, die auf den Plätzen im Rang Platz gefunden hatten, mussten hingegen tüchtig die Ohren spitzen, um der Debatte folgen zu können. Zwischenzeitliche Versuche, den richtigen Klang für alle herzustellen, schlugen zunächst fehl. Erst nach der erwähnten Pause wurde es etwas besser, optimal allerdings nicht.

Jörg Rietdorf sucht nach einer Erklärung. Es sei durchaus möglich, dass sich die beiden Technik-Anlagen - also die des Schlosses und die des Rathauses - "überlagern". Wegen Corona werden jedoch derzeit beide gebraucht, um zum Beispiel Anfragen aus dem Publikum mittels mobilem Mikrofon zu ermöglichen. Hinzu kam, dass Stadträte zum Teil zu weit weg von ihrem Mikro sprachen, so dass ihre Wortmeldung zu leise in den Saal rüber kam.

Vor allem für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Räte selbst stellte die Situation eine enorme Herausforderung dar. Zumal die Tagesordnung mit 23 öffentlichen und zusätzlichen sechs nichtöffentlichen Punkten zur jüngsten Sitzung recht üppig daherkam. Letztlich dauerte es dreieinhalb Stunden, in denen volle Konzentration gefragt war.

In einem der Punkte sollten die Stadträte dabei über den Sitzungsplan des kommenden Jahres abstimmen. Eigentlich eine Routine-Angelegenheit. Vier Sitzungen im ersten Halbjahr, vier im zweiten und ein sogenannter Bedarfstermin sind vorgesehen. Weitere Termine sind eine Einwohnerversammlung am 26. April sowie eine Zusammenkunft aller Ortschaftsräte am 8. Juni.

Harald Kühne (Die Linke) monierte indes, dass die Zahl der Stadtratssitzungen aus seiner Sicht nicht ausreicht. "Wir sind Ehrenamtler", sagte er angesichts des abendfüllenden Programms vom vergangenen Mittwoch. Deshalb könne die Fraktion dem Terminplan für 2021 nicht zustimmen. 

Oberbürgermeister Sven Mißbach rechtfertigte die lange Tagesordnung mit dem Verweis, dass durch Corona "ein sportliches zweites Halbjahr" nötig sei. An der Enthaltung von letztlich vier Stadträten änderte das nichts. Immerhin: Die Sitzungen im nächsten Jahr sollen "in der Regel" wieder im Sitzungssaal des Rathauses stattfinden.

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