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Straßenbäume brauchen Schutz vorm Pflug

Der Landkreis hat in den vergangenen zwei Jahren viele Lücken bepflanzt – das Fortkommen der Setzlinge hängt aber vom guten Willen der Landwirte ab.

Schutzpfahl für neu gepflanzte Sommerlinden: Lutz Runge vom Nabu kritisiert das sorglose Heranackern mancher Landwirte an die Straßenbäume.
Schutzpfahl für neu gepflanzte Sommerlinden: Lutz Runge vom Nabu kritisiert das sorglose Heranackern mancher Landwirte an die Straßenbäume. © Foto: Manfred Müller

Landkreis. In den zehn vergangenen Jahren sind an den Straßen im Landkreis Meißen mehr als 10.000 Bäume gefällt worden. Ursache waren vor allem Baumaßnahmen sowie das Absterben durch Überalterung und die zunehmende Trockenheit. Darüber hinaus schädigt der Einsatz von Streusalz die Straßenbäume, und auch die Landwirte haben ihren Anteil daran, indem sie ihre Ackerfurchen bis in den Wurzelbereich ziehen. Dem Baumschwund standen nur wenige Nachpflanzungen gegenüber. Nachdem die Kreistagsfraktion der Grünen nachdrücklich auf das Problem aufmerksam gemacht hatte, wurde zumindest für die Kreisstraße ein Programm aufgelegt, das die Situation entschärfen soll. Für die Haushaltjahre 2019 und 2020 betrug das Finanzvolumen 340.000 Euro. Damit wurden an 23 Kreisstraßen-Abschnitten 780 neue Bäume gepflanzt.

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Die jüngste Lückenbepflanzung liegt zwischen den Dörfern Schönborn und Linz. Östlich der Autobahn zieht sich eine von Linden gesäumte Allee hin, von denen einige bereits das Zeitliche gesegnet haben. Hier wurden 18 neue Sommerlinden in die Erde gebracht. „Und nicht nur das“, sagt Lutz Runge. „Es wurde auch ein Schutzpfahl gegen landwirtschaftliche Übergriffe eingeschlagen.“ Dem Linzer Naturschützer ist die Lindenallee besonders wichtig, weil sie als Leiteinrichtung für Fledermäuse dient. Unter der nahegelegenen Autobahnbrücke befindet sich eine Unterkunft von Großen Mausohren, und die orientieren sich gern an Baumreihen in der Landschaft. Runge hat jahrelang den Großenhainer Nabu-Regionalverband geleitet und weiß deshalb bestens über die Probleme mit den Straßenbäumen Bescheid. „Wenn man zu weit heranpflügt, werden in der unteren Etage die Wurzeln und in der oberen die Äste abgerissen. Am Ende geht der Baum ein.“ Das wisse auch jeder Landwirt, aber einige hielten sich eben nicht an die Spielregeln. Dabei gebe es Fördermöglichkeiten, mit denen man den Verlust an Ackerfläche ausgleichen kann.

„Landwirte und Grundstückseigentümer können Landschaftselemente am Feldrand, wie Blühstreifen und Bäume, als ihr privates Eigentum fördern lassen“, bestätigt Landkreis-Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. Das Landratsamt kommuniziere diese Möglichkeiten, sie würden bislang jedoch selten genutzt. Die kreiseigenen Straßengrundstücke enden fast immer am Bankettrand, so dass die meisten Bäume auf privatem Grund stehen. Dort ist dem Landkreis das Nachpflanzen nur in bestehenden Baumreihen mit Baumlücken bis maximal 100 Meter erlaubt. Neupflanzungen wiederum unterliegen viel anspruchsvolleren Kriterien. Für neue Baumreihen an Kreisstraßen sind bei Fahrgeschwindigkeiten von 50 bis 100 Stundenkilometern sieben bis 15 Meter Pflanzstreifen notwendig. Der Schutz der Bäume sei letztlich aber nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten möglich, so Schmiedgen-Pietsch.

Die Elbe-Röder-Region hat in den vergangenen zwei Jahren besonders viele von den Lückenbeflanzungen an den Kreisstraßen abbekommen. Auf Großenhainer Flur stehen jetzt neue Straßenbäume zwischen Uebigau und Strauch und von Strauch bis zur Landesgrenze, zwischen Göhra und Weßnitz, zwischen Görzig und Bauda zwischen Großraschütz und Medessen sowie zwischen Stroga und Zabeltitz. Außerdem gab es Pflanzungen bei Blattersleben, Laubach, Kalkreuth, Rödern, Lötzschen und Peritz. Fast immer werden die Baumarten in den bereits bestehenden Reihen übernommen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Sommerlinde, Winterlinde, Esche, Eichen, verschiedene Ahorne, Birne, Apfel, Kirsche, Pflaume. Einigen Baum-Enthusiasten waren das noch zu wenig. Sie griffen selbst zum Spaten und pflanzten an den Kreisstraßen bei Bauda und Walda anonym etliche Austriebe. Einige Setzlinge wurden mittlerweile so heimlich, wie sie kamen, wieder umgesetzt. Die wenigen verbliebenen sollen bei der nächsten Bankettpflege entfernt werden, weil der Abstand zur Fahrbahn nicht den Bestimmungen entspricht. „Sollte der Besitzer den Mut fassen und sich noch beim Landratsamt melden“, sagt Anja Schmiedgen-Pietsch, „kann vielleicht eine fachgerechte Pflanzung mit den Eigentümern der angrenzenden Grundstücke organisiert werden.“

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