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Wenn Kinderaugen wieder leuchten

Kurz vor Ostern verschwanden Spielgeräte in Strauch. Nach Elternprotesten gibt es den Spielplatz jetzt wieder.

Mit Luftballons und einem kleinen Kinderfest haben die Straucher ihren wiederentstandenen Spielplatz in Besitz genommen.
Mit Luftballons und einem kleinen Kinderfest haben die Straucher ihren wiederentstandenen Spielplatz in Besitz genommen. © Kristin Richter

Großenhain/OT Strauch. Die Eltern haben mit Helium gefüllte Luftballons rangeholt. Auch der Grill wird angeworfen. Wimpelketten schmücken das kleine Areal am Sportplatz. Strauch feiert! Denn dort, wo kurz vor Ostern von einem Tag zum anderen gähnende Leere herrschte, stehen seit 16. September wieder Spielgeräte für die Jüngsten des Dorfes: eine Federbohle und ein Zweifach-Reck mit Sprossenwand sowie ein Ballnetz als Schutz zum angrenzenden Sportplatz Am Heideberg.

Das Ganze hat eine Vorgeschichte. Quasi über Nacht wurden die vorhergehenden Spielgeräte an dieser Stelle im Frühjahr abgebaut. Das war am 30. März. Da hatten die Kinder früh um 9 noch hier getobt, zwei Stunden später war alles weg - bis auf einen Papierkorb. Der Bauhof hatte den Sand durch Erde ersetzt und Rasen gesät. Was die Leute in Strauch auf die Palme brachte: Niemand im Dorf war darüber informiert worden - nicht einmal der Ortschaftsrat.

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Im Nachgang hatte die Stadtverwaltung die fehlende Kommunikation bedauert, den Rückbau aber auch als keineswegs spontan bezeichnet. Bereits 2010 wurde der Spielplatz in das Spielplatzentwicklungskonzept der Stadt Großenhain aufgenommen und überprüft. „In diesem Konzept wurde festgestellt, dass sich zwei Spielplätze in Strauch befinden und überdurchschnittlich viel Platz – gemessen an der Anzahl der wohnhaften Kinder – zur Verfügung steht", so Rathaussprecherin Diana Schulze im April 2021. Spielwert und Pflegezustand des Klettergerüsts am Bolzplatz seien schon damals als „mittelmäßig“ bewertet worden. Das Klettergerüst sei als geduldeter „Bestandsschutz“ eingestuft worden, bis es verschlissen war. Wie lange es vorher dort stand, war nicht nachzuvollziehen. Für den danach geplanten Rückbau sei kurz vor Ostern der Zeitpunkt eingetreten. „Reparaturen, wie in den vorangegangenen Jahren, waren nicht mehr zweckmäßig", erklärte die Sprecherin damals. Die Pfostenköpfe waren mittlerweile zu stark angegriffen und deren Austausch unangemessen. Dies sei das Ergebnis einer fachlichen Einschätzung des städtischen Spielplatzwarts gewesen. Der Abbau sei dann eine „routinemäßige Aufgabe" für den Bauhof gewesen.

Schon damals ließ das Rathaus zumindest offen, ob neben dem Bolzplatz irgendwann auch wieder Spielgeräte installiert werden können. Anfang August dann die für Anwohnerin und Mutti Katrin Berndt sowie den Ortschaftsrat überraschende Nachricht: Es geht etwas. Eltern aus dem Ort versetzten kurz danach eins der Fußballtore, neue Farbe kam ebenfalls an die Tore. "Der Bauhof hat in der zweiten Septemberwoche die Geräte und Hülsen für den Ballfangzaun gesetzt", so Diana Schulze. Inzwischen haben die Straucher auch den 20 Meter langen und vier Meter hohen Ballfangzaun aufgebaut - er ist eine Bedingung, um den Kleinen auf dem Spielplatz Schutz vor den fußballspielenden "Großen" zu bieten. Knapp 4.000 Euro kosteten die Neuanschaffungen.

Im Frühjahr hatten die Straucher ihrem Frust noch freien Lauf gelassen - jetzt sind sie glücklich und auch dankbar. "Wir haben damals gemeckert - da können wir uns jetzt auch mal ganz herzlich bedanken", so Katrin Berndt mit einem Strahlen im Gesicht.

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