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Straucher Oma ertappt Einbrecher im Haus

Was für ein Riesenschreck: Dank der beherzten Reaktion ihrer Nachbarin wurde der Mann in die Flucht geschlagen. Die Polizei sieht Parallelen zu anderen Fällen.

Was für eine beklemmende Vorstellung: Helga Strecker aus dem Großenhainer Ortsteil Strauch kann noch immer nicht glauben, dass sich ein Fremder Zugang zu ihrem Haus verschafft hat.
Was für eine beklemmende Vorstellung: Helga Strecker aus dem Großenhainer Ortsteil Strauch kann noch immer nicht glauben, dass sich ein Fremder Zugang zu ihrem Haus verschafft hat. © Kristin Richter

Großenhain. Sie kann es immer noch nicht fassen. Wieder und wieder tauchen die Bilder in unerwünschter Regelmäßigkeit vor ihrem geistigen Auge auf und verursachen ein seltsames Gefühl der Beklommenheit. Nicht zu glauben, dass sich tatsächlich ein Fremder Zugang zu ihrem Haus verschaffen konnte! Geradezu beängstigend, dass er es bis in die erste Etage geschafft hat, ohne dass sie selbst etwas davon bemerkt hat! "Immer wenn ich daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut! Man hat ja schon oft mal davon gehört, dass Leuten so etwas passiert ist. Wenn es einen aber dann selbst erwischt, ist es kaum zu glauben", bekennt Helga Strecker und schüttelt den Kopf.

Ein wenig ungläubig sitzt die 86-Jährige auf ihrer Couch im Großenhainer Ortsteil Strauch. Genau auf diesem gemütlich anzusehenden Möbelstück hatte es sich die mehrfache Großmutter nach ihrem Gräupcheneintopf zur Mittagszeit am vergangenen Freitag bequem gemacht. Zur Entspannung läuft der Fernseher, dessen mehrstimmige Geräuschkulisse nicht verhindern kann, dass sie das Klingeln irgendwann draußen trotzdem hört. "Meine Nachbarin Michaela Richter war gekommen, um sich nach mir zu erkundigen und um mich zu warnen, dass im Dorf wohl ein unbekannter Mann herumläuft. Er würde in die Grundstücke schauen und deshalb sollte ich lieber das Tor und die Haustür verschließen", erzählt Helga Strecker.

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Was weder die sympathische Rentnerin noch die gute Seele von nebenan, die sich auch sonst um die ältere Dame liebevoll kümmert, ahnen können: Es ist bereits zu spät. Die Gefahr ist viel näher, als beide Frauen in diesem Moment denken. Während sie noch miteinander im Flur schwatzen, fällt der Blick von Michaela Richter hin und wieder auf die Treppe, welche zu den oberen Zimmern führt. Manchmal ist es der 48-Jährigen, als würde ein Schatten über die Wände huschen. Nun, angesichts des Wechselspiels von Sonne und Wolken an diesem Maitag vielleicht kein Wunder. Doch weit gefehlt! "Ich wandte mich zur Haustür, um die Klinke nach unten zu drücken und schaute dann fast im Losgehen noch einmal zu Frau Strecker zurück. Mich durchfuhr ein riesiger Schreck, denn plötzlich sah ich an der Wand genau hinter ihr versteckt jemanden stehen", erinnert sich Michaela Richter.

Was danach geschieht, wird die beherzte Straucherin wohl niemals vergessen. Sekundenlang habe der Eindringling unverwandt in die Augen seiner Entdeckerinnen geschaut. Ungerührt und starr sei sein Blick gewesen, der Teint des Gesichts etwas dunkler, die Haare und der Schnauzbart schwarz. In der Absicht, den auf frischer Tat ertappten Einbrecher aufzuhalten, will Michaela Richter den ihrer Meinung nach aus dem Ausland stammenden Mann schließlich festhalten. Nach einem kurzen Handgemenge gelingt es ihm aber doch, auf den Hof zu entwischen, begleitet von den lauten Hilferufen der erschrockenen Frauen. Nachbarn werden aufmerksam, sehen den in ein goldfarbenes Auto steigenden Unbekannten davonrasen und nehmen sofort couragiert die Verfolgung auf. Doch vergeblich, irgendwann verliert sich in Gröditz die Spur.

Allerdings: offenbar nicht ganz. Was Helga Strecker und Michaela Richter noch in derselben Stunde der alarmierten Polizei mitteilen, löst weitreichende Ermittlungen aus. Wie die Leiterin des Großenhainer Reviers Sandra Geithner auf SZ-Anfrage am Mittwoch verrät, hätten Recherchen ähnliche Fälle im Bereich von Oschatz ergeben. Jeweils im März und April sei auch dort ein Mann in besonders ländlichen Regionen mit unlauteren Absichten umtriebig gewesen. "Die Ermittlungen sind in vollem Gange", so Sandra Geithner.

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Helga Strecker in Strauch kann seit Anfang der Woche zumindest wieder besser schlafen. Auf dem Hof, wo sie einst geboren worden ist. In ihrem Zuhause, aus dem das Ungeheuerliche bereits etwas gewichen ist, und vor allem im sicheren Bewusstsein, dass sie hier im Dorf von Menschen umgeben ist, die ihr helfen werden - und zwar in jeder Lebenslage.

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