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Tafel kämpft um ihre Existenz

Auf der Großenhainer Auenstraße werden Bedürftige regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt. Warum deren Beschaffung schwerer denn je ist.

Petra Dietrich und Elli Zorn sortieren Frischware bei der Großenhainer Tafel in Großenhain. Die Einrichtung unterstützt Bedürftige mit Lebensmitteln. Ein täglicher Spagat.
Petra Dietrich und Elli Zorn sortieren Frischware bei der Großenhainer Tafel in Großenhain. Die Einrichtung unterstützt Bedürftige mit Lebensmitteln. Ein täglicher Spagat. © Kristin Richter

Großenhain. Der Montag ist in den Räumlichkeiten der Großenhainer Tafel immer etwas ruhiger. Der nächste Ausgabetag ist erst am Mittwoch, und vormittags ist noch nicht absehbar, wie sich die Kühlzellen und -schränke am Abend und in den Nachfolgetagen füllen. Doch Leiterin Elfriede "Elli" Zorn bringt das Problem auf den Punkt. "Die Bereitstellung von Lebensmitteln für die Tafel ist zurückgegangen - seit Corona ist das noch deutlicher als je zuvor", sagt sie.

"Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht!" Seit fast genau 21 Jahren ist dies das Credo der Einrichtung, die von der Diakonie Meißen betrieben wird. "Die Tafel ist eine Herzensangelegenheit der Diakonie", sagt Tony Preibisch, unter anderem Koordinator der Sozialprojekte. Doch auch er hat die prekäre Situation im Blick und sucht nach Ursachen. "Darüber können wir nur mutmaßen", so Preibisch. Ein Grund könnte sein, dass zum Beispiel Supermärkte in der Corona-Zeit mehr verkaufen, dadurch zum Beispiel Obst und Gemüse ausverkauft sind. "Für den täglichen Frischebedarf bei der Tafel bleibt wenig übrig", ergänzt er. Elli Zorn erzählt, dass es in der letzten Zeit schwerer geworden sei, Brötchen zu bekommen, die beim Bäcker unverkauft bleiben.

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Zudem, und auch das könnte durch Corona bedingt sein, sei die Kommunikation zu den größeren Märkten schwieriger. Dabei hat sich an der Herangehensweise der Sozialeinrichtung prinzipiell nichts geändert. "Wir fahren die Märkte jeden Tag ab", so Elli Zorn. Bei den Waren sei man nicht wählerisch. "Bei uns wird vor der Ausgabe alles nochmals kontrolliert und sortiert", fügt die Leiterin hinzu. Für die Märkte ergebe sich also keinerlei Aufwand.

Dennoch: Elli Zorn und ihre elf ehrenamtlichen Mitstreiter, müssen ziemlich genau kalkulieren und auch Abstriche machen. Derzeit könne jeder Tafel-Nutzer nur ein- statt zweimal pro Woche versorgt werden - immer mittwochs oder freitags. Da der Obolus der Nutzer bei 4,50 Euro je Einzelperson liegt und als Spende für den Tafelbetrieb gebraucht wird, entstehen durch diese Situation auch finanzielle Lücken. Denn vorrangig fließen diese Spenden in die Fahrzeuge und deren Unterhaltung, um die Geschäfte und Märkte anfahren zu können. "Es ist zurzeit ein Zuschussgeschäft", bestätigt Tony Preibisch. "Aber das ist es uns wert", fügt er energisch hinzu. Wenngleich Elli Zorn gesteht: "Ich habe Angst, dass ich mal Leute wegschicken muss, weil es nicht reicht."

Das Szenario ist bislang ausgeblieben, weil die umtriebige Chefin mit ihren Ehrenamtlern unermüdlich darum kämpft, dass Lebensmittel nicht in der Mülltonne, sondern bei den Bedürftigen dieser Welt und damit auch der Großenhainer Tafel ankommen. Es werde darauf ankommen, die Chefetagen in den Märkten und Supermarktketten künftig dafür noch mehr als bislang zu sensibilisieren. Zwingen könne man natürlich niemanden, ans Gewissen appellieren aber schon.

Rund 80 Haushalte sind derzeit regelmäßige Tafel-Nutzer. Zumeist Langzeitarbeitslose, Hartz-IV-Empfänger, Senioren und Sozialhilfeempfänger. Die Zahl ist in den letzten Monaten zurückgegangen, noch vor drei Jahren waren es etwa 130 Tafel-Kunden. "Vor allem Ältere haben wir durch Corona verloren", sagt Elli Zorn. Gründe sind beispielsweise die Hygieneregeln, die natürlich auch oder gerade hier gelten. So darf immer nur eine bestimmte Anzahl auf das Areal an der Auenstraße, müssen Wartezeiten vor dem Hoftor akzeptiert werden. Der Eintritt in die Räume erfolgt nur einzeln. Doch für viele sei der Tafelgang auch eine Abwechslung im Alltag, um mal zu quatschen. "Abstand zu halten, ist da manchmal schwierig", so Elli Zorn. Zunehmend aber hätte man sich an die Situation gewöhnt.

Man merkt ihr und den ehrenamtlichen Mitstreitern an, dass es Spaß macht, anderen helfen zu können. "Ohne die Ehrenamtlichen würde das gar nicht gehen", sagt Elli Zorn. Und deshalb wird die Diakonie ganz sicher alles daran setzen, dass die Einrichtung die Pandemie übersteht. "Die Tafel muss aufbleiben", sagt Elli Zorn.

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