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Tierschützer brauchen nun selbst Hilfe

Seit Corona sind die Einnahmen der Großenhainer Ehrenamtler immer weniger geworden. Inzwischen ist die Kasse des Vereins, der im Kreis Meißen tätig ist, leer.

Die Spendendose ist ebenso leer wie das Konto der Ehrenamtler: Der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereins Armin Krake blickt sorgenvoll auf die nächsten Monate. Durch Corona fehlt finanzielle Hilfe.
Die Spendendose ist ebenso leer wie das Konto der Ehrenamtler: Der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereins Armin Krake blickt sorgenvoll auf die nächsten Monate. Durch Corona fehlt finanzielle Hilfe. © Kristin Richter

Landkreis. In der Region Riesa sind sie momentan Mangelware. Gleich nun, ob getigert, schwarz-weiß oder braun. Wer gerade jetzt tief im Inneren seines Herzens ein Gefühl von Tierliebe für sich entdeckt und sich eine miauende Fellnase anschaffen möchte, hat schlechte Karten. „Tatsächlich ist die Nachfrage besonders nach Katzen seit der Corona-Pandemie extrem stark gestiegen“, weiß Armin Krake.

Der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereins macht indes keinen Hehl daraus, dass ihm der Trend eher Kopfzerbrechen bereitet. Und zwar richtige. Denn was in der Vergangenheit häufig nach Weihnachten oder im Frühjahr zu beobachten gewesen sei, könne durchaus auch mit dem Ende der virusbedingten Einschränkungen drohen: Die Liebe zum eigens angeschafften Vierbeiner wäre etwa durch die Möglichkeit wieder reisen zu dürfen unter Umständen dann genauso schnell verflogen, wie sie aus Mangel an anderer Freizeitbetätigung gekommen ist. Im schlimmsten Fall würde die Zahl der an Straßenrändern oder Mülltonnen einfach schonungslos ausgesetzten Katzen stark ansteigen. Oder in den jeweiligen Pflegestellen - dem Verein gehören die Igelkita Radebeul und Umland, das Nagerglück Moritzburg, der Gnadenhof für Nutztiere Blattersleben und mehrere private Betreuungsunterkünfte an - würden zuhauf Meerschweinchen oder Zwergkaninchen abgegeben.

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Heimatlose Tiere, für die jedoch Kosten zur Gesunderhaltung, Sterilisation, Kastration und nicht zuletzt Versorgung mit Nahrung anfallen. Erhebliche Summen, die von den gut 51 Mitgliedern des ehrenamtlich tätigen Vereins zum überwiegenden Teil selbst aufgebracht werden müssten. Allerdings: seit der Coronakrise schaue es finanziell mehr als düster aus. Abgesehen davon, dass bereits jetzt von der Landesdirektion Sachsen signalisiert worden wäre, dass 2021 mit geringeren Zuwendungen zu rechnen sei. Und auch die Finanzspritze der Stadt Großenhain aus dem in diesem Jahr stärker belasteten Etat verständlicherweise sicher knapper ausfallen werde. „Darüber hinaus können wir seit gut einem Jahr nicht mehr auf Festen, Märkten oder anderen Veranstaltungen im Landkreis Meißen in eigener Sache Werbung machen. Bei diesen Gelegenheiten wurde immer großzügig in unsere Vereinskasse gespendet. Diese Einnahmequelle fehlt uns gewaltig“, erklärt Armin Krake und zuckt resigniert die Schultern.

Ein Umstand, der sich in absehbarer Zeit sicherlich nicht ändern werde und auch all jene, die wie Großenhains Einzelhändler die Tierschützer stets finanziell wohlwollend bedacht hätten, wären nun mit ihren eigenen wirtschaftlichen Sorgen geplagt. Das Ergebnis: Vor gut zwei Wochen mussten die Ehrenamtler, welche sich seit 2004 aufopferungsvoll und mit großem Engagement um Tiere von Diesbar-Seußlitz bis Thiendorf kümmern, das erste Mal in den sozialen Netzwerken selbst um Hilfe bitten.

Nachdem bereits zu Jahresbeginn erhebliche Kosten für aufgenommene Katzen in Weißig bei Nünchritz, Stroga, Großenhain und Kalkreuth angefallen waren, ging plötzlich nichts mehr. Während die behandelnden Ärzte die angefallenen Kosten teilweise bereits stundeten, sei man nun wirklich handlungsunfähig gewesen. „Wir waren nicht in der Lage, aus eigenen Kräften die dringend notwendige, aber kostenintensive Operation einer Katze zu bezahlen“, bekennt Armin Krake.

Dass die benötigte Summe nach dem Aufruf über Facebook dann letztlich doch zusammen gekommen wäre, sei zwar erfreulich und mache dankbar. Dennoch täusche die Hilfsbereitschaft nicht über das eigentliche Problem hinweg. Wenn der Verein weitere Streunerkatzen, deren Babys und vernachlässigte oder wie kürzlich erst in der Nähe von Radeburg brutal in einer Kiste mitten im Wald ausgesetzte Tiere in Obhut nehmen müsse, würde es eng. Verdammt eng. Denn zwar habe Corona die Sehnsucht nach Nähe und ersatzweise tierischen Gefährten geweckt. Ob sich daraus jedoch eine Beziehung auf Dauer zu Katze, Hund und Co entwickle, bleibe abzuwarten.

Wer die Ehrenamtler unterstützen möchte, spendet an: Tierschutzverein Großenhain, Sparkasse Meißen, IBAN: DE 43 8505 5000 3400 002568, Verwendungszweck: Tierschutzverein.

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