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Tierschützer im Supermarkt unerwünscht?

Nicht ins Bild passend: Großenhains Ehrenamtler staunten nicht schlecht, als sie ihre Spendenbox aus einer Netto-Filiale abholen mussten. Aber die SZ kann helfen.

Armin Krake, Chef des Großenhainer Tierschutzvereins, hat die Box aus dem Supermarkt in seiner Garage aufbewahrt. Nachdem sich die SZ an Netto wandte, darf er sie wieder aufstellen.
Armin Krake, Chef des Großenhainer Tierschutzvereins, hat die Box aus dem Supermarkt in seiner Garage aufbewahrt. Nachdem sich die SZ an Netto wandte, darf er sie wieder aufstellen. © Norbert Millauer

Großenhain. Wer auf der Suche nach Milch, Waschpulver und Co ist, muss sich nicht beschweren. Im kürzlich erst frisch hergerichteten Supermarkt auf der Wildenhainer Straße in Großenhain wurde kräftig am freundlich wirkenden Erscheinungsbild gearbeitet. Neue Farbe, eine logistisch gut durchdachte Platzierung der Waren und ein modernes Kassensystem. Organisatorisch ausgefeilt und gestalterisch so geplant, dass ein positives Einkaufserlebnis garantiert ist.

Umso überraschender jenes Erlebnis, welches im Zuge des Umbaus jetzt den Tierschutzverein Großenhain ereilte. Die 51 Ehrenamtler, welche sich aufopferungsvoll und mit großem Engagement um Tiere von Diesbar-Seußlitz bis Thiendorf kümmern, wurden gewissermaßen vor die Tür gesetzt. Und das auch noch heimlich, still und leise. "Als der Markt nach dem Umbau Anfang Juni wieder öffnete, riefen mich irgendwann mal ein paar Röderstädter an. Sie berichteten mir ganz enttäuscht darüber, dass sie gern einen Obolus in unsere in der Filiale seit Jahren stehende Spendenbox gegeben hätten. Aber leider sei sie nicht mehr auffindbar", erzählt Armin Krake.

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Wie der Vereinsvorsitzende im SZ-Gespräch verrät, habe er zunächst an einen Irrtum geglaubt beziehungsweise die Möglichkeit in Erwägung gezogen, man habe durch die Modernisierung schlicht und ergreifend vergessen, die Box wieder aufzustellen. Eine deren Inhalt ebenso wie im Rewe Gröditz maßgeblich zur Versorgung vieler kleiner in Not geratener Schützlinge beitragen würde.

Heimatlose Katzen etwa, abgegebene Meerschweinchen oder Zwergkaninchen - dem Verein gehören die Igelkita Radebeul und Umland, das Nagerglück Moritzburg, der Gnadenhof für Nutztiere Blattersleben und mehrere private Betreuungsunterkünfte für Katzen an - für die Kosten zur Gesunderhaltung, Sterilisation, Kastration und nicht zuletzt Versorgung mit Nahrung anfallen. Erhebliche Summen, die von den seit 2004 landkreisweit agierenden Ehrenämtlern zum überwiegenden Teil selbst aufgebracht werden müssten. Und da es seit der Coronakrise finanziell mehr als düster ausschaue, wäre der Wegfall einer jeglichen Möglichkeit, Spenden einzuwerben wie im Großenhainer Markt, schlichtweg eine mittlere Katastrophe.

Getreu dem werbewirksamen Slogan machte sich Armin Krake in der vergangenen Woche dann schließlich selbst auf den Weg zu Netto auf der Wildenhainer Straße. Ein verantwortlicher Mitarbeiter habe ihm freundlich, aber unmissverständlich deutlich erklärt, dass eine Futterbox des Tierschutzvereins nicht mehr ins Erscheinungsbild des Geschäftes passe. "Offengestanden war ich regelrecht sprachlos und bin mit unserem Behältnis im Arm wieder abgerückt", bekennt Armin Krake und schüttelt den Kopf. Besonders traurig: Neben dem Gröditzer Markt sei der Markt in der Röderstadt der einzige gewesen, in welchem noch eine Box des hiesigen Tierschutzvereines aufgestellt werden könne. Im Kaufland würden dagegen die Ehrenamtskollegen aus Riesa für ihre Schützlinge um Spenden werben.

Am liebsten sehen die Ehrenamtler die Boxen gefüllt wie hier in Riesa. Im dortigen Kaufland bittet der Tierschutzverein aus der Sportstadt für ihre Schützlinge um Unterstützung.
Am liebsten sehen die Ehrenamtler die Boxen gefüllt wie hier in Riesa. Im dortigen Kaufland bittet der Tierschutzverein aus der Sportstadt für ihre Schützlinge um Unterstützung. © Sebastian Schultz

Eine Situation, in der die Sächsische Zeitung gern helfen wollte. Sie wandte sich an die Netto-Marken-Discount Stiftung & Co. KG in Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz. Innerhalb von kürzester Zeit klingelte bei Armin Krake im 330 Kilometer entfernten Großenhain das Telefon. "Man entschuldigte sich sehr nett und versicherte mir, der Verein dürfe die Spendenbox sofort wieder aufstellen", freut sich der Ehrenamtler.

Nach der Modernisierung nicht mehr erwünscht: In der Netto-Filiale auf der Wildenhainer Straße passe eine Spendenbox des Tierschutzvereins nicht mehr ins Erscheinungsbild. Doch das wird sich ändern!
Nach der Modernisierung nicht mehr erwünscht: In der Netto-Filiale auf der Wildenhainer Straße passe eine Spendenbox des Tierschutzvereins nicht mehr ins Erscheinungsbild. Doch das wird sich ändern! © Norbert Millauer

Etwas, das auch Unternehmenssprecherin Christina Stylianou am Nachmittag gegenüber der Sächsischen Zeitung bestätigt. Netto Marken-Discount werde den Tierschutzverein auch weiterhin gern unterstützen und die Spendenbox zeitnah wieder aufstellen. Tierwohl und Tierschutz hätten für das Unternehmen grundsätzlich einen hohen Stellenwert. "So unterstützen wir beispielsweise aktiv die Initiative Tierwohl und listen Fleischartikel mit dem Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz"", erinnert Christina Stylianou. Darüber hinaus verzichte Netto im Eigenmarken-Bereich beispielsweise auf tierwohlgefährdende Maßnahmen wie etwa das Schnabelkürzen bei Legehennen, Stopfmast oder den Verkauf von Wachteleiern und engagiere sich mit der Initiative Lebenswert für den Schutz männlicher Küken.

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Kurzum: Wer auf der Suche nach Milch, Waschpulver und Co ist, muss sich auch künftig nicht beschweren. Denn im kürzlich erst frisch hergerichteten Supermarkt auf der Wildenhainer Straße in Großenhain darf gern gekauft werden, was die Fellfreunde dringend brauchen: Futtermittel, die bald wieder in einer Spendenbox landen dürfen.

Wer die Ehrenamtler außerdem unterstützen möchte, spendet an: Tierschutzverein Großenhain, Sparkasse Meißen, IBAN:
DE 43 8505 5000 3400 002568, Verwendungszweck: Tierschutzverein.

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