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Tschechische Touristin landet in Lauterbacher Vorgarten

Weshalb das Schwanenmädchen aus Prag sich die Wiese von Randi Friese ausgesucht hat, kann nur vermutet werden. Es sollte aber ein glücklicher Zufall sein.

Na nu, wen haben wir denn da? Die Lauterbacherin Randi Friese wollte sich gerade zu einem Konzert ins nahegelegene Schloss aufmachen, als sie unerwarteten Besuch bekam.
Na nu, wen haben wir denn da? Die Lauterbacherin Randi Friese wollte sich gerade zu einem Konzert ins nahegelegene Schloss aufmachen, als sie unerwarteten Besuch bekam. © privat

Lauterbach. Gut möglich, dass von oben alles ein wenig anders ausgesehen hat. Dass die weißen, schnatternden Kollegen da unten wie ein Stück vertrautes Zuhause gewirkt haben mögen. Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Tante und Onkel - eben alle nur eine Nummer kleiner. Was ja aus der Luft betrachtet, wiederum auch nicht unbedingt verwunderlich sein muss. Oder war der jungen Dame ganz einfach nur die Puste ausgegangen, steckten zu viele Stunden in den ausgebreiteten Flügeln?

Was auch immer der Grund dafür gewesen sein muss. Zur besten Sonntagmittagszeit muss sich das Schwanenmädchen dann jedenfalls entschlossen haben, genau dort, inmitten all der weißen, schnatternden Vögel halt zu machen. Was sich indes jedoch als gar nicht so einfach erweisen sollte. Spazierten die potenziellen Weihnachtsgänse sorgsam behütet hinter einem Maschendrahtzaun, landete die offenkundig von außerhalb Zugereiste auf dem Grundstück direkt daneben. Ein wunderschönes Schwanenmädchen, das für einige Überraschungen auf der Wiese all jener sorgen sollte, zu deren Haus das verlockende Grün gehört. "Es war gegen 13 Uhr und ich war an diesem Tag eigentlich in Eile, da ich als Trompetenspielerin im Gemeinschaftsorchester Großenhain zu einem Konzert erwartet wurde, als ich meinen Augen nicht trauen wollte", verrät Randi Friese und lacht.

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Die Lauterbacherin, welche sich in den vergangenen Jahren mit ihrem Engagement für die Gestaltung von Park und Schloss einen Namen gemacht hat, zögerte nicht lange und sei vorsichtig nach draußen gegangen. Begleitet von ihren zwei Dalmatiner-Hunden Alin und Djotto habe sie sich erstmal mit gebührendem Abstand mit dem an sich ungebetenen Gast bekanntgemacht. "Aus meiner Kenntnis heraus bemerkte ich sofort das noch etwas braunfleckige Gefieders eines Jungtiers und den sehr zarten Schnabel, der bei männlichen Tieren im Nasenbereich stärker ausgeprägt wäre. Ich entdeckte außerdem, dass der Vogel beringt ist und dass er mit aller Kraft versuchte, seinen Kopf durch den Maschendrahtzaun zu den Gänsen zu stecken", erinnert sich Randi Friese.

Die beiden Dalmatiner Alin und Djotto staunten nicht schlecht über den gefiederten Gast in ihrem angestammten Garten.
Die beiden Dalmatiner Alin und Djotto staunten nicht schlecht über den gefiederten Gast in ihrem angestammten Garten. © privat

Mehrfach habe der Schwan sich geradezu majestätisch aufgerichtet, sei wenige Schritte auf und ab getippelt. Für den ganz großen Anlauf, um wieder gen Himmel zu starten, hätten seine anmutigen Bewegungen aber nicht ausgereicht. "Ich hoffte, er werde während meines Konzerts wegfliegen, aber als ich gegen 18 Uhr nach Hause gekommen bin, begrüßte er mich noch immer am Zaun hockend", erzählt Randi Friese.

Anstatt sich auf den luftigen Weg machen zu wollen, sei er immer wieder vor ihr hergelaufen, um sich schließlich hinzusetzen. An Wegfliegen war an diesem Sonntagabend offenkundig nicht mehr zu denken! Also tat Randi Friese in Absprache mit der zuständigen Jagdpächterin und einem Naturschützer das, was sie noch vor Einbruch der Dunkelheit tun musste. Behutsam griff sie dem Schwanenmädchen unter die Flügelansätze, um sie zum Schutz in einen großen, geräumigen Hundekäfig zu setzen. Bei dieser Gelegenheit habe sich auch der Ring, der augenscheinlich an Menschen gewöhnten wilden Schönheit, ablesen lassen: Naturmuseum Praha LA 4326.

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Gut versorgt mit frischem Wasser und Entenfutter, habe die Touristin die Nacht unbeschadet überstanden. Gemeinsam mit ihrer Pensionswirtin sei sie dann gleich am nächsten Morgen zum Lauterbacher Schlossteich gefahren worden - und eroberte sich gewissermaßen selbst ihr eigentlich natürliches Umfeld zurück. Ganz ruhig trippelte die junge Schwänin aus der Transportbox, um schließlich davon zu schwimmen. Allerdings: Nicht, ohne sich mehrmals umzudrehen. Zu jener Frau, die dort mit Tränen in den Augen am Ufer stand. Zu Randi Friese, die dem kleinen Schwanenmädchen aus Prag die Freiheit bewahrt hatte.

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