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Unter freiem Himmel geht noch was

Mitglieder des Böhlaer Jugendclubs pflanzen vor ihrem Domizil eine Hainbuchenhecke – als Begrünung und Lärmschutz.

Mit Spaß bei der Sache: Noah (12), Paul (17) und Louis (14) bei der Heckenpflanzaktion des Böhlaer Jugendclubs (v.l.).
Mit Spaß bei der Sache: Noah (12), Paul (17) und Louis (14) bei der Heckenpflanzaktion des Böhlaer Jugendclubs (v.l.). © Foto: Manfred Müller

Priestewitz/Böhla. Länger wollten sie nicht mehr warten: Am Dienstagvormittag setzten junge Leute aus Böhla und Umgebung die ersten Strauchpflanzen am Sportplatz. 66 Hainbuchen sollen zu einer Hecke zusammenwachsen, die Sichtschutz zum benachbarten Wohnblock bietet und gleichzeitig geräuschmindernd wirkt. „Buchen hat uns die Baumschule empfohlen, weil sie ökologisch am nachhaltigsten sind“, erklärt Thomas Uebigau vom Club-Vorstand. Die Böhlaer Dorfjugend kniet sich förmlich hinein in die Pflanzarbeit. Endlich wieder was gemeinsam anpacken! Das ländliche Jugendleben hat sich seit November weitgehend am Computer abgespielt, und trotz des kühlen, wechselhaften Aprilwetters genießen Paul, Louis, Noah und die anderen die Arbeit unter freiem Himmel. „Wenigstens draußen geht noch was“, sagt Raimo Siegert von der mobilen Jugendarbeit Großenhain-Priestewitz, der das Projekt betreut. Die letzten viereinhalb Monate habe es coronabedingt ja keine Nachmittagsangebote mehr gegeben. Die letzte gemeinsame Aktion war Ende Oktober eine Kletter- und Höhlentour in der Sächsischen Schweiz. Danach kam der Lockdown, und wie es dieses Jahr mit Veranstaltungen für junge Leute weitergeht, ist derzeit noch nicht abzusehen.

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Der Böhlaer Club steht beispielhaft dafür, wie man dem Dahinsterben des Jugendlebens auf dem Lande Einhalt gebieten und einen Generationswechsel managen kann. Zehn Jahre ist es her, dass hier der Vereinsnachwuchs knapp wurde. Das lag an der Abwanderung von jüngeren Menschen nach der Wende und den darauffolgenden geburtenschwachen Jahrgängen. „Es gab eine erhebliche Alterslücke“, sagt Raimo Siegert. „In etlichen aufeinanderfolgenden Jahren wuchs nur ein einziger Böhlaer ins Jugendalter nach.“ Unter diesen Umständen konnten sich die älteren Clubmitglieder nicht, wie sonst üblich, ins Familienleben zurückziehen. Thomas Uebigau zum Beispiel ist mit seinen 37 Jahren zwar schon nicht mehr im jugendlichen Alter, aber gehört immer noch dazu. „Den Jugendclub dichtmachen“, sagt er, „war für uns keine Option.“ Gemeinsam mit Betreuer Siegert hob er stattdessen ein Projekt zur Nachmittags- und Ferienbetreuung für Kinder aus der Taufe.

„Wir haben mit Angeboten für Zehnjährige angefangen“, erzählt Raimo Siegert. „Immer in der Hoffnung, dass die Stifte dabei lernen, wie man selber Sachen plant, organisiert und durchzieht.“ Die Kinder wurden angehalten, selbst Ideen für die Freizeitgestaltung zu entwickeln und dann Schritt für Schritt selbstständig umzusetzen. „Die sollen“, sagt Siegert, „wenn sie 18 sind, wissen, wie es geht.“ Tatsächlich haben es die Böhlaer geschafft, die Lücke zwischen den Generationen zu überbrücken. Heute zählt ihr Jugendclub wieder mehr als 30 Mitglieder und hat trotz der üblichen Fluktuation einen stabilen jungen Kern. „Da tauchen auch immer wieder Zehn- bis Zwölfjährige auf, ohne dass man groß Öffentlichkeitsarbeit machen muss“, sagt Thomas Uebigau. Vor zehn Jahren sei das noch ganz anders gewesen. Da habe er sogar Briefe an die Eltern verschickt, um deren Kinder für die Mitarbeit im Jugendclub zu gewinnen.

Nun hoffen die Böhlaer wie ihre Altersgenossen in Großenhain und anderswo auf ein baldiges Ende des Endlos-Lockdowns. Endlich wieder in der Gruppe zusammentreffen, auch mal in den Clubräumen und möglichst ohne Maske. Raimo Siegert will dieses Jahr noch ein paar Gruppenprojekte durchführen. Die Klettertour im Elbsandsteingebirge soll im Herbst auf jeden Fall wieder stattfinden. Und Siegert will sich dafür einsetzen, dass die Jugendclubs in Großenhain und Priestewitz eine größere finanzielle Unterstützung bekommen. Durch die Kontaktbeschränkungen hätten sie keine Veranstaltungen durchführen können und demzufolge auch keine Einnahmen gehabt.

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