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Unternehmer kritisiert Situation für Händler

Der Großenhainer Ronny Rühle möchte mit einem offenen Brief an Landrat Ralf Hänsel auf die gegenwärtigen Probleme im Einzelhandel aufmerksam machen.

Eines von mehreren Geschäften: Der Inhaber von Modegeschäften in Großenhain, Riesa und Meißen, Ronny Rühle, wendet sich mit einem offenen Brief an Landrat Ralf Hänsel.
Eines von mehreren Geschäften: Der Inhaber von Modegeschäften in Großenhain, Riesa und Meißen, Ronny Rühle, wendet sich mit einem offenen Brief an Landrat Ralf Hänsel. © Thomas Riemer

Großenhain. Innerhalb weniger Stunden hatte ihn das Leben bereits eingeholt. Wandte sich der Großenhainer Unternehmer Ronny Rühle am Montag mit einem offenen Brief an Landrat Ralf Hänsel, weil der verkaufsoffene Sonntag am 13. Dezember laut aktueller Allgemeinverfügung entfallen und alle Geschäfte an diesem Tag nicht öffnen sollen, ist tags darauf sein Problem schon weitaus größer geworden. "Wenn die Entscheidung so fällt, wie sie bereits in den Medien kursiert, dann müssen wir unsere Läden am kommenden Montag ganz schließen", konstatiert Ronny Rühle im SZ-Gespräch und atmet tief durch.

Wie der Inhaber mehrerer Modegeschäfte in Großenhain, Meißen und Riesa betont, käme eine solche Entscheidung einer Vollkatastrophe gleich. Immerhin seien für alle Einzelhändler die Monate Oktober, November und Dezember die Stärksten im ganzen Jahr. Ein Drittel des Umsatzes nehme man in dieser auf Weihnachten zugehenden Zeit ein. Doch dieses Mal - leider Fehlanzeige. Habe man bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr finanziell eingebüßt, klingele es auch jetzt nicht wie sonst in den Kassen. Obgleich die Geschäftsinhaber viel Aufmerksamkeit in die Erarbeitung und Umsetzung eines praktikablen Hygienekonzeptes gesteckt hätten, wären die Kunden spürbar verunsichert. "Sollte es tatsächlich so kommen, wie angekündigt, muss ich meine 15 Mitarbeiter am Montag in Kurzarbeit schicken. Die Lager sind voll, und das Online-Geschäft, welchem wir uns schon gar nicht als Unternehmen verschließen, kann die mangelnden Einnahmen in keiner Weise auffangen", ist sich Ronny Rühle bewusst.

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Was den erfahrenen Geschäftsmann richtig fuchsig macht, sei die momentane Rolle, in die er wie viele in seiner Branche ungewollt von der Politik gedrängt worden wäre. In seiner Eigenschaft als Unternehmer könne er nur noch reagieren und dürfe nicht so - wie es seine Tätigkeit eigentlich verlange - agieren. Auch deshalb habe er sich dazu entschlossen, mit seinen Bedenken an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Handel in den Innenstädten leide seit der Pandemie an einem nie so dagewesenen Frequenz-Verlust. Weniger konsumiert werde allerdings nicht. Die Einkaufsfreude der Menschen habe sich nur massiv verlagert und zwar ins Internet. Statt den lokalen Einzelhandel wie von der Politik gefordert zu unterstützen, würden mit der Absage etwa eines zusätzlichen Einkaufssonntags die potenziellen Kunden jedoch wieder vor den virtuellen Einkaufskorb getrieben. "Ich würde gern wissen, was die Verwaltung zu so einer Entscheidung bewogen hat! Die Infektionslage kann es nicht sein, denn ein zusätzlicher Verkaufstag würde die eh schon sehr dürftige Kundenfrequenz entzerren. Oder ist das Virus am Sonntag besonders aggressiv?", so Ronny Rühle.

Keine Frage: Für den seit 30 Jahren erfolgreich im Modegeschäft tätigen Röderstädter gebe es nach eigenem Bekunden keinen Zweifel daran, dass die Pandemie ein ernstzunehmendes Problem sei, welches es durch entschlossenes, manchmal auch kreatives Handeln, zu besiegen gelte. Aber ob Entscheidungen wie die Absage der verkaufsoffenen Sonntage und den Ladenschließungen vor Weihnachten dazu beitragen können, wage er zu bezweifeln. Stattdessen werde der Riss in der Gesellschaft immer größer. Die Kluft zwischen Gegnern und Befürwortern der Covid-19-Maßnahmen seiner Meinung nach noch tiefer.

Eine Reaktion auf seinen Brief steht noch aus. Wie aus dem Büro des Landrates zu erfahren war, werde eine Antwort gerade auf den Weg gebracht.

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