merken
PLUS Großenhain

Vom Olympiasieger zum Staatsfeind

Gerd Weber und Hartmut Schade gehörten 1976 zu den besten DDR-Fußballern. Ihre Karriere danach verlief tragisch. In Schönfeld erzählten sie auch davon.

Fußballabend in Schönfeld: Moderator Uwe Karte begrüßte mit Hartmut Schade und Gerd Weber (v.l.) zwei namhafte Ex-Dynamos und obendrein Olympiasieger von 1976.
Fußballabend in Schönfeld: Moderator Uwe Karte begrüßte mit Hartmut Schade und Gerd Weber (v.l.) zwei namhafte Ex-Dynamos und obendrein Olympiasieger von 1976. © Kristin Richter

Schönfeld. "Ich bin mit mir im Reinen", sagt Gerd Weber. Mehr als 80 Augenpaare richten sich gespannt auf den 65-jährigen einstigen Spitzenfußballer von Dynamo Dresden. "Ich habe damals einen ,Fehler' gemacht und dafür Entbehrungen ertragen müssen. Aber ich bin wieder aufgestanden."

Nach anderthalb Jahren Pause hat der Fußballabend auf Schloss Schönfeld am Dienstag erstmals wieder stattgefunden. Mit Gerd Weber und Hartmut Schade (66) konnte Journalist und Autor Uwe Karte zwei Olympiasieger von 1976 begrüßen. Der erinnerte aber zunächst an den vor gut einem Jahr verstorbenen Gert Zimmermann. "Zimmi" hatte die Fußballabende ins Leben gerufen und über 30 Mal moderiert. Mit einer Schweigeminute und einem Film wurde er nochmals geehrt. "Er war ein positiv Verrückter", charakterisiert ihn Hartmut Schade.

Anzeige
Auf geht’s in die Erntezeit
Auf geht’s in die Erntezeit

Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Weber und Schade eint eine gemeinsame erfolgreiche Zeit bei Dynamo Dresden in den 1970er Jahren. DDR-Meister, Pokalsieger, Länderspiele. Schon im Juniorenalter lernten sie sich kennen. Weber, der Jüngere, arbeitete sich wie Schade in die Stammelf. Aber als Jüngster im Team erlebte er die Hierarchie in der Oberligamannschaft. "Man musste schon etwas leisten, ehe man zu Klaus Sammer ,Langer' sagen durfte", erinnert sich Weber. Und weil er ewig der Jungspund war, war er der Ballträger. Sogar noch als Olympiasieger! Für Hartmut Schade war diese Phase "eine geile Zeit". Ja, er habe sich schon ein bisschen als Jungstar gefühlt. Auch dank legendärer Spiele wie die gegen Juventus Turin oder Bayern München im Europapokal der Landesmeister 1973.

Gerd Webers Karriere endete tragisch. Anfang Januar 1981 wurde er wegen geplanter Republikflucht verhaftet, musste ins Gefängnis. Fußball durfte er nicht mehr spielen, wurde aus dem Sportverband ausgeschlossen. Über die Leidenszeit reden will er eigentlich nicht mehr. "Ich bin froh, dass es aufgearbeitet ist", sagt er nachdenklich.

Ganz anders, aber nicht weniger tragisch, ging Hartmut Schades aktive Zeit zu Ende. Nach einem bösen Foul von Gert Hoppe im Spiel gegen Carl Zeiss Jena lautete die Diagnose: Beinbruch. Ärzte hätte ihm nach der zweiten Operation gesagt, dass sie sein Leben und das Bein retten konnten, mit Fußball aber Schluss sein müsse. Das war 1980, und "Harti" sagt: "Ich war 26 - die Zeit dafür war noch nicht reif."

Gerd Weber flüchtete im August 1989 über Ungarn in den Westen. Er lebt heute im Schwarzwald, ist Rentner, vor ein paar Tagen kam das zweite Enkelchen zur Welt. Dresden sei seine Heimat, aber der Schwarzwald sein Lebensmittelpunkt. "Trotzdem: Dort ist man immer der Zugereiste", erzählt er schmunzelnd.

Hartmut Schade wurde Trainer, sogar mal Chefcoach bei Dynamo. Seit wenigen Monaten ist er wieder Dresdner, lebte vorher 23 Jahre in München. Fußball spielt das frühere Erfolgs-Duo höchstens noch bei Kurzeinsätzen in Traditionsmannschaften - so wie am Wochenende in Dresden-Striesen.

Gerd Weber gesteht, den Olympiasieg vor 45 Jahren nur langsam realisiert zu haben: "Man kann damit leben, aber man sollte das nicht überbewerten." Hartmut Schade sieht es etwas anders: "Ein Olympiasieg ist etwas für die Ewigkeit", sagt er dann.

Mehr zum Thema Großenhain