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Großenhain: Vom radikalen Lockdown kalt erwischt

Gleich nun, ob Supermärkte oder Kirchen: Die aktuellen Entscheidungen stellen auch in der Röderstadt das Leben vor Ostern komplett auf den Kopf.

Deprimierende Aussichten für den Osterhasen: Bereits zum zweiten Mal in Folge kann das an sich freudige Fest nicht so gefeiert werden, wie es sich die Menschen nach den letzten Monaten erhofften.
Deprimierende Aussichten für den Osterhasen: Bereits zum zweiten Mal in Folge kann das an sich freudige Fest nicht so gefeiert werden, wie es sich die Menschen nach den letzten Monaten erhofften. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. An diesem Dienstagvormittag tun es unerwartet alle Gesprächspartner sofort und herzerfrischend unverstellt. Was die Frauen und Männer verbindet, ist das ungläubige Bewusstwerden, welche die neuesten Entscheidungen der Bund-Länderkonferenz mit sich bringen. Keiner von ihnen hatte damit gerechnet, dass bereits am Gründonnerstag eine sogenannte Ruhephase eingeläutet werden würde.

Eine, die nun gut eine Woche vorher alles gehörig durcheinander rüttle und gewaltig Unruhe in bisher gewohnte Abläufe bringe. "Das ist der absolute Wahnsinn", sagt Bernd Gawalski und schüttelt den Kopf. Wie der Großenhainer Fleischermeister betont, müsse komplett umgeplant werden. Immerhin wäre nicht nur die passionierte Hausfrau daran gewöhnt, vor dem Osterfest noch einmal richtig einkaufen gehen zu können.

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Damit alle Kunden das in seinem traditionsreichen Geschäft auf der Elsterwerdaer Straße trotzdem könnten, werde nun statt Donnerstag am Montag geöffnet sein. "Ich hoffe sehr, dass all meine Lieferanten so spontan mitziehen können und werde selbst die Produktion umstellen. Auf diese Weise wird alles in der üblichen Weise, auch am Karsamstag, erhältlich sein", erklärt Bernd Gawalski.

Ein Ziel, das sich auch John Scheller setzt. Der Betreiber dreier Edeka-Märkte in Dresden, Radeberg und Großenhain sei nach eigenem Bekunden am Morgen von der veränderten Situation kalt erwischt worden. Seit Stunden telefoniere er nun schon und habe am Nachmittag noch eine Krisensitzung mit der Zentrale im Terminkalender. Was im Bundeskanzleramt in nächtlicher Dunkelheit entschieden worden sei, beschere bei Helligkeit besehen einen logistischen Supergau. Denn abgesehen davon, dass für die Kunden nun nur ein Tag zwischendurch bliebe, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen und jetzt mit großem Andrang von Montag bis Mittwoch zu rechnen sei, wären die Warenanlieferungen selbstverständlich ganz anders terminiert.

Logischerweise, so John Scheller, würden die frischen Produkte und Nachschub üblicherweise am Gründonnerstag kommen. Aber genau da solle ja nun geschlossen sein. "Und das vor dem Hintergrund, dass Gründonnerstag aufgrund der langen zusammenhängenden Feiertage für die Branche der intensivste Einkaufstag im Jahr ist", gibt John Scheller zu bedenken. Natürlich werde man alles daran setzen, die Versorgung abzusichern und auch die gewünschten Leckerbissen bereitzuhalten. Aber die Kundenströme nebst Warteschlangen, welche aufgrund der getroffenen Entscheidung entstehen werden, würden sicherlich enorm sein.

Gedanken, die man sich auch im Kaufland macht. Allerdings stehe man ohnehin immer mit den zuständigen Behörden in Kontakt und setze alles daran, die Verordnungen zeitnah und pragmatisch umzusetzen. Das gelte selbstverständlich auch für die beschlossenen Ruhetage über Ostern. "Natürlich bereiten wir uns auf diese Situation professionell vor, so dass unsere Kunden gut und sicher bei uns einkaufen können. Bereits an Weihnachten haben wir Tage mit besonders hoher Kundenfrequenz gut gemeistert. Dies gilt sowohl für unsere Warendisposition, als auch für die Besetzung unserer Bedientheken und Kassen", versichert Unternehmenssprecherin Alisa Götzinger.

Aufgrund der großen Verkaufsflächen sowie den breiten Gängen können die geforderte Kundenanzahl sowie die Mindestabstände in der Regel gut einhalten werden. Sollte es aufgrund eines verstärkten Andrangs notwendig sein, würden die Einkaufswagen auf eine entsprechende Anzahl begrenzt oder der Zutritt mit Einlasskarten beschränkt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfolge standortindividuell.

Noch kann zugegriffen werden: Matthias Lützner, stellvertretender Leiter des Großenhainer Edeka-Marktes, mit einem Teil der Osterware. Auch auf sie wird es sicherlich noch großen Ansturm geben.
Noch kann zugegriffen werden: Matthias Lützner, stellvertretender Leiter des Großenhainer Edeka-Marktes, mit einem Teil der Osterware. Auch auf sie wird es sicherlich noch großen Ansturm geben. © Foto: Kristin Richter

Kirchen hoffen auf Gottesdienste

Während sich der Handel bereits mit den überraschenden Gegebenheiten abgefunden hat, sind Sachsens Gotteshäuser noch voller Hoffnung auf den Kirchgang zum höchsten Fest der Christen. Bisher waren die Gemeinden auch im Großenhainer Land davon ausgegangen, mit den bereits seit Monaten erfolgreich praktizierten Schutz- und Hygienemaßnahmen zu Ostern Präsenzgottesdienste abhalten zu können. Das Bund und Länder darum bitten würden, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften nur Online-Angebote machen sollen, treffe alle Beteiligten ziemlich unvermittelt.

"Wir können im Moment leider noch gar nichts dazu sagen! Auf Weihnachten waren wir vorbereitet und haben bereits ab September entsprechende Podcasts und Videosequenzen produziert. Nun sind es jedoch nur noch acht Tage bis zum Osterfest und es bleibt nicht mehr viel Zeit, um in Abstimmung mit den einzelnen Kirchgemeinden vor Ort zu handeln", bedauert die Großenhainer Pfarramtsleiterin Sarah Zehme.

Wie sich der plötzliche Ruhetag oder vielmehr der arbeitsrechtliche Umgang mit diesem beispielsweise in der kommunalen Verwaltung auswirkt, konnte bis zum späten Nachmittag Diana Schulze noch nicht beantworten. Laut der Großenhainer Rathaussprecherin warte man dazu auf eine Stellungnahme des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Ob die Angestellten den Tag als zusätzlichen Urlaub verbuchen, Überstunden nehmen oder ganz einfach geschenkt bekämen, sei völlig unklar.

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Beständiger dagegen ist der Fahrplan der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM). Und dieser sehe angesichts der beginnenden Osterferien ab Montag ohnehin einen reduzierten Verkehr durch den Landkreis Meißen vor. "Wir wissen ja auch erst seit Dienstagmorgen vom verstärkten Willen nach mehr Ruhe. Aber ich gehe davon aus, dass es keine zusätzlichen Änderungen am Gründonnerstag geben wird, da ja trotzdem noch bestimmte Berufsgruppen arbeiten und somit von A nach B kommen müssen", vermutet Marketingchefin Ramona Raden und - lacht. Denn Humor ist, wenn man ihn auch in dieser Krisenstimmung bewahren kann.

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