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Vor Eifersucht ausgerastet

Ein Großenhainer schlägt den neuen Bekannten seiner Ex – wählt vor Gericht allerdings nicht die beste Verteidigungsstrategie.

Ein Großenhainer musste sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er angeblich den neuen Bekannten seiner ehemaligen Partnerin geschlagen haben soll.
Ein Großenhainer musste sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er angeblich den neuen Bekannten seiner ehemaligen Partnerin geschlagen haben soll. ©  Foto: dpa

Großenhain. Es kommt nicht oft vor, dass ein Richter bei der Urteilsbegründung unterbrochen wird. Nicht nur der Respekt gebietet es, ihm bis zum Schluss zuzuhören, sondern auch die Prozess-Formalitäten. Denn am Ende seiner Ausführungen kommt Rechtsbehelfsbelehrung – die Erklärung, auf welche Weise das Urteil angefochten werden kann. Swen B. weiß das durchaus, denn er hat schon zwei Dutzend Mal Bekanntschaft mit der Justiz gemacht. Dennoch springt er wutentbrannt auf und stürmt aus dem Verhandlungssaal. „Ich nehme die vier Monate“, lässt er Richterin Ingeborg Schäfer noch über die Schulter hinweg wissen.

Was den Großenhainer so erbost, ist, dass er verurteilt wird, obwohl er die Tat rundweg abgestritten hatte. Obwohl er eine Zeugin präsentierte, die ihm für die Tatzeit ein Alibi gab. Aber der Reihe nach. Die Staatsanwaltschaft hatte Swen B. vorgeworfen, an einem Septembermorgen in die Wohnung seiner Ex-Freundin eingedrungen zu sein und einem Bekannten, der dort eingezogen war, mit einem Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben. Außerdem soll der 37-Jährige einen Fünf-Euro-Schein, der auf dem Tisch lag, eingesteckt haben. So schildern es die Ex und der Geschädigte vor Gericht.

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Wie sich im Laufe der Verhandlung herausstellt, war die Szene Teil eines Eifersuchtsdramas. Die Wohnungsinhaberin, nennen wir sie Lisa – hatte mit der Beziehung zu Swen B. Schluss gemacht, und das konnte der cholerisch veranlagte Ex nicht ertragen. Er bombardierte die Verflossene mit beleidigenden Handy-Kurznachrichten, drohte, sie wegen vermeintlichen Drogendelikten anzuzeigen und dafür zu sorgen, dass ihr die Kinder weggenommen würden. Gleichzeitig drängte er auf ein Treffen, um irgendwelche noch offenen Fragen zu klären. Lisa war der Meinung, dass es nichts mehr zu klären gebe und ignorierte das Nachrichtengewitter. In diesen Handlungsfluss passen die Aussagen der beiden Geschädigten eigentlich recht gut.

Sven B. soll morgens gegen halb acht an Lisas Tür gestanden und Einlass begehrt haben, „um zu reden“. Als sie das ablehnte, stieß er sie beiseite und begab sich in die Küche, wo sein vermeintlicher Rivale saß, der Lisas kleine Tochter auf dem Schoß hatte. B. stürmte auf ihn zu, wollte ihm erst das Kind abnehmen, und als das nicht funktionierte, schlug er zu. Der Ex-Freundin gelang es schließlich, Swen aus der Wohnung zu drängen. Anschließend rief sie bei der Polizei an und erstattete Anzeige.

Swen B. behauptet nun vor Gericht, überhaupt nicht bei Lisa gewesen zu sein. Er habe sich eine Straße weiter bei einer Bekannten aufgehalten. Schließlich sei der bewusste Tag sein Geburtstag gewesen, und da hätte er anderes zu tun gehabt.

Die Bekannte bestätigt das im Zeugenstand auch. Als Richterin Ingeborg Schäfer allerdings detailliert nachfragt, gerät die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage gehörig ins Wanken. Zum Beispiel dadurch, dass sie mit Swen B. über alles Mögliche gesprochen haben will, aber offensichtlich nichts von dessen Geburtstag mitbekommen hat. Oder dadurch, dass Swen in der Zeit, in der er angeblich bei ihr war, eine ganze Kaskade per Handy-Mitteilung von Beschimpfung und Drohungen an Lisa schickte.

Deshalb schenkt das Gericht dem Delinquenten und seiner Zeugin keinen Glauben und verurteilt Swen B. zu vier Monaten und zwei Wochen Freiheitsentzug. Die Strafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt. Zum einen, weil Sven B. im laufenden Jahr schon wegen anderer Delikte auf der Anklagebank saß und verurteilt wurde. Zudem ist es nicht die erste Eifersuchtsgeschichte, die den Großenhainer mit dem Gesetz in Konflikt bringt. Dass er im Gerichtssaal derart unbeherrscht reagiert, macht die Sache nicht besser.

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