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Was alles in der Röder schwimmt

Nahe der Zabeltitzer Schlossmühle wird immer wieder Unrat angeschwemmt. "Das ist irre", sagt Eigentümer Timmy Held.

Ein Teppich von angeschwemmtem Müll "ziert" regelmäßig die Röder nahe der Zabeltitzer Schlossmühle.
Ein Teppich von angeschwemmtem Müll "ziert" regelmäßig die Röder nahe der Zabeltitzer Schlossmühle. © Kristin Richter

Zabeltitz. "Schon traurig, wie viel Müll in der Röder landet und dann in Zabeltitz angespült wird." Das schrieb eine Facebook-Nutzerin jüngst im sozialen Medium - und sie trifft damit den Kern. Denn: Wenn auch auf einem weit niedrigeren Niveau, wird man hier an Bilder mit angeschwemmtem Unrat aus Karibik-Buchten erinnert.

Bestandsaufnahme am Dienstagfrüh an der Schlossmühle in Zabeltitz: Mindestens zwei Dutzend leere Flaschen, ein ausgedienter Gummi-Fußball, eine Kondomverpackung, ein Plasteeimer, unzählige Papierreste. Dass es sich an dieser Stelle eigentlich um ein Fließgewässer handelt, kann erst beim dritten Hinschauen ansatzweise erkannt werden. "Das ist irre, was die Leute in die Röder schmeißen", kommentiert Timmy Held das Treiben.

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Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Held ist Eigentümer der Schlossmühle und auch des benachbarten Cafés "Zur Mühle". Der Müllteppich vom Dienstag ist der "Ertrag" der vergangenen drei Wochen, sagt er. Ungefähr in diesem zeitlichen Abstand öffnet er das zum Grundstück gehörende Wehr, um den Wasserfluss zu beschleunigen und Schwemmgut abfließen zu lassen. Doch es ist eben nicht nur Schwemmgut, das sich hier sammelt. Mit einem speziellen Haken, einem Rechen und diversen anderen Geräten versucht Timmy Held jeweils, den Fremdmüll zu greifen. Als Naturfreund und Grundstückseigentümer fühlt er sich einfach dazu verpflichtet. Und staunt immer wieder, was da so alles zum Vorschein kommt. Zwei Körbe auf der kleinen Brücke sind gefüllt. Wieder ein großes Sortiment geleerter Sekt-, Wein- oder anderer Flaschen. "Der Großteil ist aus Glas, nur wenige aus Plaste", hat Timmy Held registriert. Dafür sind Plasteeimer- und körbe unter den Fundstücken, aber auch ein Fahrradhelm. Manchmal, so frotzelt der Unternehmer, könne man am Müll genau ablesen, dass irgendwo in der Umgebung Kinder und Jugendliche Wandertag hatten. Dann finde man Bananenschalen, aber auch ganze Stullen- und Fresspakete.

Die Schlossmühle ist nicht der einzige Schauplatz im Rödergebiet, an dem sich immer wieder solch riesige Müllansammlungen finden. Nahe der Baudaer Mühle passiere das ebenso wie zum Beispiel in Koselitz, wo immer wieder Rasenschnitt ins Wasser geschüttet werde. Unweit des Zabeltitzer Gabelwehrs wiederum hatte ein ins Wasser gestürzter Baum unlängst für Müllstau gesorgt. Er ist aber inzwischen, offenbar von der Landestalsperrenverwaltung, beseitigt worden. So ganz klar ist aber offenbar nicht, wer generell für die Beseitigung des Unrats zuständig ist. "Wir machen das gern", sagt Timmy Held. "Aber wir sind nicht die ,Gewässerpolizei'."

Natürlich beschäftigt ihn, was Leute bewegt, die Umwelt derart zu verunreinigen. Ist es Bequemlichkeit? Ist es Gleichgültigkeit? Oder einfach nur Unbedarftheit? Helds Credo ist deutlich: "Was man in die Natur mitnimmt, sollte man auch nicht dort lassen."

Zumal solch Umweltfrevel ja nicht nur für die Röder und in diesem Fall die Zabeltitzer Schlossmühle zutrifft. Jährlich fallen unzählige illegale Müllablagerungen insbesondere in Wäldern auf. Mal ist es eine Tüte mit leeren Flaschen, mal ein gefühlt riesiger Hänger mit Bauschutt. Die Suche nach den Verursachern verläuft zumeist im Sand. Es sei denn, sie hinterlassen Spuren. Wie etwa ein Sünder vor mehr als 20 Jahren, der in einer Kiesgrube nördlich von Großenhain seinen gesamten Alt-Haushalt entsorgte und vergessen hatte, das darunter auch Negative von schwarz-weiß-Filmen waren ...

Umso mehr sind also Selbstinitiative und auch Courage gefragt. So, wie es Timmy Held praktiziert. Oder zum Beispiel der Großenhainer Benjamin Paul. Der sammelte im vergangenen Jahr allein bis zum Herbst 13 Säcke mit Müll. Anstoß dafür gab ihm sein Hobby, das Geocaching. Bei seinen Streifzügen begann er zu sammeln, was andere achtlos weggeworfen hatten. Und der junge Mann hatte sich auch belesen. So dauere es 50.000 Jahre, bis eine Glasflasche verrottet. Bei einem "to-go-Becher" sei der Prozess immerhin "schon" nach 50 Jahren beendet. Und eine gedankenlos weggeworfene Zigarettenkippe belastet die Umwelt immerhin noch zehn Jahre...

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Timmy Held fischt den Unrat nicht nur aus dem Wasser, sondern entsorgt ihn ordnungsgemäß in den vorgesehenen Behältern. © Kristin Richter

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