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"Industriegebiet Flugplatz ist eine große Herausforderung"

In der jüngsten Ratssitzung stimmte das Gremium dem städtebaulichen Vertrag zu. Ein weiterer Meilenstein im Hinblick auf die Entwicklung des Areals.

Von Catharina Karlshaus
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Der Großenhainer Flugplatz blickt auf eine lange Tradition des Fliegens zurück. In der Zukunft soll das Grundstück jedoch zur Ansiedlung von Industrie genutzt werden.
Der Großenhainer Flugplatz blickt auf eine lange Tradition des Fliegens zurück. In der Zukunft soll das Grundstück jedoch zur Ansiedlung von Industrie genutzt werden. © Kristin Richter

Großenhain. Es war eine Weile etwas still geworden. Um jenes Areal, was Großenhain spätestens seit Oktober 2013 über die Grenzen des Freistaates Sachsen hinaus bekannt machte. Mit fast 150 Hektar als größte zusammenhängende Industriefläche Sachsens gehandelt, soll sie nun in spätestens fünf Jahren als begehrtes Filetstück für international agierende Investoren zur Verfügung stehen. Groß sei noch immer der Umfang der noch zu beseitigenden Altlasten, für deren Beseitigung der Freistaat schließlich allein 21 Millionen Euro in die Bodensanierung investiere. Bis 2023 solle diese wiederum abgeschlossen sein. Danach folge nach jetzigem Stand der Dinge die Grundwasserreinigung, die noch mal weitere drei Jahre in Anspruch nehmen könne, prognostizierte Oberbürgermeister Sven Mißbach im Februar. Nun, ein paar Monate später, hat sich nicht nur theoretisch etwas getan. Was genau, erfuhr saechsische.de von Großenhains Stadtbaudirektor Tilo Hönicke.

Herr Hönicke, in der jüngsten Sitzung stimmte der Stadtrat dem Städtebaulichen Vertrag zum Industriegebiet Flugplatz zu. Was bedeutet das? Rollen nun bald die Bagger an?

Der Beschluss des Stadtrates vom 15. Dezember zum Bebauungsplan „Industriegebiet Großenhain Nord“ und hier zum Städtebaulichen Vertrag bedeutet in erster Linie, dass jetzt vertraglich geklärt ist, wer wofür verantwortlich ist und dies
letztendlich auch finanziert. Eine detaillierte Abgrenzung ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, da es sich um einen sogenannten Angebotsbebauungsplan handelt. Praktisch bedeutet das, der zukünftige Eigentümer steht noch nicht fest, und das heißt gleichzeitig auch, dass ein kurzfristiges Anrollen der Bagger nicht ansteht. Der Abschluss des Städtebaulichen Vertrages ist das Ergebnis eines sehr langen Verhandlungsmarathons mit dem Freistaat Sachsen, wobei sich die Stadt Großenhain meines Erachtens gut positioniert hat. Unser Anliegen war stets, das Risiko für die Stadt überschaubar und so gering wie möglich zu halten.

Das Verfahren für die größte zusammenhängende Industriefläche dauert bereits seit einigen Jahren an. Worin bestehen die Herausforderungen?

Eine besteht unzweifelhaft in der enormen Größe der Fläche. Sie umfasst
gut 230 Hektar, davon 146 Hektar Nettobauland. Enorm anspruchsvoll sind insbesondere die planerischen Festsetzungen, aber auch die Heranführung der Medien Gas, Strom, Trinkwasser sowie die mögliche Ableitung des Regenwassers. Und auch die naturschutzrechtlichen Belange stellen eine besondere Herausforderung dar.
Das Büro Ingenieure/Planer/Landschaftsarchitekten Richter + Kaup aus Görlitz leistet eine hervorragende sachliche Arbeit. Es begleitet den Freistaat Sachsen und unterstützt uns glücklicherweise sehr in der Lösung all dieser recht komplexen Fragestellungen.

Das renommierte Büro hat dem Vorhaben bereits ein planerisches Gesicht gegeben. Wie sehr wird sich das Areal verändern?

Der ursprünglich militärisch genutzte Flugplatz, welcher derzeit noch von der Flugplatzbetreibergesellschaft und einer Flugschule als Verkehrslandeplatz bewirtschaftet wird, muss diese Bestimmung aufgeben. Es ist nun mal eine industriell-gewerbliche Ansiedlung geplant. Das Ziel der Stadt Großenhain war aber in diesem langwierigen Prozess immer, die Flugplatznutzungen so lange wie möglich beizubehalten. Und das ist der Fall.

Großenhains Stadtbaudirektor Tilo Hönicke hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits zahlreiche große Projekte mit auf den Weg gebracht und begleitet. Das Industriegebiet dürfte eine besondere Herausforderung sein.
Großenhains Stadtbaudirektor Tilo Hönicke hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits zahlreiche große Projekte mit auf den Weg gebracht und begleitet. Das Industriegebiet dürfte eine besondere Herausforderung sein. © Archivfoto: Anne Hübschmann

Trügt das Gefühl, es entsteht eine kleine neue Stadt innerhalb der Stadt? Werden die Großenhainer ihre jetzige noch erkennen?

Ja! Das Gefühl trügt! Sie werden die Stadt noch wiedererkennen! Aus der Sicht der Verwaltung entsteht keine neue Stadt innerhalb von Großenhain, da es eine reine Industriefläche ist und kein Mischgebiet mit Wohnbebauung. Je nachdem, wie viele neue Arbeitsplätze durch einen möglichen Investor geschaffen werden, werden sich dann sicherlich neu hinzugekommene Einwohner in Großenhain verteilen, in den Ortsteilen und in den umliegenden Gemeinden. Die mögliche Ansiedlung hätte damit eine Ausstrahlung auf die gesamte Region bis nach Brandenburg hinein.

Wird das Gebiet tatsächlich an das Eisenbahnnetz angeschlossen und wie viele neue Straßen kommen hinzu?

Ein Eisenbahnanschluss ist eine Option, jedoch liegt die Entscheidung bei einem möglichen Investor. Geplant ist momentan außerdem eine weitere Straße, über deren Bau aber auch der Investor entscheidet.

Wie ist der Fahrplan für die kommenden Monate?

Ausgehend von der jüngsten Beschlussfassung des Stadtrates werden in den nächsten Wochen die Abwägungsergebnisse in die Planungsunterlagen eingearbeitet und damit der neue Entwurf des Bebauungsplanes erstellt. Diesen gilt es dann, dem Stadtrat zum Beschluss vorzulegen und anschließend nochmals für die Öffentlichkeit auszulegen, um so auch die Träger öffentlicher Belange erneut beteiligen zu können. Treten in diesem Verfahren keine größeren Änderungen auf, ist es unser Ziel, den überarbeiteten Entwurf im Sommer 2022 im Stadtrat zum Beschluss einzubringen.

Herr Hönicke, und nun können Sie es zum Schluss vielleicht doch verraten: Gibt es bereits einen Investor?

Gespräche zu einer Ansiedlung gab es in den letzten Jahren schon mehrere, an denen der Oberbürgermeister Dr. Mißbach teilgenommen hat. Allerdings darf ich Ihnen sagen, dass es noch keine Entscheidung eines Investors, auf dem Großenhainer Areal bauen zu wollen, gibt.