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Weihnachten 2020? Zuhause und in Familie

Die Pandemie kennt bekanntlich keine Feiertage. Die Menschen im Großenhainer Land haben sich darauf eingestellt - mehr oder minder.

Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel ist schon in Weihnachtsstimmung. Kein Wunder, hat der sympathische Verwaltungschef sowohl in der Amtsstube als auch zu Hause schon einen Baum.
Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel ist schon in Weihnachtsstimmung. Kein Wunder, hat der sympathische Verwaltungschef sowohl in der Amtsstube als auch zu Hause schon einen Baum. © Foto: Kristin Richter

Landkreis. Stille Nacht, Heilige Nacht - aber so still sollte es doch eigentlich nicht sein. Beim Gedanken an das bevorstehende Weihnachtsfest hüpfen momentan nicht unbedingt die Herzen der Menschen höher. Gleich nun, in welchem Landstrich, machen sie sich vielmehr Gedanken darüber, ob die richtige Entscheidung in Sachen Oma, Opa, Kindern oder Tantchen getroffen wurde. Sorgen, die auf die Weihnachtsstimmung drücken? Die SZ hörte sich um.

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach setzt in diesem Jahr auch auf Weihnachten daheim. Im geschmückten Haus werde man den Heiligabend zu fünft verbringen und sich auch an den anderen Feiertagen zahlenmäßig beschränken. „Es ist zur Zeit eben leider, wie es ist, und aus Verantwortung für seine Angehörigen sollte man da liebevolle Vorsicht walten lassen“, weiß der Verwaltungschef. Er ist einer, der sonst zwar am Herd stehe, in diesem Jahr aber gern das Angebot der fix und fertig zubereiteten Weihnachtsgans angenommen habe. Rechtzeitig bestellt, käme der leckere Braten geradewegs aus der Gaststätte Kupferberg auf den Mißbachschen Tisch. „Wir freuen uns auf Weihnachten und werden es uns gemeinsam schön machen", ist sich Sven Mißbach sicher.

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Sein Amtskollege Hans-Joachim Weigel ist gewissermaßen schon mittendrin. Wie der Schönfelder Bürgermeister lachend verrät, hätten seine Frau und der sechsjährige Enkel bereits am dritten Advent gemeinsam den Weihnachtsbaum geschmückt. Etwas früher als sonst vielleicht, aber der Tatsache geschuldet, dass man in diesem Jahr einfach mehr Zeit habe und diese auch zuhause verbringe. Heiligabend selbst werde man dann mit der Tochter verbringen und es sich richtig gut gehen lassen. Am Mittag würden Gans, Rotkraut und Klöße aufgetischt, und nach der Bescherung - vor allem der Enkeljunge sei sicher schon aufgeregt - werde man sich den traditionellen Kartoffelsalat mit Würstchen schmecken lassen. Den ersten Feiertag sei man dann wieder in Schönfeld, wo Kaninchen auf dem festlichen Speiseplan stünde. Leider von alledem nichts haben werde indes ein weiteres Familienmitglied. "Unser Sohn, der selbst in einer großen Klinik tätig ist, lebt in Niederösterreich, und da ist schon seit vielen Wochen mit einem Wiedersehen gar nichts möglich", erzählt Hans-Joachim Weigel. Da man sich und auch niemanden anderen gefährden wolle, halte sich die Familie aber an die Beschränkungen, telefoniere oder skype und könne auf diese Weise auch die entfernteren Enkelkinder sehen. "Der jetzige Lockdown war ja angesichts der Umstände keine große Überraschung. Deshalb hoffen wir das Beste und genießen Weihnachten trotzdem."

Einen Vorsatz, den sich auch Heike Claus in Kopf und Herz geschrieben hat. Die Inhaberin des beliebten Großenhainer Dekorations- und Einrichtungsladens "Dein Ambiente" würde vor dem Fest eigentlich bis zur letzten Verkaufsminute im Geschäft stehen. Nun vorzeitig ausgebremst, habe das vorweihnachtliche Gefühl schon arg gelitten und sei überschattet von der Sorge, wie es wohl im Januar weitergehen werde. Nichtsdestotrotz wolle man sich die bevorstehenden Feiertage im Kreise der Kinder schön und vor allem ruhig gestalten. Ein wenig Kraft schöpfen, um dann im neuen Jahr hoffentlich wieder richtig durchstarten zu können. Kartoffelsalat und Würstchen sowie die Bescherung zählten am Heiligabend genauso wie das Beisammensein mit den Eltern am ersten Weihnachtsfeiertag. Dass Mama mit leckerem Essen überrasche, sei glücklicherweise auch zu diesem Fest so. "Denn andere liebgewordene Rituale können natürlich nicht stattfinden. Wir vermeiden selbstverständlich Kontakte, und so ist freilich ein Glühweinumtrunk mit den Freunden auf der weihnachtlich geschmückten Dachterrasse ebenso nicht möglich wie die große Silvesterfeier", bedauert Heike Claus.

Ein Verzicht hier und da, den sich auch Kerstin Boragk auferlegt hat. Die Inhaberin der Löwen-Apotheke in Großenhain und Gröditz hat sich gemeinsam mit ihrer Familie bewusst eine reduziertere Gestaltung des Weihnachtsfestes auferlegt. "Ich bin den ganzen Tag und bis zum Fest in der Apotheke und entsprechend Kontakten und Keimen ausgesetzt. Bei aller Vorsicht kann ich niemandem garantieren, dass ich nicht doch etwas aufgeschnappt habe", bekennt Kerstin Boragk. Selbst wenn sie einen Schnelltest am Heiligabend machen würde, sei noch immer nicht garantiert, dass angesichts einer Inkubationszeit bis zu zehn Tagen nicht doch irgendwelche der gefürchteten Corona-Viren im Anmarsch wären. "Praktisch heißt das für uns wirklich die Minimalvariante mit der Tochter. Was jedoch nicht bedeutet, dass wir es uns da nicht auch schön machen", sagt Kerstin Boragk. Als passionierte Kaninchenzüchter käme der Feiertagsbraten selbstverständlich aus dem eigenen Stall - serviert mit Rotkraut und Klößen.

Mit reichlich weihnachtlichem Gefühl gesegnet sind Sarah und Sebastian Zehme. Kein Wunder auch! Großenhains Pfarramtsleiterin und der Lenzer Pfarrer haben in der Adventszeit nicht zuletzt dafür gesorgt, dass vielen Menschen in der Region trotz der gegenwärtigen Sorgen und Probleme doch noch weihnachtlich zumute werden konnte - und wurden nun kurz vorm Fest selbst ausgebremst. In häuslicher Quarantäne befindlich, stelle sich damit ohnehin nicht die Frage, wo die Weihnachtsfeiertage verbracht werden. "Wie wir bereits ohnehin schon geplant hatten, werden wir daheim sein und uns zusammen die Zeit schön gestalten", verrät Sebastian Zehme. Angesichts des sechsköpfigen Haushaltes habe man ja den unschätzbaren Vorteil, ohnehin nicht allein zu sein. Gemeinsam werde erzählt und musiziert. Ja, selbst ein Krippenspiel mit den 500 Kilometer entfernt lebenden Großeltern sei in Planung. Dass Oma Maria und Opa Joseph ihren schauspielerischen Part über Videotelefonie leisten müssten, werde dem Vergnügen sicherlich keinen Abbruch tun. Dank der modernen Technik würde die Familie auch die Christvesper der sächsischen Landeskirche anschauen und natürlich das Video des Großenhainer Kirchspiels. Ein Geschenk, so Sebastian Zehme, habe es übrigens schon vor der Bescherung am Heiligabend gegeben. "Es hat sich in der Gemeinde schnell herumgesprochen, dass wir uns in Quarantäne befinden. Vor unserem Hoftor stehen seitdem Körbe mit Essen und kleinen Aufmerksamkeiten. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar", freut sich Sarah Zehme. Anteilnahme und Zuwendung, die Hoffnung schenken. Ein Stück von Weihnachten eben.

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