merken
PLUS Großenhain

Weihnachtsbraten wegen Corona in Gefahr?

Auf den Wiesen im Landkreis Meißen schnattert es wieder. Was die Gänse nicht ahnen: Ihr Schicksal ist in zweifacher Hinsicht bedroht. Und das der Züchter.

Sie haben gut flattern. Die gut 160 Gänse, welche in der Agrargenossenschaft Großdobritz mbH von Familie Händler herangezogen werden, haben keine Ahnung von Corona und Co.
Sie haben gut flattern. Die gut 160 Gänse, welche in der Agrargenossenschaft Großdobritz mbH von Familie Händler herangezogen werden, haben keine Ahnung von Corona und Co. © Foto: Norbert Millauer

Landkreis. Die schönste Zeit des Jahres hat sich schon besser angefühlt. Privat und geschäftlich auch. Nicht, dass Andre Noack momentan einen Grund zur Klage hätte. Die meisten der im Hofgut Kaltenbach umherschnatternden Gänse hören längst auf die Familiennamen jener, die sie zum Weihnachtsfest traditionell verspeisen wollen. Groß sei die Nachfrage danach bereits im frühen Herbst gewesen. Ebenso nach einer der 800 aufgezogenen Enten, den Fasanen oder Perlhühnern. Allesamt sich prächtig entwickelndes Federvieh, das ausnahmslos die fleischliche Qualität besitzen werde, zu den Höhepunkten der Feiertage beizutragen. Nein, da bräuchte man sich wirklich nicht zu beklagen.

Was dem erfahrenen Chef des traditionsreichen Hofes indes so manche schlaflose Nacht bereitet, sind hingegen die Bedingungen, unter denen seine Schützlinge dieses Mal herangezogen werden. Im Juli beziehungsweise im August in den Thiendorfer Ortsteil gekommen, habe man nur eine wage Vorstellung davon haben können, wie sich die Corona-Krise bis in die Wintermonate hinein entwickeln würde.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Inzwischen bekäme man die Auswirkungen deutlich zu spüren. Und angesichts von Erkrankungen in der Umgebung, steigenden Infektionszahlen und damit einhergehenden Beschränkungen sowie Anordnungen eine nahezu greifbare Unsicherheit, die für Kopfzerbrechen sorge. "Ich gebe zu, wir hangeln uns von Tag zu Tag, und ich bin an jedem Samstag aufs Neue froh, wenn wir heil durch die zurückliegende Woche gekommen sind", bekennt Andre Noack.

Denn heil bedeute in dieser Corona-Zeit vor allem in erster Linie gesund. Aber auch die Tatsache, dass Mitarbeiter nicht aufgrund von Kontakten mit Infizierten in Quarantäne geschickt worden seien. Unvorstellbar, was passieren würde, erkranke im Unternehmen jemand unmittelbar vorm Weihnachtsfest. Ausgerechnet dann, wenn die Kunden aus Großenhain, Riesa, Meißen, Radebeul, Dresden oder Brandenburg beispielsweise ihre schon lange vorbestellte Gans oder den sehnsüchtig erwarteten Wildbraten abholen wollten. "Ehrlich gesagt, wage ich, an so ein Szenario gar nicht zu denken! Denn das wäre der absolute Super-Gau, schließlich müssten in so einem Fall sicherlich unser Hofladen geschlossen werden und Mitarbeiter in Quarantäne gehen", befürchtet Andre Noack.

Nicht zuletzt deshalb seien alle Angestellten sensibilisiert und versuchten, so gut es irgend möglich sei, alle erforderlichen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Immerhin solle in diesem außergewöhnlich problembeladenen 2020 nicht auch noch der geliebte Weihnachtsschmaus ein Opfer der Umstände werden.

Laufe alles nach jetzigem Plan, dann könnten die Kunden ihre Bestellungen am 22. Dezember - sehr gern auch früher - in Welxande abholen. Da der kleine Hofladen entsprechend der Vorgaben nur von einer Person betreten werden dürfe, habe man bereits mit großen Zelten und Unterständen, die auch den notwendigen Abstand garantieren, zum Warten vorgesorgt. "Wir hoffen sehr, dass das alles gut und reibungslos gelingt", erklärt der Hof-Chef.

Es ist allerdings nicht sein einziger Wunsch für die nächsten Wochen. Der Blick des 45-Jährigen zum Dezemberhimmel kommt einem Stoßgebet gleich und geht vor allem in die richtige Richtung. Denn aus dieser könne unter anderem gegenwärtig eine andere Bedrohung für die Tiere und natürlich auch die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens kommen. Die Vogelgrippe, welche ausgerechnet nach drei Jahren wieder in Nord- und Ostdeutschland grassiert, könne die potenziellen Braten mit einem Schlag zunichtemachen. Immerhin: Sobald die sogenannte Geflügelpest in einem Betrieb ausbricht, müssen alle Tiere getötet werden.

Auch in Großdobritz watscheln die Gänse

Eine furchtbare Vorstellung, mit der sich auch Fausta Händler von der Agrargesellschaft Großdobritz mbH beschäftigt. Seit vielen Jahren schon sind die Gösel ihr von Juli bis Dezember anvertraut. 160 umher watschelnde Frohnaturen, die der Betrieb wieder von Annette Heinrich gekauft hat. Die Blochwitzerin beliefert zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe mit den besonders im Frühsommer begehrten Gänsejungtieren. Zur Welt gekommen in den jeweiligen Brütereien Wermsdorf, Bad Muskau oder Schwerin, mussten die Vögel spätestens bis Ende Februar geordert werden.

Weiterführende Artikel

Meißen: Ab nächste Woche Einschränkungen in den Kitas

Meißen: Ab nächste Woche Einschränkungen in den Kitas

Der Landkreis Meißen hat einen neuen Krisenstab-Chef und eine neue Amtsärztin. Die Verwirrung um die unterschiedlichen Corona-Zahlen wird abrupt beendet.

Ausgangssperre im Landkreis Meißen

Ausgangssperre im Landkreis Meißen

Ab Dienstag ist auch der Alkoholausschank in der Öffentlichkeit verboten. Es gab eine überraschende Wende bei der Diskussion um unterschiedliche Inzidenzwerte.

Vogelgrippe in Deutschland nachgewiesen

Vogelgrippe in Deutschland nachgewiesen

In Nordfriesland und Hamburg ist die Geflügelpest bei Wildvögeln nachgewiesen worden. Geflügelhalter müssen ihre Bestände in Ställen unterbringen.

Hier kauft der Ministerpräsident die Weihnachtsgans

Hier kauft der Ministerpräsident die Weihnachtsgans

Michael Kretschmer schwört auf das Federvieh vom Hofgut Kaltenbach in Welxande. Und kennt Zubereitungstricks.

Händlers - seit über 15 Jahren mit ihrer Wild- und Hausschlachterei nebst unmittelbarem Verkauf erfolgreich in der Region etabliert - haben rechtzeitig zugegriffen. Aus den winzigen gelben Flummis sind inzwischen anmutige Gänse geworden, die in wenigen Wochen nur mit Reservierungsnummer über die Theke des Hofladens gehen werden. Zumindest dann, wenn alles reibungslos verlaufe. Die Vogelgrippe gelte es da ebenso, von den Tieren fernzuhalten wie die Corona-Infektion von den Angestellten. "In beiden Fällen tun wir wirklich unser Möglichstes", versichert Fausta Händler. Im Interesse der Kundschaft, die extra aus Radebeul, Meißen und Dresden käme, um sich die passende, wohlschmeckende Beilage zu Kloß und Rotkraut zu sichern. Und natürlich zugunsten des familiengeführten Betriebes. Denn zwar habe sich auch für sie diese gemeinhin schönste Zeit des Jahres schon besser angefühlt. Gans, Ente und Co könnten aber zumindest kulinarisch sehr viel dazu beitragen, sie tatsächlich dazu zu machen.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain