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Großenhainer Waldbesitzer wollen Wertverfall stoppen

Eine neu gegründete Forstbetriebsgemeinschaft will die Waldnutzung durch gemeinsames Wirtschaften attraktiver machen.

Von Manfred Müller
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Joachim Rothe (r.) und Waldnachbar Daniel Rühle begutachten den Sträuchersaum an der Grenze ihrer Aufforstungsflächen – im Hintergrund die anderen Gründungsmitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft.
Joachim Rothe (r.) und Waldnachbar Daniel Rühle begutachten den Sträuchersaum an der Grenze ihrer Aufforstungsflächen – im Hintergrund die anderen Gründungsmitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft. © Kristin Richter

Landkreis. Der Oelsnitzer Joachim Rothe ist dabei, eine seiner Waldparzellen aufzuforsten. Die Setzlinge von Traubeneichen, Roteichen und Buchen stecken bereits in der Erde. Sein Waldnachbar Daniel Rühle hatte den gleichen Plan. Weil Laubbäume nur hochkommen, wenn man sie mit einem Zaun vor Wildverbiss schützt, mussten beide Flächen eingezäunt werden. „Wir waren uns einig und konnten deshalb darauf verzichten, an der Grundstücksgrenze einen Zaun zu ziehen“, sagt Joachim Rothe. „Das spart Kosten.“

Gemeinsam wirtschaften, um einerseits effektiver zu sein und andererseits etwas für den Wald zu tun – so könnte man das Anliegen der neu gegründeten Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Großenhainer Land beschreiben. Im September 2021 fanden sich auf Rothes Initiative sieben Waldbesitzer aus der Region zusammen und gaben der Idee eine juristische Form. Eine solche Betriebsgemeinschaft ist nichts Neues, erste Ansätze zur Zusammenarbeit von Waldnachbarn gab es schon vor 300 Jahren. Aber erst ein im Jahr 1969 verabschiedetes Gesetz machte die heutige Form der FBG möglich. In Sachsen gibt es mittlerweile 29 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse privater Waldbesitzer. Im Landkreis Meißen aber ist das „Großenhainer Land“ der Erste.

Natürlich soll es nicht bei den sieben Gründungsmitgliedern bleiben. „Wir hatten in den letzten Jahren einiges auszustehen – Sturmschäden, Trockenheit, Borkenkäfer“, erklärt Vorstandsvize Sven Mißbach. „Und dann macht einer was auf seiner Fläche und der andere nicht. Das tut dem Wald nicht gut.“ Nicht nur, dass sich der Käfer dann ausbreitet. Die nachhaltige Bewirtschaftung ergibt ökologisch generell mehr Sinn als, wenn man die Flächen sich selbst überlässt. Das Gleiche gilt auch für die Schutz- und Erholungsfunktion.

War es früher normal, dass ein Bauer zu seinen Feldern und Wiesen noch ein Stück Wald besaß, wo er Feuerholz für den Winter schlug, so ist das heute eher die Ausnahme. Die Nachkommen der Landwirte arbeiten in Industrie und Gewerbe, viele haben studiert und sind in die Stadt gezogen. Mancher weiß gar nicht mehr, dass er Miteigentümer eines Waldstückes ist. Viele Flächen gehören Erbengemeinschaften, deren Mitglieder sich untereinander gar nicht persönlich kennen. Aber alle sind nach dem Waldgesetz zu Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen verpflichtet. Und zur Aufforstung, der von Wetterunbilden und Schädlingen ausgedünnten Wälder in der Region.

Hier will die Forstbetriebsgemeinschaft Großenhainer Land mit einer Reihe von Serviceleistungen ansetzen. Dazu gehören zum Beispiel forstfachliche Beratungen und Fortbildungen und die Abstimmung von Betriebsplänen oder Betriebsgutachten. Eine zweite Schiene sind die praktischen Maßnahmen, wie Pflege, Schutz und Verjüngung des Waldes, die Verkehrssicherung und natürlich die Holzernte. Auch bei der Vermittlung von Arbeitskräften, bei technischer Hilfe und der Beantragung von Fördermitteln für gemeinschaftliche Maßnahmen kann die FBG ihre Kompetenz einbringen.

„Wir wollen den Wertverfall des Waldes stoppen“, erklärt Geschäftsführerin Claudia Wünsch. Im Moment befinde sich die Betriebsgemeinschaft noch in der Phase der Mitgliederfindung. Aber schon nächstes Jahr soll es Exkursionen für Waldbesitzer und gemeinsame Pflanzaktionen geben. Die Finanzierung der Pflanzpaten ist schon mal gesichert. Gleich nach ihrer Gründung nahm die Großenhainer FBG am Wettbewerb um den eku-Zukunftspreis des sächsischen Umweltministeriums teil und gewann auf Anhieb 5.000 Euro.

Kontakt: Claudia Wünsch, [email protected], Telefon 0175 9379495