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Wie bohre ich richtig in der Nase?

Angenehm fühlt sich anders an: Corona-Schnelltests für Zuhause sollen künftig der probate Wegbegleiter aus der Krise sein. Die SZ testete den Test.

Stäbchen in die Nase einführen und herzhaft fünfmal kreisen: SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus übte sich schon einmal im fachgerechten Corona-Schnelltest.
Stäbchen in die Nase einführen und herzhaft fünfmal kreisen: SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus übte sich schon einmal im fachgerechten Corona-Schnelltest. © Foto: Norbert Millauer

Großenhain. Die Eintrittskarte ins normale Leben ist lila. Gleich nun, ob Job, Gaststätte oder Theater - der drei Millimeter kleine Strich in Signalfarbe soll also künftig über Sein oder Nichtsein entscheiden. Über drinnen und draußen, miteinander oder vorsorglich besser allein. Letzteres allerdings nur dann, wenn der Hingucker im Doppelpack daher kommt. Denn was bei sehnlichstem Kinderwunsch wahre Glücksgefühle auslöst, dürfte an diesem Märztag wohl eher ein leichtes Grummeln in der Magengegend hervorrufen.

Doch - noch ist es nicht soweit. Noch grummelt nichts, denn alles, was es für eine Abklärung auf die allseits gefürchtete Coronainfektion braucht, befindet sich gut eingetütet in der Verpackung. "Lyher Covid-19 Antigen Schnelltest" ist in großen Buchstaben darauf zu lesen. Für 14,90 Euro ist das begehrte Stück seit Montag in der Großenhainer Löwenapotheke erhältlich. Romy Mieth schiebt es freundlich über die Ladentafel und bietet an, den Test gleich vor Ort durchzuführen. Was die ausgebildete pharmazeutisch-technische Assistentin nach zweieinhalb stündiger Schulung in Sachen Schnelltest sicherlich viel professioneller tun würde - es wurden für die Testungen auch extra Schutzanzüge angeschafft, die die nach dem Abstrich in jedem Fall vernichtet werden - soll nun aber ganz bewusst in Eigeninitiative stattfinden.

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Gesagt, getan. Laut Packungsbeilage sei die Probenentnahme recht einfach. Die Utensilien, die es dafür braucht, purzeln aus der Schachtel und wirken auf den ersten Blick wie ein Sammelsurium aus dem Chemiebaukasten. Zum Vorschein kommen ein Reagenzröhrchen, eine Pufferlösung, ein sogenannter Tropfaufsatz und der Hauptakteur des Ganzen, das bedrohlich lange Stäbchen. Möglichst vier Zentimeter soll seine Spitze jeweils in die Nasenöffnung eingeführt und fünfmal darin kreisförmige Bewegungen durchgeführt werden. Eine zumeist tränenreiche Prozedur, die jedoch laut Hersteller zu 98 bis einhundert Prozent garantiere, dass kranke Menschen auch als krank erkannt werden.

In die im Reagenzgläschen vorbereitete Pufferlösung kommt nach der Probenentnahme aus der Nase das Stäbchen und wird verrührt. Das so entstandene Gemisch wird auf den Teststreifen getropft.
In die im Reagenzgläschen vorbereitete Pufferlösung kommt nach der Probenentnahme aus der Nase das Stäbchen und wird verrührt. Das so entstandene Gemisch wird auf den Teststreifen getropft. © Foto: Norbert Millauer

Im Magen grummelt es jetzt wirklich, denn genau dieses Ergebnis soll es doch bitteschön nun nicht sein. Während die Pufferlösung inzwischen schon im Reagenzröhrchen auf die alles entscheidende Probe wartet, begibt sich das Stäbchen vorsichtig ins linke Nasenloch. "Richtig schön nach oben drehen", hatte Romy Mieth mit auf den Weg gegeben und auch vorgewarnt, dass bei richtiger Handhabung durchaus die Tränen fließen könnten.

Nun, spätestens nach der dritten Drehung in den unbekannten Regionen reagieren die entsprechenden Drüsen tatsächlich und in den Augen wird es merklich feucht. Rechts das gleiche Procedere. Schon etwas forscher wandert das Stäbchen immer weiter nach oben. Kein angenehmes Gefühl, es brennt ein wenig. Irgendwie fehlt das körpereigene Navigationsgerät, das vor Zusammenstößen im oberen Teil der Teststrecke warnt. Jedoch: Nach mehrstündigen Geburtserfahrungen, diversen Operationen und zahnärztlichen Eingriffen ist das Jammern auf im wahrsten Sinne des Wortes hohem Niveau.

Das Testergebnis erfordert Geduld: Gut 15 Minuten solle man warten, bis in der Testkassette das endgültige Ergebnis angezeigt wird. Ein Strich negativ. Zwei Striche wären Covid-19-positiv.
Das Testergebnis erfordert Geduld: Gut 15 Minuten solle man warten, bis in der Testkassette das endgültige Ergebnis angezeigt wird. Ein Strich negativ. Zwei Striche wären Covid-19-positiv. © Foto: Norbert Millauer

Deshalb schwungvoll mit dem Stäbchen raus aus dem Nasenloch und hinein mit ihm gen vorbereitete Lösung. Empfohlen wird zu diesem Zweck, das hoffentlich zellenreiche Wattestäbchen fünfzehnmal an der Gefäßwand abzustreifen, damit auch wirklich alles in der Flüssigkeit landet, was für ein exaktes Ergebnis darin enthalten sein soll. Das Gemisch schließlich vorsichtig schütteln und zielsicher auf den Teststreifen der mit einem S gekennzeichneten Öffnung tropfen. Geschafft! Innerhalb von Sekunden verfärbt sich die Testkassette, um schließlich mit einem kleinen, lilafarbenem Strich bei "C" zu stoppen. Vorerst oder im besten Fall überhaupt, wenn keine Covid-19-Erreger in der Probe festgestellt werden.

Gut eine Viertelstunde, so hat Fachfrau Romy Mieth ans Herz gelegt, solle man sich gedulden. Bis dahin könnte in Form eines zweiten Strichs bei "T" erscheinen, was in der Folge eine Meldung ans Gesundheitsamt Meißen und einen PCR-Test nach sich ziehen würde. Aber auch 20 Minuten später zieht glücklicherweise nichts. Nur in den oberen Gefilden der Nase, die so nachhaltigen Besuch dann wohl doch nicht gewöhnt waren.

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Schnelltests sind in Großenhain bisher in der Löwen-Apotheke möglich. Wahlweise werden sie vom dortigen Personal zum Preis von 35 Euro mit Auswertung und Bescheinigung durchgeführt oder sie können zum Gebrauch für Zuhause für 14,90 Euro erworben werden.

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