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Wie weiter mit Schönfelds B 98-Umfahrung?

Die Landesdirektion verspricht die baldige Auslegung der Planunterlagen. Zuvor hatte sich das Genehmigungsverfahren allerdings erneut verzögert.

Brummis im Minutentakt: Bürgermeister Hans-Joachim Weigel mit B 98-Anrainer Gunnar Schleinitz an der Schönfelder Ortsdurchfahrt.
Brummis im Minutentakt: Bürgermeister Hans-Joachim Weigel mit B 98-Anrainer Gunnar Schleinitz an der Schönfelder Ortsdurchfahrt. © Norbert Millauer

Schönfeld. Nach wie vor donnern täglich Hunderte von Lastkraftwagen durch die Schönfelder Ortsdurchfahrt. Bevor sie sich die Steigung am Dorfausgang in Richtung Thiendorf hinaufquälen, holen sie noch einmal ordentlich Schwung. Die Motoren heulen und dann geht es mit Getöse bergauf. „Einfach gruselig“, sagt Anwohner Stefan Richter. „Man kann zur Straße hin kein Fenster aufmachen, geschweige denn vor seinem Haus sitzen.“ Und selbst wenn man sich drin aufhalte, wackelten durch den Verkehrslärm die Jalousien.

Durch das große Amazon-Auslieferungslager im Nachbarort Lampertswalde ist ein weiteres Problem hinzugekommen. Ganze Karawanen von Kleintransportern frequentieren die Schönfelder Ortsdurchfahrt, so dass die B 98-Anrainer mit ihren Autos kaum noch aus den Grundstücken herauskommen. Im Moment ist es besonders schlimm, weil Amazon den Prime Day ausgerufen hat, bei dem die Käufer allerlei Vergünstigen geboten bekommen. Station Manager Henry Börnicke hat die Bürgermeister der betroffenen Kommunen zwar wegen des höheren Verkehrsaufkommens vorgewarnt, aber den Anwohnern nützt das herzlich wenig. „Eigentlich brauchten wir Schallschutzfenster“, sagt Stefan Richter, der mit seiner Lebensgefährtin und dem erst ein halbes Jahr alten Söhnchen an der Ortsdurchfahrt wohnt.

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Aber da gibt es noch die Hoffnung, dass es mit dem seit Jahren angekündigten Bau der Ortsumfahrung nun endlich klappt. Darauf deutet zumindest die Antwort auf eine Anfrage des sächsischen FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst bei der Landesdirektion hin. Danach soll die Auslegung der Planunterlagen nun „zeitnah“ erfolgen. Allerdings hatte die Behörde das Genehmigungsverfahren zuvor – wie es bei dem Projekt fast schon Tradition ist – noch einmal verschleppt. Die Unterlagen hätten noch verschiedener Ergänzungen bedurft, ließ Präsidentin Regina Kraushaar den Verkehrspolitiker der Freien Demokraten wissen. Für die Schönfelder Bürger ist dabei weniger interessant, welche bürokratischen Vorgaben da eine Rolle spielten, sondern wann die Ortsumfahrung endlich gebaut wird. Manche argwöhnen sogar, dass der Bund wegen der freigiebig ausgestreuten Corona-Milliarden klamm werden und das Projekt erneut auf die lange Bank schieben könnte.

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„Ich glaube nicht, dass da noch etwas passiert“, sagt hingegen Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel. Von allen Vorhaben zum Ausbau der B 98 sei die Schönfeld-Umfahrung planungstechnisch am weitesten fortgeschritten. Die zwei Kilometer lange Trasse soll am Firmengelände der Firma Grafe-Beton beginnen, quert mit drei Brücken den Dorfbach, die Straße der MTS und den Röhrichtteichgraben und mündet am Truckstop hinter dem Ort wieder in die alte B 98 ein. Einsprüche sind am ehesten von Bürgern zu erwarten, deren Grundstücke am Süd- und Südwestrand des Ortes liegen. Dort führt die Trasse aus Kostengründen ziemlich nahe an der Wohnbebauung vorbei. Allerdings sollen die Belastungen durch Lärmschutzmaßnahmen minimiert werden. Auch die Landwirte, die die für den Straßenbau benötigten Flächen bewirtschaften, wollen noch ein Wörtchen mitreden. Allerdings wurde auf Einwohnerversammlungen deutlich, dass die Mehrheit der Schönfelder die Ortsumfahrung wünscht. Ein bisschen Druck vonseiten der Bundespolitik mag dabei helfen, die Sache zu beschleunigen. „Wir können uns nicht damit zufriedengeben“, sagt Verkehrspolitiker Herbst, „dass der Ausbau von wenigen Kilometern Ortsumgehung teilweise über ein Jahrzehnt dauert.“

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