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Wildenhain hofft auf Gehör

Der Ortschaftsrat übt leise Kritik am Entwurf des Großenhainer Flächennutzungsplans und vermisst früher ausgewiesene Wohnbaugebiete.

Voll belegt ist das Wohngebiet "Neue Siedlung" in Wildenhain (Hintergrund). Einige Flächen im Umfeld favorisiert der Ortschaftsrat für künftige Wohnbebauung und will dies im Flächennutzungsplan verankern.
Voll belegt ist das Wohngebiet "Neue Siedlung" in Wildenhain (Hintergrund). Einige Flächen im Umfeld favorisiert der Ortschaftsrat für künftige Wohnbebauung und will dies im Flächennutzungsplan verankern. © Kristin Richter

Wildenhain. Burkhart Schurig hat eine Vision. Der 64-Jährige ist unter anderem Eigentümer der Fläche des ehemaligen Wildenhainer Sportplatzes. Das rund ein Hektar große Areal liegt seit mehreren Jahren brach. Doch Schurig will es dabei nicht belassen. Und da er ein "grüner Tüftler" ist, sollten es schon besondere Häuser sein, die dort einmal entstehen. Energieeffizient dank Fotovoltaikanlagen auf jeden Fall. Der frühere Sportplatz wäre aus seiner Sicht ideal für die "Sonnenhäuser".

Im Wildenhainer Ortschaftsrat zeigte man sich am Donnerstag zunächst etwas überrascht über den Vorstoß. Aber er passte ins einzige Thema der Sondersitzung. Denn es sollte um die Stellungnahme zum Entwurf des Flächennutzungsplanes gehen. Das mehrere hundert Seite schwere Konzept enthält Vorschläge, wie sich die Stadt Großenhain künftig entwickeln will. Mit der Stellungnahme zum 1. März können sämtliche Ortsteile in einer ersten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung ihre Einwände, Hinweise und Kritiken anbringen.

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"Wir haben uns mit dem Entwurf befasst", so Ortsvorsteher Mirko Neitzel. Letztmals wurde für Wildenhain ein Flächennutzungsplan beschlossen, als der Ort noch gar nicht zu Großenhain gehörte. Jetzt werden die Konzepte vereinheitlicht, sämtliche eingemeindete Orte angepasst und einbezogen. Was für die Wildenhainer bedeutet, ihre Potenziale zu finden für Wohnbebauung, aber auch infrastrukturelle Belange. Dafür wurde der Entwurf in den letzten Monaten studiert mit dem Ergebnis: "Uns ist da einiges ins Auge gestoßen", so Mirko Neitzel. So vermissen sie den schon vor Jahren ausgewiesenen Wohnstandort nahe der Rodaer Straße in den Plänen. Zudem können sie sich auch einen Eigenheimstandort auf einer ziemlich verwilderten Fläche der benachbarten Kleingartenanlage vorstellen. Im Entwurf ebenfalls nicht mehr enthalten ist eine ursprünglich geplante Erweiterung der "Neuen Siedlung" in Richtung Neumühle. Einen zusätzlichen Standort haben die Ortschaftsräte nahe des Ortsausgangs Richtung Glaubitz ausgemacht, wo zwei Parzellen beste Voraussetzungen böten.

Die "heimlichen" Änderungen im Entwurf des von der Stadt beauftragten Projektbüros stoßen im Ortschaftsrat auf leise Kritik. Und auch, wenn Wildenhain im Leitbild "Großenhain 2030" eher spärlich benannt wird, bezieht sich Mirko Neitzel auf dortige Passagen zum Thema Wohnen. "Jungen und alten Menschen attraktiven Wohnraum und verschiedene Wohnformen zur Verfügung stellen", steht da zum Beispiel. Und auch "Großenhain als Wohnstandort zu stärken". Deshalb sei es doch mehr als zulässig, in Wildenhain Wohnbaustandorte anzubieten.

Deshalb hat der Ortschaftsrat in seiner Stellungnahme nun auch wünschenswerte Ergänzungen und Änderungen formuliert. Wohl wissend, dass völlig unklar ist, ob sie in den künftigen Flächennutzungsplan der Stadt eingehen. Doch wenn ein Standort einmal darin verankert ist, steht er eben im Bedarfsfall dann auch zur Verfügung, so das Credo. Mirko Neitzel: "Wenn wir jetzt etwas verpassen, ärgern wir uns später zu Tode."

Natürlich haben die Wildenhainer in ihrem Statement weitere Wünsche geäußert. So sprechen sie sich klar gegen den Bau von Windkraftanlagen aus, fordern eine zuverlässige Erreichbarkeit ihres Dorfes durch den ÖPNV, sprechen die Sicherung der medizinischen Versorgung für die derzeit 461 Einwohner an. Große Hoffnung für die weitere Gestaltung des Dorflebens setzen sie auf den Bau der Ortsumgehung der B 98. Der ist in vergleichbar große Nähe gerückt und wohl "bis 2030 realisierbar".

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Burkhart Schurigs Vision der "Sonnenhäuser" auf dem ehemaligen Sportplatz ist zumindest ins Sitzungsprotokoll aufgenommen worden. In der nächsten Stufe des Verfahrens um den Flächennutzungsplan wird er es nach Lage der Dinge konkret einbringen. Die nächste Stufe - das ist eine Einwohnerversammlung der Stadt Großenhain voraussichtlich im Sommer, bei der jeder Einzelne seine Hinweise und Wünsche vorbringen kann.

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