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Hoffen auf einen milden Winter

Schnee und Eis bringen für Großenhainer Grundstücksbesitzer zusätzliche Pflichten. Doch so mancher sieht sich Corona-bedingt vor einer großen Herausforderung.

Der Großenhainer Stadtbauhof ist für den Winterdienst gerüstet. Grundstückseigentümer in Großenhain indes machen sich Gedanken, wie sie ihre Anliegerpflichten in Corona-Zeiten erfüllen können.
Der Großenhainer Stadtbauhof ist für den Winterdienst gerüstet. Grundstückseigentümer in Großenhain indes machen sich Gedanken, wie sie ihre Anliegerpflichten in Corona-Zeiten erfüllen können. © Foto: Klaus-Dieter Brühl

Großenhain. An den letzten "richtigen" Winter in Großenhain kann sich Fred Hoppe (*Name geändert) gar nicht so richtig erinnern. "Das ist bestimmt zehn Jahre her", mutmaßt der 53-Jährige. "Da gab es mal eine Nacht, wo es richtig viel geschneit hat. Wir haben stundenlang Schnee geschippt."

Fred Hoppe ist Eigenheimbesitzer am Stadtrand von Großenhain. Sein Grundstück grenzt an eine Straße mit einem Gehweg. Den muss Familie Hoppe gemäß der in der Stadt geltenden Anliegerpflichten von Schmutz, Unrat, Unkraut, Laub und anfallendem Grasschnitt befreien. Und im Fall der Fälle auch von Schnee und Eis. "Der Umfang des Schneeräumens bezieht sich dabei auf Flächen von 1,50 Meter Breite. Diese sind so zu räumen, dass ein Begegnungsverkehr möglich ist. Für jedes Hausgrundstück ist ein Zugang zur Fahrbahn in einer Breite von mindestens einem Meter frei zu halten. Die Abflussrinnen sind bei Tauwetter so offenzuhalten, dass Schmelzwasser ungehindert ablaufen kann. Geräumter Schnee oder abtauendes Eis dürfen dabei nicht in Nachbargrundstücke umgelagert werden. Zum Bestreuen ist vorrangig abstumpfendes Material wie Sand oder Splitt zu verwenden." So sagt es die Satzung.

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Doch genau hier liegt Fred Hoppes aktuelles Problem. Als vor ein paar Tagen die morgendliche weiße Überraschung "eingetroffen" war, stellte er fest, dass seine Vorräte an Streusand und auch Tausalz erschöpft sind. "Ich habe das schlichtweg vergessen", sagt er. Gewohnheitsmäßig wollte er gleich zum Baumarkt fahren - doch der hat bekanntermaßen aus Corona-Gründen geschlossen. "Was nun?" Fred Hoppe zuckt mit den Schultern.

"Grundsätzlich sind Anliegerpflichten, dazu gehört auch die Räum- und Streupflicht, Pflichten, die für Grundstückseigentümer obligatorisch sind und in gewissem Umfang Vorsorgemaßnahmen voraussetzen", so Großenhains Rathaussprecherin Diana Schulze. Aber sie räumt auch ein, dass "Corona natürlich in diesem Jahr ein unvorhersehbarer und sehr erschwerender Faktor für alle" sei. Allerdings gebe es, nach vorliegenden Informationen in Großenhainer Großmärkten, zumindest Streusalz zu kaufen. Wobei man jedoch nach Möglichkeit auf das Streuen von Streusalz und vor allem Speisesalz verzichten sollte, da vor allem das Natriumchlorid in Speisesalzen Pflanzen, Tieren, Gewässern, Bauwerken und Fahrzeugen schadet, so Diana Schulze. Es gebe Material, das besser geeignet ist, beispielsweise der Sandvorrat im heimischen Buddelkasten. Auch könne zügiges Schneeräumen das Risiko überfrierender Gehwege reduzieren.

Einen Buddelkasten indes hat Fred Hoppe nicht mehr. Salz hat er in der Vergangenheit stets nur im absoluten Notfall verwendet, "wenn wirklich mal Blitzeis war", wie er sagt. Um sich in Corona-Zeiten zumindest einen kleinen Vorrat anlegen zu können, würde er daher auch gern persönlich zum Stadtbauhof fahren, um wenigstens ein Eimerchen oder einen kleinen Sack mit Streusand zu erwerben. Aber: "Ein Verkauf von Streu- und Splittmaterial durch den Bauhof ist nicht möglich, da der Bauhof keine Verkaufseinrichtung ist", heißt es aus dem Rathaus.

Seine Nagelprobe hat der Stadtbauhof beim ersten kleinen Wintereinbruch zu Jahresbeginn bestanden. Von mehreren Bürgern gab es in den sozialen Medien Lob für das pünktliche Ausrücken und Streuen. Laut Winterdienstplan sind der Stadtbauhof sowie die für einige Ortsteile beauftragte Fremdfirma montags bis freitags zwischen 4 und 20 Uhr unterwegs. An den Wochenenden und Feiertagen beginnen die Einsätze ab 5 Uhr morgens. In Abhängigkeit von der Witterung wird an allen Tagen in Schichten gearbeitet.

Die Winterdienstfahrzeuge fahren nach einem festgelegten Tourenplan mit dem Ziel, die erste Tour gegen 7.30 Uhr zu beenden. Um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten, hält die Stadt Großenhain etwa 60 Tonnen Streusalz in drei Silos vor. Zudem stehen in einer Lagerhalle noch etwa 50 Tonnen Streusalz zur Verfügung.

Weiterhin werden circa 25 Tonnen Ulopor - ein umweltfreundlicher Blähschiefer, der Splitt ähnlich sieht - vorgehalten. Die Erfahrungen der vergangenen Winterperioden zeigen, dass bei Erforderlichkeit eine kurzfristige Nachlieferung der Streumittel möglich ist.

Fred Hoppe ist inzwischen zur "Selbsthilfe" übergegangen. "Mein Nachbar hat mir mit ein paar Schippen Sand ausgeholfen", sagt er. Und hofft, dass er damit über den Winter kommt. "Vielleicht bleiben wir ja von Schnee und Eis einigermaßen verschont", sagt der Grundstücksbesitzer und schmunzelt.

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