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"Wir hoffen, im Frühjahr rollen die Bagger"

Die Priestewitzer Bürgermeisterin Manuela Gajewi stellt sich schon jetzt auf weniger Steuereinnahmen ein - blickt aber dennoch optimistisch auf dieses Jahr.

Manuela Gajewi vorm Gemeindeamt in Priestewitz. Momentan wird darin zwar weiterhin fleißig gearbeitet, aber die Einschränkungen durch Corona sind auch hier zu spüren.
Manuela Gajewi vorm Gemeindeamt in Priestewitz. Momentan wird darin zwar weiterhin fleißig gearbeitet, aber die Einschränkungen durch Corona sind auch hier zu spüren. © Archivfoto: Kristin Richter

Priestewitz. Nein, im Homeoffice sei sie nicht, und auch über mangelnde Arbeit könne sie sich keineswegs beklagen. Manuela Gajewi, gerade von einem Termin zurück, vermag den Tatendrang mit jedem ihrer Worte tatsächlich durch das Telefon zu transportieren. Die Priestewitzer Verwaltungschefin ist nach eigenem Bekunden gut im neuen Jahr angekommen und weiß auch, nicht nur Schlechtes über das Vergangene zu berichten.

Frau Gajewi, mit welchem Gefühl blicken Sie zurück auf die letzten Wochen und Monate?

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Mit all den gemischten Gefühlen, wie es wohl gegenwärtig die meisten von uns tun werden. Das alles beherrschende Thema war und ist natürlich die Corona-Pandemie! Auch unsere Verwaltung ist in seinen Arbeitsabläufen davon betroffen. Wir konnten die Verwaltung bisher zwar durchweg für unsere Bürger offenhalten, aber nur unter erschwerten Bedingungen auch für die Mitarbeiter. Dennoch war dies gut, denn dadurch war es möglich, für alle ein Stückchen Normalität zu vermitteln. Wir haben in den letzten Monaten jedoch auch einiges geschafft. So konnten wir einen kleinen Dorfplatz in Priestewitz errichten und auch große Investitionen für unsere Ortsfeuerwehren abschließen. All dies wurde jedoch nur durch die zur Verfügung gestellten Fördermittel möglich.

Mit diesen wurden ja auch die Priestewitzer Feuerwehren eigentlich gut bedacht ...

Stimmt, es gab sogar gewissermaßen ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für uns alle. Am 23. Dezember haben wir unseren TSW für Lenz abholen dürfen. Leider wegen der aktuellen Situation nur im kleinen Rahmen, ganz still und leise. Aber die Freude über das neue Fahrzeug war trotzdem groß. Mit ihm ging nun auch der letzte B1000 in unserer Gemeinde in den wohl verdienten Ruhestand, und wir können durchaus zufrieden sein, denn wir haben in den letzten drei Jahren 1,25 Millionen Euro in unsere Wehren investiert. Geld, was selbstverständlich gut angelegt ist, denn unsere ehrenamtlich tätigen Kameraden verdienen es, mit einer sicheren und modernen Ausrüstung zu den vielfältigen Einsätzen fahren zu können.

Machen sich schon erste Auswirkungen auf die Gemeindekasse bemerkbar?

Unser Haushaltentwurf 2021 steht, wir wollen ihn auch noch in diesem Monat im Gemeinderat beschließen lassen. In diesem Etat gehen wir vorsorglich von 200.000 Euro weniger Steuereinnahmen aus. Letztendlich werden wir jedoch erst am Jahresende wissen, wie groß 2021 unterm Strich die finanzielle Lücke sein wird. Aber dass es eine geben wird, ist absolut klar. Im Frühjahr 2020 hatten die Gemeinden und Städte noch das Glück, die Defizite durch die staatlichen Ausgleichszahlungen bereinigen zu können. Ob angesichts der Dauer der Krise solch eine Unterstützung auch in diesem Jahr möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin heißt es – wie sonst auch – die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel mit Bedacht und Weitsicht einzusetzen. Und das Beste daraus zu machen.

Was wird denn das Beste für die Priestewitzer in diesem Jahr sein?

Natürlich ist unter den jetzigen Gegebenheiten das Beste für jeden unserer Einwohner, wenn er gesund bleibt. Unsere 22 Ortsteile hat es bisher glücklicherweise noch nicht so hart erwischt wie andere Landstriche, in denen es Hunderte Infizierte gibt. Bei uns waren bisher einzelne Personen beziehungsweise Familien betroffen, und ich hoffe, das bleibt auch so. Abgesehen davon möchten wir trotz der sorgenvollen Problematik positiv ins Jahr 2021 schauen, denn es hat 2020 auch einen besonderen Grund zur Freude gegeben, welcher sich auf die kommenden Jahre auswirkt.

Verraten Sie auch aus welchem Grund?

Ja und sehr gern sogar! Der Höhepunkt des vergangenen Jahres war natürlich jener Moment, als wir den positiven Fördermittelbescheid für den Breitbandausbau in unserer Gemeinde in den Händen gehalten haben! Darauf haben wir so lange und teilweise mühevoll hingearbeitet. Aber der Aufwand dafür hat sich gelohnt. Wir sind dankbar, dass die Anbindung an das schnelle Internet nun bald nicht mehr nur Theorie ist, sondern es wirklich bald los geht!

Was bedeutet das praktisch?

Das bedeutet, dass im Frühjahr - so alles nach Plan verläuft - hoffentlich die Bagger rollen werden. Es ist eine Mammutaufgabe, die da gemeinsam mit der Enso, jetzt Sachsen Energie, bewerkstelligt wird. Immerhin soll für rund 900 Adressen eine schrittweise Anbindung mittels Glasfaser an das Internet ermöglicht werden. In der Praxis heißt das, dass fast 80 Kilometer Tiefbauarbeiten in den kommenden Jahren notwendig werden - inklusive aller Einschränkungen, die damit verbunden sein werden. Dies erfordert eine gute Planung, an welcher derzeit gearbeitet wird. Ziel ist es, das Großprojekt bis Mitte 2024 fertigzustellen.

Und es gibt auch noch einige andere Vorhaben, die bereits in diesem Jahr fertiggestellt werden sollen, oder?

Richtig! Der Anbau an das Kinderhaus Priestewitz zählt dazu ebenso wie die Fertigstellung des Spielplatzes in Zottewitz. Weiterhin hoffen wir auf einen positiven Fördermittelbescheid für die Errichtung des Gehweges in Strießen sowie die Gestaltung der Außenanlage um den Baßlitzer Teich. Darüber hinaus werden auch die Arbeiten in der Lenzer Grundschule weiter gehen. Nachdem wir gut 90.000 Euro in die Neugestaltung der Außenanlage investiert haben, wollen wir uns in diesem Jahr der Sportanlage widmen. Des Weiteren wollen wir eine energetische Sanierung des Objekts prüfen und vorbereiten, um in den nächsten Jahren Fördermittel für eine entsprechende Maßnahme des Anfangs der 1990er Jahre errichteten Hauses beantragen zu können. Sehr wichtig ist uns jedoch auch die Fortführung der Planung der Erneuerung Ortsdurchfahrt Zottewitz. Diese Maßnahme, welche gemeinsam mit dem Landkreis durchgeführt wird, ist doch umfangreicher, als man ahnt, denn das kleine Gewässer Ritzschge geht genau durch die Ortslage und bereitet doch ein paar Kopfschmerzen mehr als gedacht. Da jedoch alle Beteiligten sehr lösungsorientiert an einem Strang ziehen, denke ich, dass auch die Planung dieser Maßnahme in 2021 einen guten Sprung nach vorn machen wird.

Frau Gajewi, was wünschen Sie sich für 2021?

Oh, das ist ganz einfach! Gesundheit für uns alle! Und dass wir diese Pandemie endlich in den Griff bekommen! Dass wir wieder zu einem Alltag zurückkehren können, der uns wieder die gewohnte Normalität bescheren und das inzwischen vermisste Miteinander schenken möge.

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