merken
PLUS Großenhain

Zschieschen bekommt einen Spielplatz

Die Umgestaltung des Areals der früheren Brauerei ist abgeschlossen. Für die Stadt ein Zuschussgeschäft - aber trotzdem ein Gewinn.

Bauzäune schützen noch immer den neuen kleinen Park in Zschieschen mit seinen Pflanzungen und Spielgeräten.
Bauzäune schützen noch immer den neuen kleinen Park in Zschieschen mit seinen Pflanzungen und Spielgeräten. © Kristin Richter

Das aktuelle Foto würde sich gut als Bilderrätsel eignen: Wo ist es entstanden? Selbst so mancher Zschieschener reibt sich womöglich die Augen, was da auf dem Gelände der früheren Bergbrauerei entstanden bzw. noch im Entstehen ist. Dort, wo früher Bier und Brause hergestellt wurden, wird es in den nächsten Wochen grün, können sich Kinder tummeln, Eltern erholen und Erinnerungen an die Brauerei teilen. Der kleine Park löst innerhalb von zwei Jahren die ruinösen Bauten ab. Anfang April 2019 begann der Abriss.

Anzeige
Durchblick mit Augenblick
Durchblick mit Augenblick

Über 25 Jahre traditionelle Handwerkskunst, moderne Technik, hochwertige Materialen: all das steht bei Carmen Naumann an erster Stelle.

Jetzt ist auch klar, was die Umgestaltung gekostet hat. Bürgermeister Tilo Hönicke legte zur jüngsten Stadtratssitzung die Rechnung auf den Tisch. Sie bewegt sich weitgehend im vorgegebenen Rahmen. Etwas mehr als eine Million Euro sind in das ehrgeizige Projekt geflossen. Und da fast 900.000 Euro davon aus Fördertöpfen kamen, ist es für die Stadt Großenhain auch finanziell durchaus ein „Gewinn“.

Zumal der Abbruch der alten Gebäude und Anlagen als durchaus steiniger Weg bezeichnet werden kann. Denn niemand wusste im Vorfeld wirklich, welche „Geheimnisse“ das rund 6.000 Quadratmeter große Areal tief drinnen verbirgt. Insgesamt acht Nachträge für die Abbrucharbeiten mussten finanziell geschultert werden. Darunter zusätzliches Geld für Gerüstarbeiten zur Beseitigung von Asbestzementdächern. Asbest machte den Bauarbeitern auch an anderer Stelle zu schaffen. Zusätzlich wurden bei der Entkernung Chemikalien und chemikalienhaltige Schlämme gefunden. Am ehemaligen Sudhaus kamen bis dahin unbekannte Kellerräume zum Vorschein. Nicht zuletzt mussten zusätzliche Gelder eingesetzt werden, weil Teile von eingestürzten Gebäuden nach der Deponieklasse III und damit teurer als vorgesehen zu entsorgen waren.

Unkomplizierter verlief hingegen die Neugestaltung. Auch, weil die Zschieschener mit ihren Ideen mitwirkten. „Das hat mich riesig gefreut“, wiederholte Tilo Hönicke bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und so wurden noch vor dem Jahreswechsel Dutzende Bäume gepflanzt, dazu Wildblumen und einheimische Sträucher. Die Kinder dürfen sich über kleine Spielgeräte freuen, die etwas Älteren über Sitzgelegenheiten, Parkflächen am Rande des Areals und eine Informationstafel. Letzteres war vor allem den „Ur-Zschieschenern“ wichtig. „Die Brauerei ist natürlich eine Tradition, die zu Zschieschen gehört“, sagt Anwohner und Stadtrat Harald Kühne (Die Linke). Deshalb wird eine Stele, die von Mitgliedern des Dorfclubs mitgestaltet wurde, auf dem Areal an die Historie erinnern. Immerhin wurde hier bis zur Wende 1989 produziert, ehe das Gelände verfiel und zur Industrieruine mutierte.

„Der alte Zustand war nicht mehr tragbar“, sagt auch Harald Kühne. Deshalb habe er als Stadtrat alle Entscheidungen auf dem Weg zum neuen Grün mitgetragen. Natürlich sei die Gestaltung auch Geschmackssache. „Die vielen Bäume finde ich sehr gut und auch die Möglichkeit für kleine Kinder zum Spielen. Denn Zschieschen hat bisher keinen Spielplatz“, so Harald Kühne. Nun hoffen alle, dass demnächst die Bauzäune, die die zarten Pflänzchen noch schützen, endlich fallen.

Mindestens zehn Jahre wird die Fläche nun in ihrer neuen Bestimmung bestehen. Diese Frist legt die Zweckbindungsfrist der geflossenen Fördergelder fest. Was danach wird, „ist Thema der nächsten Generation“, sagt Tilo Hönicke. Erst einmal freuen sich alle über die jetzige Situation.

Thomas Röthig, der die Sanierung der Stadtverwaltung begleitete, musste sich häufiger mit Dingen befassen, die während des Wiederaufbaus untrennbar miteinander verbunden waren.
Thomas Röthig, der die Sanierung der Stadtverwaltung begleitete, musste sich häufiger mit Dingen befassen, die während des Wiederaufbaus untrennbar miteinander verbunden waren. © Anne Hübschmann
Ein Blick in die Hallen - hier im April 2019 - verdeutlicht die Herausforderung des Abrisses für die Bauarbeiter.
Ein Blick in die Hallen - hier im April 2019 - verdeutlicht die Herausforderung des Abrisses für die Bauarbeiter. © Anne Hübschmann

Weitere lokale Nachrichten aus Großhain finden Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain