merken
PLUS Großenhain

Ins neue Jahr mit einem echten Laubacher

Zum Wohl: Mit dem Blaufränkischen vom Thonberg lässt sich zwar noch nicht anstoßen. Aber mit anderen Spitzenweinen aus dem Großenhainer Land.

Jürgen Aumüller, Chefkellermeister im Weingut Schloss Wackerbarth, prüft den Blaufränkischen vom Thonberg in Laubach.
Jürgen Aumüller, Chefkellermeister im Weingut Schloss Wackerbarth, prüft den Blaufränkischen vom Thonberg in Laubach. © Kristin Richter

Landkreis. Seine Bedürfnisse sind durchaus menschlicher Natur. Zeit und ganz viel Muse für sich selbst. Alles, was der im Oktober in Laubach gelesene Rotwein der Sorte Blaufränkisch benötigt, ist absolute Ruhe. Einer der besten, den das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in seinem anspruchsvollen Portfolio aus Sekt und Wein zu bieten hat, möchte jetzt einfach nur ungestört seinem Dasein frönen. In einem kuschligen Holzfass logierend, will er in den nächsten elf, zwölf Monaten unbehelligt zu dem werden, was seine süffigen Vorgänger bereits über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannt machte: Ein vollmundiger Spitzenrotwein, wie er erst kürzlich auf der Austrian Wine Challenge Vienna (AWC Vienna) - in ihrer Eigenschaft als größte Weinmesse sozusagen der Oscar der Wein-Welt - mit einer Silbermedaille prämiert worden ist.

Doch noch ist es nicht so weit. Noch kann der Wein, welcher im Keller des Radebeuler Anwesens bei angenehm kühler Temperatur im bauchigen Barrique-Fass heranreift, nur von solchen Lorbeeren träumen. Begleitet wird er auf seinem schläfrigen Weg von Jürgen Aumüller. Hin und wieder stattet der Chefönologe des renommierten Hauses dem Laubacher Wein einen Besuch ab und prüft dann, wie dieser sich entwickelt, untersucht Farbe, Geruch und Geschmack.

Anzeige
Fit und ohne Erkältung durch den Winter
Fit und ohne Erkältung durch den Winter

Nicht nur ein gesunder Lebensstil, auch ein Griff in die Phytothek kann dabei helfen, den Körper zu stärken. Professionelle Beratung gibt es in den StadtApotheken.

Immerhin: Das hölzerne Bett, das dem Getränk bereitet worden ist, wurde von den Kellermeistern ganz bewusst gewählt. Ohne jegliche aromatische Zusätze entwickelt sich darin der typische Geschmack des Weins, welcher später nicht nur von Kennern geschätzt werden wird. Entscheidend dabei sei indes die Auswahl des richtigen Holzfasses. Gleich nun, ob groß oder klein, ob aus französischer oder spanischer Eiche. "Jedes Barrique-Fass ist im Inneren getoastet, das heißt so aufbereitet, dass es die typischen Aromen unserer Rebsorten mit eigenen feinen Noten – zum Beispiel von dunkler Schokolade oder Kaffee – ergänzt und abrundet. Diese Kombination gibt unseren Rotweinen ihr besonderes Aromenspiel. Das „Toasten“ eines Holzfasses lässt sich dabei übrigens gut mit dem Toasten einer Brotscheibe vergleichen", sagt Martin Junge und lacht.

Wie der Sprecher des Staatsweingutes erklärt, bestimme ja auch bei einem Toaster die Dauer und Intensität des Toastvorgangs letztendlich mit über den finalen Geschmack der Brotscheibe. Genauso verhalte es sich beim „Toasten“ eines Holzfasses. Toasting - also der Prozess des Ausbrennens der Fass-Innenseite - könne je nach Wunsch in mehreren Abstufungen erfolgen. Je stärker das Fass allerdings in dieser Form bearbeitet worden sei, umso deutlicher könnten später auch die Einflüsse des Holzes im Wein geschmeckt werden. Während man bei einem Wein aus einem stärker geflämmten Fass durchaus an Espresso oder dunkle Schokolade erinnert werden könne, entstehe bei einem leicht befeuerten Holz eher der Eindruck von leichter Vanille.

Ende Oktober war die Weinlese auf dem Laubacher Thonberg in vollem Gange: Auszubildender Victor Seitzinger hatte am Blaufränkischen gut zu schleppen.
Ende Oktober war die Weinlese auf dem Laubacher Thonberg in vollem Gange: Auszubildender Victor Seitzinger hatte am Blaufränkischen gut zu schleppen. © Archivfoto: Kristin Richter

Mit dieser Eigenschaft seien die traditionellen Holzfässer freilich das genaue Gegenteil von Edelstahltanks, die heute ebenfalls in Weingütern weltweit verwendet würden. In ihnen fände einerseits die alkoholische Gärung statt, andererseits reiften darin solche Weine und Rebsorten, bei denen die Aromen des Holzes nicht erwünscht wären oder auch nicht zu den typischen Aromen der Rebsorte passen würden. "Man denke nur an den sächsischen Goldriesling mit seiner Eleganz und Frische! Oder an den heimischen Traminer, der mit seinem Duft von Rosen oder einem feinen Geschmack von Litschi besticht. Dunkle Schokolade, Mokka oder Kokosaromen würden diesen Weinen nicht gut zu Gesicht stehen", gibt Martin Junge zu bedenken.

Wie sich der im Herbst dieses Jahres geerntete Rotwein geschmacklich entwickelt, bleibt freilich noch abzuwarten. Für sich jetzt schon in Anspruch nehmen dürften die Blaufränkisch-Trauben jedoch, die Ersten gewesen zu sein, welche vom Thonberg in Laubach gelesen wurden, nachdem der Weinberg wieder offiziell seinen historischen Namen tragen durfte.

Nach einem Flächentausch mit sächsischen Landwirten hatten die Winzer vom namhaften Schloss Wackerbarth in den Jahren 2011/12 im Priestewitzer Ortsteil insgesamt 30.000 neue Reben gepflanzt. Auf der Gesamtfläche von 6,7 Hektar wachsen heute hier wieder Riesling, Spät- und Weißburgunder sowie Blaufränkisch. Vor Ort finden die Reben geradezu allerbeste Bedingungen, um die Winzer mit Trauben für hervorragende Sektgrundweine sowie vollmundige Spitzenrotweine zu beschenken.

"Wir waren von Anfang an vom besonderen Potenzial des Laubacher Weinbergs überzeugt! Der Boden aus Lösslehm verleiht unseren Reben "warme Füße", wie wir Winzer sagen. Er kann Wärme und Niederschläge lange speichern und an die Wurzeln abgeben", lobt Weinbauleiter Till Neumeister. Bis heute präge außerdem ein hoher Anteil des nun auch namensgebenden Tons den Weinbergsboden. Dank der offenen Lage zirkuliere die Luft auf dem exponierten Südhang beständig zwischen den Zeilen und der Wind trockne die Trauben beziehungsweise kühle diese ab. Der Laubacher Rotwein, so der Chefkellermeister Jürgen Aumüller, besteche nicht grundlos mit einer tollen Komplexität, Tiefe und Dichte.

Weiterführende Artikel

Es läuft beim Wein

Es läuft beim Wein

Auch Sachsens Winzer dürfen sich freuen. Die Deutschen haben im letzten Weinjahr zu Hause über einen halben Liter mehr getrunken als zuvor.

Auf ein frohes und gesundes Neues!

Auf ein frohes und gesundes Neues!

Es gibt selten ein Jahr, das mit einem einzigen Wort beschrieben werden könnte. Oder war 2020 vielleicht nicht am Ende doch viel mehr? Ein Kommentar.

Nun, der Blaufränkische anno 2020 besticht tatsächlich auch schon - und zwar mit einer stoischen Ruhe. Wer Silvester trotzdem mit einem echten Laubacher verbringen wolle, könne das aber dennoch tun: Seit November sind im Gutsmarkt von Wackerbarth limitierte Spätburgunder-Weine des Jahrgangs 2018 erhältlich. Und wer den besonderen Moment des zu Ende gehenden besonderen Jahres ganz besonders würdigen möchte, dem bieten die Lößnitzstädter Winzer den exklusiven Rotwein auch als Sonderedition in einer 1,5 Liter Magnum-Flasche an: Ein echter Laubacher Thonberg, begrenzt auf nur 120 Flaschen, für 89 Euro. Prost Neujahr!

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain