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Zurück im verschärften Lockdown

Auch Großenhain muss wie alle anderen Städte im Landkreis Meißen damit leben, dass die Lockerungen zurückgenommen worden. Mit fatalen Folgen.

Trist und leer: Der Großenhainer Frauenmarkt präsentierte sich am Donnerstag zuweilen wieder menschenleer. Kein Wunder auch, die Stadt ist zurück im verschärften Lockdown.
Trist und leer: Der Großenhainer Frauenmarkt präsentierte sich am Donnerstag zuweilen wieder menschenleer. Kein Wunder auch, die Stadt ist zurück im verschärften Lockdown. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Das Wetter scheint sich mit der Landesregierung abgesprochen zu haben. Wolkenverhangen präsentiert sich an diesem Donnerstag der Himmel über Großenhain. Hin und wieder gehen kräftige Schneeschauer nieder oder prasselt der Regen auf den menschenleeren Asphalt. Alles zurück auf Anfang, wabert durch die Straßen, mehr Tristesse geht an diesem ersten Tag im neuerlich verschärften Lockdown wahrlich nicht. "Ehrlich gesagt, verstehe ich das alles gar nicht! In der letzten Woche hat das doch auch alles total super geklappt! Ich war selbst in einem Geschäft mit vorher vereinbartem Termin etwas kaufen und war mit der Verkäuferin die Einzige im Raum", verrät eine 21-jährige Großenhainerin und schüttelt den Kopf. Ihren Namen in der Zeitung lesen will die Studentin zwar nicht. Aber sie möchte unbedingt noch loswerden, was für sie der "größte Schwachsinn" überhaupt sei. "Im gar nicht weit entfernten Dresden darf man noch in die Läden gehen und da gibt es auch keine Ausgangsbeschränkungen. Ich studiere dort und kann mich da also noch frei bewegen, im Gegensatz zu meiner Heimatstadt", sagt die junge Frau und winkt lachend ab.

Ganz und gar nicht zum Lachen findet diese Situation Katrin Winkler. Vor anderthalb Wochen hat die Inhaberin der Wäscheboutique "Hautnah für Sie" geradezu strahlend ihren Laden wieder eröffnet und seitdem nach eigenem Bekunden sehr viele Kunden glücklich gemacht. "Sie haben es einfach genossen, in einem Geschäft einkaufen zu können, endlich wieder die Ware anfassen und anprobieren zu dürfen", weiß Katrin Winkler. Wie immer um diese Zeit habe sie noch kurz vor dem Osterfest neue Teile eingekauft, welche durchaus in dem einen oder anderen weiblichen beziehungsweise männlichen Osterei Platz finden könnten. "Und nun stehen die Leute vor unserer Tür und wir dürfen sie nicht mehr herein lassen. Das ist angesichts unserer Hygienekonzepte einfach unbegreiflich und für alle Beteiligten wirklich niederschmetternd!"

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Eine Gemütslage, wie sie auch Heike Claus empfindet. Dachte die Inhaberin des Dekorationsgeschäfts "Dein Ambiente" bereits im vergangenen Frühjahr, es könne nicht noch schlimmer kommen, wurde sie vor Weihnachten und nun erst recht eines Besseren belehrt. Osterhasen, bunte Eier und jede Menge saisonaler Produkte warteten darauf, gekauft zu werden. "Was sie in den vergangenen Tagen auch reichlich wurden. Nun ist damit aber schon wieder Schluss und ich kann nur hoffen, dass die Kundschaft sich auf einen virtuellen Bummel im Online-Shop einlässt und etwas im ständig neu gestalteten Schaufenster entdeckt", bekennt Heike Claus.

Einladende Offerten, wie sie auch Geschäftskollegin Katrin Bauer anbietet. In ihrem Geschenkelädchen wartet die bezaubernde Welt von Ostern und Weihnachten ganzjährig darauf, entdeckt zu werden. Hochwertige Produkte, unter anderem aus dem Erzgebirge, die bis zum Mittwoch reichlich über die Ladentheke gegangen seien. "Viele Kunden haben noch die Gelegenheit genutzt, um vorsorglich Geschenke zu kaufen oder sich selbst eine Freude für die Ostertage zu machen", verrät Katrin Bauer. Zu ihrem großen Bedauern hätten Neugierige nun keine Möglichkeit mehr, im Geschäft selbst in Ruhe zu stöbern. Eben einfach das zu tun, was Einkaufen ja zum Erlebnis werden lasse.

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Dass es das leider nun erst recht nicht mehr sein kann, macht ihren Nachbarn ebenso traurig und wütend zugleich. Denn auch, wenn Jan Dingfelder mittlerweile in unterhaltsamen Verkaufsvideos auf die Produktvielfalt von "Selectorsz" aufmerksam macht. "Es ist einerseits ein Unding, dass wir Einzelhändler trotz aller umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen als Infektionstreiber hingestellt werden und andererseits es doch etwas ganz anderes ist, bei uns im Laden die Sachen und Schuhen anprobieren zu können", kritisiert der Ladeninhaber. Den Kopf in den Sand stecken werde er dennoch nicht - auch wenn die Frustration gewaltig wachse.

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