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Zwei Leben für Großenhain

Siegfried Hoffmann und Richard Hönicke waren Schul-Banknachbarn, Freunde - und haben die Röderstadt geprägt. In dieser Woche würden beide 100 Jahre alt.

1994: Helmut Rummler und Siegfried Hoffmann (von rechts) werden bei einer privaten Feier unter anderem vom späteren Oberbürgermeister Burkhard Müller und Tilo Hönicke besucht.
1994: Helmut Rummler und Siegfried Hoffmann (von rechts) werden bei einer privaten Feier unter anderem vom späteren Oberbürgermeister Burkhard Müller und Tilo Hönicke besucht. © Foto: privat

Großenhain. "Das historische Gewissen der Stadt" wurde Siegfried Hoffmann gern von jenen genannt, mit denen er immer wieder über das Für und Wider der Großenhainer Stadterneuerung, inklusive Denkmalpflege, zu tun hatte. Mindestens genauso bekannt war der "Stadtmaler" der Röderstadt, Richard Hönicke.

Zwei Persönlichkeiten, die vieles miteinander verbindet: Sie waren in der Schule Freunde und Banknachbarn. Als junge Männer mussten sie an die Front des Zweiten Weltkrieges. Beide gerieten in Kriegsgefangenschaft, kehrten Anfang der 1950er-Jahre in ihre Heimatstadt zurück - gezeichnet von den Wirren der Zeit. In dieser Woche wären beide 100 Jahre alt geworden - Siegfried Hoffmann am 9. Juni, Richard Hönicke am 12. Juni. Hoffmann verstarb 2009 im Alter von 88 Jahren, Hönicke 2000. Er wurde 79 Jahre alt.

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"Der Kontakt zwischen Siegfried Hoffmann und meinem Vater ist nie abgebrochen", sagt Tilo Hönicke. Er hat ganz viele Erinnerungen an das Duo. Das war hausgemacht. Richard Hönicke war schon vor dem Krieg beseelt von einem Maler-Studium. Bei Kunstmaler Jähne nahm er Unterrichtsstunden. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft war anderes wichtig. Er wurde "Neulehrer", unterrichtete an der Ober- und Volkshochschule. 1954 ergriff er die Chance zur Selbstständigkeit. Die sogenannte 1.000-Jahr-Feier in Großenhain 1954 war zu großen Teilen mit seiner künstlerischen Ausgestaltung verbunden. Im gleichen Jahr eröffnete Richard Hönicke sein Atelier, zuerst in der früheren August-Bebel-Straße, später am Kirchplatz 13.

Von dort war der Weg nicht weit zum unteren Frauenmarkt. Im dortigen früheren Farbengeschäft war Siegfried Hoffmann eingestiegen. Und "nebenbei" stieg der junge Mann zum ehrenamtlichen Denkmalpfleger und absoluten Heimatfreund auf. "Wenn mein Vater für seine Bilder Farbe brauchte, war ich der Laufbursche zu Siegfried Hoffmann", erinnert sich Tilo Hönicke.

Siegfried Hoffmann und Richard Hönicke gingen ihren Weg. Zielstrebig. Hönicke hatte stets seinen Skizzenblock dabei, wenn er in seiner Stadt unterwegs war. Wie viele Bilder entstanden sind - niemand weiß es genau. Ältere Großenhainer erinnern sich aber an zwei dem Bacchus huldigende Ölgemälde in den damaligen Weinstuben des heutigen "Kirst & Co". Inhaber Herbert Heidrich bedankte sich seinerzeit demütig. "Mit diesen beiden Gemälden haben Sie uns die Atmosphäre des alten Großenhains nahegebracht", schrieb er 1984. Solche Ereignisse, aber auch vor allem das Wirken im Kulturbund und für die Kirche haben ihn und letztlich auch mich geprägt", sagt Tilo Hönicke.

Er ist heute 61 Jahre alt und seit 1990 Stadtbaudirektor und Bürgermeister von Großenhain. "Die Liebe zu dieser Stadt habe ich von Vati bekommen", sagt er. Die Sicht auf Siegfried Hoffmann wiederum sieht er heute entspannt. "Er hat mich als Stadtbaudirektor sehr, sehr viel kritisiert. Aber oft auch beraten", so Tilo Hönicke. Manchmal musste man zuletzt dem "schrulligen" Stadtarchivar und -chronisten auch Grenzen aufzeigen und "Entscheidungen gegen ihn" treffen. So kannte man eben Siegfried Hoffmann. Tilo Hönicke: "Er war schon so was wie das Großenhainer Gewissen."

Die letzten Jahre der beiden früheren Schulfreunde waren keine einfachen. Richard Hönicke erlitt schon 1969 einen Schlaganfall, 1986 kam die Invalidisierung, später setzte Parkinson seinem künstlerischen Schaffen Grenzen.

Siegfried Hoffmann musste nach Stürzen in der eigenen Wohnung auf der Großenhainer Frauengasse in ein Pflegeheim. Im Mai 2010 starb er.

Was Richard Hönicke und Siegfried Hoffmann verbindet? Ihre Geschichte. Und ihre Spuren, auf denen junge Leute aus Großenhain wandeln sollten!

Siegfried Hoffmann.
Siegfried Hoffmann. © Foto: privat
Richard Hönicke.
Richard Hönicke. © Foto: privat

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