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Zwei Hosen sind eine zu wenig

Zeitungszusteller haben in diesen Tagen keinen leichten Job. Die SZ hat eine Großenhainerin begleitet. Zumindest auf einem Stück ihrer Touren.

Warm eingepackt auf Tour in Kleinraschütz: Annett Riemer ist seit zehn Jahren Zustellerin.
Warm eingepackt auf Tour in Kleinraschütz: Annett Riemer ist seit zehn Jahren Zustellerin. © Thomas Riemer

Großenhain. Um vier an einem Dienstagmorgen: Meine Frau Annett hat sich eingemummelt vom Kopf bis zu den Füßen. Akribisch öffnet sie die Zeitungspakete, die kurz zuvor geliefert wurden. Drei Touren stehen ihr bevor - zwei in Groß-, eine in Kleinraschütz. Seit zehn Jahren ist die 46-Jährige Zustellerin bei der Medienvertrieb Riesa GmbH. An Temperaturen wie am Dienstag kann sie sich nicht erinnern. 14 Grad unter null zeigt die Wetter-App an. In der Nacht hat es wieder ein bisschen geschneit. Trotzdem: Die SZ soll so schnell wie möglich in die Briefkästen!

Runde eins führt über die Riesaer in Richtung Schulstraße. "Heute fährt es sich besch...", sagt meine Frau. Trotz früher Stunde ist zwar der Winterdienst des Großenhainer Stadtbauhofes schon emsig am Schieben. Doch der Zeitungsbotin mit dem Fahrrad machen die Spurrillen zu schaffen. Die Angst, dass im Dunkeln plötzlich das Vorderrad ausschert, fährt mit.

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Weil die zweite Runde über den Neuen Weg hinter zur Thomas-Müntzer-Straße die kürzere und unwegsamere ist, wird sie zu Fuß absolviert. Links und rechts haben sich Schneeberge vor den Grundstücken am Straßenrand aufgetürmt. Der notwendige Wechsel der Straßenseite macht das für Annett nicht leicht. Immer wieder versinkt sie bis zu 20 Zentimeter. Winterdienst findet hier höchstens auf Privatinitiative statt - aber immerhin auch schon früh um fünf. Die Riesaer Straße hin zum Kaufland ist frei. Es herrscht schon vergleichsweise reger Verkehr. Die erste Kaufland-Schicht, Lieferfahrzeuge, Pendler gen Nünchritz und Riesa sind auf Achse. Auch der Fußweg ist bis auf wenige Ausnahmen von den Anwohnern gut geräumt worden. "Leichtes Spiel" für Annett.

Der dritte Zeitungsstapel ist der größte. Es ist inzwischen halb sechs, und die Zustellerin ist später dran als an normalen Tagen. Schnell werden die Zeitungen in drei Fahrradtaschen verstaut - alles mit System. Die Kleinraschützer Straße ist nur schiebend zu bewältigen, auch die Strecke auf dem Siedlungsweg hinauf. Kleine Traktoren mit Schiebeschild sind unterwegs. Annett muss schauen, dass ihr Fahrrad den Räumdienst nicht behindert. Von Haus zu Haus geht es. Der Blick fürs Besondere ist trotzdem offen. "Guck mal, ein Riesen-Iglu", ruft sie mir zu. Ich bin tapfer zu Fuß mit ins Wohngebiet gelaufen. Doch im Gegensatz zu meiner Frau stoße ich an meine Grenzen. Die Finger kribbeln trotz dicker Handschuhe. Die Füße sind kalt. Die Oberschenkel brennen. Zwei Hosen habe ich an - doch das ist an diesem Tag mindestens eine zu wenig. "Am Stadtrand" werfe ich das Handtuch.

Da hat Annett gerade mal "Halbzeit" in Kleinraschütz. Die Wohnsiedlung ist zwar gut vom Schnee geräumt, "aber es ist ganz schön glatt", sagt sie. Zudem sind die Straßen und damit die Zeitungskunden hier ziemlich verwinkelt. Ja, im Sommer kann man da Vorgärten bestaunen. Im Winter trifft man höchstens Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder beim Gassi-Gehen mit Fiffi. Hier und da "lauern" die SZ-Leser ihrem Zusteller hinter der Gardine auf. Eine Frau kommt im Bademantel zum Briefkasten und freut sich über ihre Tageszeitung ...

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Über den Witz, dass man im Schwarzwald angesichts der Kälte und Schneehöhe über den Umstieg von Sandalen auf festes Schuhwerk nachdenkt, kann ich inzwischen nicht mehr lachen. Vor allem aus Respekt vor meiner Frau, ihren Zustellerkollegen und allen anderen, die bei dieser Witterung im Freien arbeiten müssen.

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