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Großenhainer fährt „Ratte“

Der Ratten-Look völlig intakter Autos ist jetzt auch in Großenhain angekommen. Peter Made sagt: Hauptsache kostenlos.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Wer das Auto von Peter Made auf dem Beethoven-Parkplatz sieht, meint, es sei vielleicht ein Umzugswagen. Oder ein Zigeunergefährt. Doch weit gefehlt. Der Ford Mondeo ist ein Kunstwerk.

Bei Motorrädern gibt es diese Art der Gestaltung schon länger. Bei jedem größeren Motorradtreffen in Sachsen tauchen solche „Rat-Bikes“ auf.
Bei Motorrädern gibt es diese Art der Gestaltung schon länger. Bei jedem größeren Motorradtreffen in Sachsen tauchen solche „Rat-Bikes“ auf. © Foto: wikimedia.org/Andy Dingley, CC BY-SA 3.0

„Ratte“ nennt sich dieser Look, der auch dem 29-jährigen Großenhainer gefällt. Mit Holzfolie aus dem Baumarkt an den Seitenrändern fing es an. Dann kamen original Werner-Comics dazu, die aufgeklebt und mit Klarlack überstrichen wurden. Die Motorhaube hat Peter Made bis aufs Blech runtergeschliffen, sodass sie künstlich gerostet ist. Schwarz-gelbe Tigerentenfolie klebt an der Front und an den Außenspiegeln. Das Dach ist beladen mit einem alten Teddy und einem leeren Bierkasten, einer ausrangierten Standheizung, Lampenschirm und Scheinwerfern.

„Von außen soll das Ganze vergammelt aussehen, aber das Fahrzeug ist topp in Ordnung“, versichert der gelernte Berufskraftfahrer, der gerade noch einmal auf Fachlagerist umschult. Denn auch Frau und vierjährige Tochter fahren mit.

Optik zieht Polizisten an

Peter Made wollte sein Auto aufpeppen, ohne groß Geld dafür auszugeben. Den Wunsch, besonders aufzufallen, hatte er dabei aber nicht. „Ich wollte nur machen, was mir gefällt“, so der eher schüchtern wirkende Autobesitzer. Seinen Ford tieferzulegen, wäre ihm nicht in den Sinn gekommen.

Aber eine Flasche ohne Boden auf den Schaltknüppel zu stecken und bunte Foliedreiecke zuhauf auf die Karosse zu kleben, das mochte er. Auch wenn Letzteres eine mühevolle Arbeit war, wie Peter Made gesteht. In Großenhain scheint er der einzige Ratten-Besitzer zu sein. Deswegen sei hier auch schon fast einmal ein Radfahrer von seinem Fahrrad gefallen, als er ihn sah. In Riesa wurde Peter Made allerdings von einem weiteren Ratten-Fahrer angesprochen. Seitdem ist der Großenhainer auch auf einem einschlägigen Internet-Forum, der Ratlook-Plattform.

Wer sich dort umschaut, merkt, dass es fast nichts gibt, was es nicht gibt. Man malt aufs Auto, beklebt es mit den verrücktesten Sachen, und stellt seine „Karre“ dann natürlich zur Schau. Entweder auf der Internetseite oder bei Treffen, so auch beim Tuning-Event Speednation auf dem Großenhainer Flugplatz.

Familienvater Peter Made allerdings mag keinen Rummel. Wenn er eine kleine Ratte an die Antenne geklebt hat, oder einen bemalten Tank aufs Dach schnürt, dann aus Spaß. Und sicher muss es sein. Die Optik scheint Polizisten anzuziehen: Ein paar Mal wurde der Autofahrer schon bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten. Probleme habe es nie gegeben. „Bei mir sitzt alles fest“, so der Großenhainer, der sein Auto fahren will, solange es der TÜV zulässt. Deshalb geht alles Geld in die Technik des Autos.

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