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Großenhainer soll DDR-Unrecht aufarbeiten

Die Eltern hatten ein Hutmachergeschäft an der Meißner Straße.

© Archiv/dpa

Großenhain. Der Großenhainer Tom Sello soll erster Berliner Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur werden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat den 59-Jährigen für das Amt vorgeschlagen, nun sei das Abgeordnetenhaus am Zug, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder am Montag. Sello soll zum 1. Dezember die Nachfolge des Stasi-Landesbeauftragten Martin Gutzeit antreten, wird dann aber ein erweitertes Aufgabenspektrum haben. Sein Tätigkeitsfeld wird dann nicht nur die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit, sondern die gesamte politische und historische Aufarbeitung der SED-Diktatur umfassen. Tom Sello wuchs in Großenhain auf, sein Vater war Hutmachermeister an der Meißner Straße neben dem heutigen Weinstuben „Holzweg“, die Mutter half im privaten Handwerksbetrieb mit.

Von 1974 bis 1977 absolvierte er in Riesa eine Berufsausbildung mit Abitur zum Baufacharbeiter. Danach wurde er zur Nationalen Volksarmee einberufen und anderthalb Jahre später als Soldat entlassen. Weil er sich nicht als Reservist der NVA verpflichten wollte, durfte er nicht studieren. So arbeitete er von 1979 bis 1981 als Maurer im Getränkekombinat Berlin, dann bis 1989 im SHB Möbel Berlin. Erst 1987 konnte er ein Fernstudium im Ingenieurbau beginnen. Ab 1990 war er an Gründung und Aufbau des Matthias-Domaschk-Archivs in der Umwelt-Bibliothek Berlin beteiligt, das 1993 in die Trägerschaft der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. wechselte.

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Seit 1993 ist Sello Mitarbeiter der Robert-Havemann-Gesellschaft in den Bereichen Archiv, Öffentlichkeitsarbeit, politische Bildung und Forschung. 2007 übernahm er die Projektleitung „Friedliche Revolution“ (Ausstellung, Gedenkstelen, Veranstaltungen, Publikationen). 2009 kuratierte er die Ausstellung zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution auf dem Berliner Alexanderplatz. Sello ist Vater zweier Söhne und lebt in Berlin. (dpa/SZ)