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Großer Bahnhof und ein Signal

Beim Führungswechsel in Sachsen macht die Bahn Hoffnung für die Linie Dresden–Görlitz.

© N. Schmidt

Von Michael Rothe

Es gibt Verabschiedungen, da wird nicht nur zurückgeschaut. Jene von Artur Stempel als Konzernbevollmächtigtem der Deutschen Bahn (DB) für Sachsen gehört dazu. Und nebenbei erfuhren die gestern in Dresdens Taschenbergpalais geladenen Gäste gar Neues: Dank einiger Landesmillionen kommt Bewegung in den Ausbau und die Elektrifizierung der Linie von Dresden über Görlitz zur polnischen Grenze.

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Vor Lobes- und Dankesreden, Poulardenbrust und Pilzpfanne anlässlich des Wechsels im regionalen DB-Führerstand hatten sich Sachsens Premier Stanislaw Tillich (CDU) und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) mit Bahnchef Rüdiger Grube zu Bauvorhaben verständigt und eine Planungsvereinbarung für die 103 Kilometer unterschrieben. Dulig spricht von Signal und „Bekenntnis zum Fernverkehr nach Breslau“ sowie einen weiteren Schritt zur Wiederaufnahme der durchgehenden Verbindung, die seit Ende Februar ruht.

Rund drei Millionen Euro stelle der Freistaat zur Vorplanung bereit, sagte Dulig. Sachsen hatte die Strecke zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Nach ihrer Aufnahme werde der nächste Vorplanungsschritt mit weiteren rund sieben Millionen Euro bezahlt. Alles Übrige bezahle der Bund. Für Dulig wäre es bereits ein großer Vorteil, „wenn der Bahnhof Görlitz elektrifiziert wäre, sodass die polnischen Züge elektrisch hineinfahren könnten beziehungsweise bei einer durchgehenden Fernverkehrsstrecke weiterrollen könnten“. Rüdiger Grube dankte dem Freistaat. Mit Initiative und Geld werde ein „Prozess beschleunigt, der das Bahnland Sachsen weiter nach vorne bringen wird“, sagte er.

Abseits des Buffet-Empfangs gab es auch Kritik. Sachsens Grüne und die Initiative deutsch-polnischer Schienenpersonenverkehr begrüßen die Vereinbarung, vermissen die Strecke Dresden–Breslau aber im Fernverkehrskonzept.

Die Deutsche Bahn ist mit 12 700 Mitarbeitern und 540 Auszubildenden einer der größten Arbeitgeber in Sachsen. Für ihren Noch-Chef, Ansprechpartner für Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbände sowie Koordinator der Bahn-Geschäftsfelder, gab es gestern einen großen Bahnhof. Artur Stempel geht nach sechseinhalb Jahren und widmet sich ab 1. Juli als Gesamtprojektleiter ausschließlich der Schnellbahnstrecke Berlin–München, Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8. Der Ausbauabschnitt Leipzig/Halle–Erfurt soll im Dezember 2015 in Betrieb gehen, die Neubaustrecke Erfurt–Nürnberg zwei Jahre später. Das Ziel: Berlin–München in 3:45 Stunden.

Bahnchef Rüdiger Grube weiß das Mammut-Projekt, das mit Kosten von zwölf Milliarden Euro selbst „Stuttgart 21“ und den künftigen Hauptstadtflughafen in den Schatten stellt, bei Stempel in guten Händen. Der ist seit 36 Jahren für den Konzern tätig. Sachsens Eisenbahnern wird er fehlen. Immerhin gaben sie ihm laut Grube bei einer Mitarbeiterbefragung „sagenhafte 4,9 von fünf Punkten“. Das sei „in Deutschland Spitze“.

Auch Verkehrsminister Dulig sagte dem scheidenden „Außenminister der Bahn“: „Thank You for travelling mit dem Freistaat“. Ohne ihn wäre „manches nicht so gelaufen, wie wir es heute haben“: die S-Bahn Dresden–Meißen, Leipzigs City-Tunnel, die Elektrifizierung Reichenbach–Hof, die Knoten Dresden, Leipzig, Chemnitz und der Lückenschluss zwischen Sebnitz und dem tschechischen Dolni Poustevna. Laut Bahnchef Grube übergibt der 63-Jährige „ein sehr gut bestelltes Feld“.

Der Nachfolger heißt Eckart Fricke und war zuletzt in gleicher Funktion in Baden-Württemberg. Fricke, Jahrgang 1956, wird in Personalunion von Leipzig aus auch für Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig sein. Der Wechsel ist Ergebnis einer altersbedingten Personalrochade in mehreren Bundesländern. Wie aus DB-Kreisen zu erfahren war, sollen zwei Chef-Gehälter eingespart werden. Verkehrsbauingenieur Fricke arbeitet seit 1977 für die Bahn, verantwortete auch die Entwicklung und Umsetzung der Strategie „Netz 21“ und war Produktionsvorstand bei der Bahn-Gütersparte DB Schenker Rail. Auf ihn warten Herausforderungen wie die Fertigstellung der schnellen Bahn zwischen Dresden und Berlin. Der Bau der langfristig geplanten, zum Teil unterirdischen Neubaustrecke von Dresden nach Prag ist dagegen frühestens etwas für seinen Nachfolger.