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Großer Moment der Vereinsgeschichte

Die Schiffergesellschaften an der Oberelbe sind nicht nur zur Fastnacht aktiv. Dieses Jahr wurde eine Sensation bestaunt.

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© SZ/Gunnar Klehm

Von Gunnar Klehm

Pirna. Die Schiffervereine an der Oberelbe tun weit mehr, als nur lustige Fastnacht feiern. Letzteres zu organisieren, damit sind die Vereinsmitglieder derzeit zwar voll ausgelastet, aber es gibt auch ein Vereinsleben danach. Von den großen Momenten der Elbeschiffer berichtet jetzt eine kleine Schau im Landratsamt auf dem Sonnenstein in Pirna. Im Archivgebäude an der Elbseite sind im Lesesaal zahlreiche Exponate ausgestellt. Wie es sich für einen Lesesaal gehört, darf in vielen Dokumenten, Blattsammlungen und Büchern geblättert und gelesen werden. Das ausgestellte Material stammt zum einen aus dem Fundus des Archivverbundes des Landkreises, sind aber auch Leihgaben der Schiffervereine. Besondere Exponate sind beispielsweise ein in Handarbeit gefertigtes Modell des Glattdeckdampfers „Pillnitz“ im Maßstab 1:120. Die Reste einer Kette werden als Zeugnis zur Einführung der Kettenschifffahrt gezeigt. Außerdem wird eine bestickte Fahne der Fischer-Innung ausgestellt, die wahrscheinlich zur 700-Jahr-Feier der Stadt Pirna gefertigt wurde.

Ein gemeinsamer Ausstellungsbesuch dürfte bei einigen Schiffervereinen noch auf dem Programm stehen. Dieser Ausflug ist aber nicht vergleichbar mit dem Höhepunkt des vorigen Jahres. Das war die Ankunft des über 100 Jahre alten Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ in der Sächsischen Schweiz. Im Jahr 1900 war der Raddampfer in Dresden vom Stapel gelaufen. Nach einem Umbau auf der Werft in Übigau war das Schiff ab 1910 in Norddeutschland auf der Weser unterwegs. 1970 hatte es ausgedient und sollte verschrottet werden. Enthusiasten verhinderten das. Seitdem gehört es dem Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtmuseums.

Das schickte nach über 100 Jahren den Dampfer mal wieder auf die Elbe nach Dresden. Das allein war schon eine Sensation. Doch dann wurde am 6. September sogar noch eine Mitfahrt für jedermann auf der Kaiser Wilhelm vom Blauen Wunder in Dresden nach Königstein und zurück angeboten. Dutzende Mitglieder der Schiffergesellschaften nutzten diese Gelegenheit. Diese Fahrt sollte sogar noch spektakulärer werden als gedacht. Beim Wendemanöver in Königstein kam der Dampfer wegen des Windes und fehlender Bugstrahlruder nicht rum. So fuhr die Kaiser Wilhelm bis Prossen und wendete vorm Hafen. „Die Gastfreundschaft auf dem Schiff war von solcher Herzlichkeit, wie man sie selten erlebt“, erinnert sich Peter Clemens vom Schifferverein in Prossen.

So soll es auch beim nächsten Treff der Schiffervereine zugehen. Der steht am Wochenende in Kurort Rathen an, wenn dort am Sonnabend mit vielen befreundeten Vereinen die Schifferfastnacht mit Umzug und Schifferball gefeiert wird.