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Großer Schaden nach der Explosion

Das betroffene Ehepaar konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Doch der Vorfall in Wilthen hat viele Folgen.

© LausitzNews.de/Toni Lehder

Von Katja Schäfer

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Wenn es in den Innenstädten nach gebrannten Mandeln riecht, die Tage kürzer und die Abende länger werden, dann steht die Weihnachtszeit vor der Tür.

Wilthen. Ein Kunde nach dem anderen muss am Montag unverrichteter Dinge umdrehen, seine Briefe oder Pakete wieder mitnehmen. „Aus technischen Gründen vorübergehend geschlossen“, verkündet ein kleiner computergeschriebener Zettel an der Eingangstür zur Postfiliale an der Dresdner Straße in Wilthen. Gerit Mann betreibt sie in seinem Geschäft, in dem er auch Telefon- und Energiedienstleistungen anbietet. Doch derzeit darf er nicht öffnen, kann es auch gar nicht, denn der Strom ist abgestellt. „Erst muss ein Gutachter kommen, um den Zustand des Gebäudes einzuschätzen“, sagt der Geschäftsmann am Montagvormittag. Denn wenige Stunden zuvor gab es eine heftige Explosion in der Doppelhaus-Hälfte, in deren Erdgeschoss Gerit Mann seit nun schon fast zehn Jahren Ladenräume gemietet hat.

Wasserkocher gerät in Brand

Gegen 10.45 Uhr am Sonnabend ereignete sich das Unglück. In einer Wohnung im Obergeschoss war laut René Krause von der Polizeidirektion Görlitz ein im Bad stehender Wasserkocher in Brand geraten. Durch die Hitze, die bei dem Feuer entstand, ging eine in der Nähe stehende Flasche mit Haarspray in die Luft. So die bisherigen Erkenntnisse. Gerit Mann war zu dieser Zeit in seinem Laden, bediente gerade eine Frau. „Es gab eine richtige Explosion. Das ganze Haus hat gewackelt“, beschreibt der Unternehmer, wie er die Situation erlebte. „Raus! Raus!“, rief er und stürmte mit der Kundin aus dem Geschäft. Auch Ursula Kiffer, die in der angrenzenden Haushälfte wohnt, hatte den Knall gehört und war auf die Straße gelaufen. „Man steht erstmal richtig unter Schock“, ist die Erfahrung der beiden. Gemeinsam suchten sie dann aber sofort nach der Ursache und animierten die Bewohner der betroffenen Wohnung, das Haus zu verlassen.

Es handelt sich dabei um ein älteres Ehepaar, dem die Haushälfte auch gehört. Die Frau ist 80, der Mann 83 Jahre alt. Die beiden hatten den Brand bis zum Eintreffen der Nachbarn schon zum Teil gelöscht. „Ich habe aber gesagt, dass wir trotzdem unbedingt die Feuerwehr anrufen müssen“, erzählt Nachbarin Ursula Kiffer. Das tat die betroffene 80-jährige Bewohnerin dann selbst. Daraufhin rückten Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei an. Die beiden Senioren wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht. Feuerwehrleute aus Wilthen und Tautewalde löschten den Brand endgültig.

„Durch die Verpuffung oder die Explosion – was es genau war, wird noch untersucht – sind massive Schäden in der Wohnung entstanden“, sagt Sandro Stübner, der als stellvertretender Kreisbrandmeister am Sonnabend ebenfalls vor Ort war. „Von mehreren Innentüren wurden die Schreiben zerstört, außerdem einige Türen aus der Verankerung gerissen, im Erdgeschoss ein Rolltor rausgedrückt“, zählt er auf. Auch Wände seien verrückt worden. All das sieht man dem Haus, das direkt an der Ortsdurchfahrt auf einem Grundstück neben dem Wilthener Jugendhaus steht, von vorn aber überhaupt nicht an. Nach ersten Schätzungen der Polizei beläuft sich der Schaden auf 15 000 Euro. – „Es war unser großes Glück, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht im Bad, sondern in der Küche waren. Sonst hätte es uns durch die Wohnung gewirbelt“, sagt die 80-jährige Frau, die nicht möchte, dass sie und ihr Mann namentlich genannt werden. Dass das Ehepaar im Bad einen Wasserkochen benutzt, erklärt sie damit, dass es immer sehr lange dauert, bis warmes Wasser aus dem Hahn kommt. „Wenn wir nur eine kleine Menge zum Beispiel zum Zähneputzen brauchen, machen wir es so warm. Denn erst ewig das kalte Wasser ablaufen zu lassen, ist doch Verschwendung“, sagt die Wilthenerin.

Sohn nimmt Eltern auf

Sie und ihr Mann konnten das Krankenhaus schon am Sonnabend wieder verlassen; nach ausgiebigen Untersuchtungen und einer mehrstündigen Beobachtung. Jetzt sind die beiden Wilthener bei einem Sohn in Schirgiswalde untergekommen.

„Die Hilfe innerhalb der Familie hat sehr gut geklappt. Deshalb war unsererseits erstmal keine Unterstützung zum Beispiel bei der Vermittlung einer Unterkunft notwendig“, sagt der Wilthener Bürgermeister Michael Herfort (CDU). Wenn Hilfe benötigt werde, stehe die Stadt aber natürlich gern dafür bereit, betont er. Die Verwaltung ist von dem Vorfall sogar selbst betroffen, wenn auch nur in einem geringen Umfang. „Wir als Stadt haben in dem Laden ein Postfach. Wie es damit weitergeht, müssen wir jetzt erstmal sehen“, sagt Bürgermeister Herfort.

Gerit Mann, der die Post-Filiale betreibt, hofft sehr, dass er sein Geschäft bald wieder öffnen kann. Bis es so weit ist, müssen seine Kunden auf die zweite Postfiliale in Wilthen ausweichen. Sie befindet sich im Handelszentrum Oberland.