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Großes Interesse an Lange-Uhren

Die Manufaktur hat in Genf ihre Neuheiten präsentiert. Der Auftritt war vom Tod des Firmengründers überschattet.

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© PR

Von Maik Brückner

Glashütte/Genf. Dicht umringt war der Messestand, den der Glashütter Luxusuhrenhersteller Lange in dieser Woche in Genf aufgebaut hatte. Dort begann am Montag der Uhrensalon. Fünf Tage lange präsentierte das Team um Geschäftsführer Wilhelm Schmid sieben neue Uhren. Diese wurden in den ersten vier Tagen Fachhändlern und -journalisten vorgestellt. Am Freitag konnten zum ersten Mal in der Geschichte des Uhrensalons „normale“ Besucher (Eintritt: 70 Franken/rund 65 Euro) die Neuheiten anschauen. Überschattet wurde der Messeauftritt der Firma vom Tod des 92-jährigen Firmengründers Walter Lange am Dienstag. „Viele Journalisten, Händler und Sammler kamen an den Lange-Stand, um dem Team von A. Lange und Söhne ihr Beileid auszusprechen“, sagt Pressereferentin Katrin Meusinger, die ebenfalls vor Ort war.

Das Messeteam hatte einen gut gefüllten Terminkalender. Es erklärte Besuchern die Besonderheiten der neuen Uhren. Zudem wurden Verkaufsgespräche geführt und Fotoshootings organisiert. Geschäftsführer Schmid war ein gefragter Interviewpartner. Um auch Uhrenfans außerhalb der Messe zu erreichen, berichtete das Unternehmen erstmals auf seiner Facebook-Seite live von der Messe. Am Ende zog das Unternehmen eine positive Bilanz: „Die Uhrenmesse war erfolgreich für A. Lange & Söhne“, heißt es. Die Modelle seien auf große Begeisterung und Anerkennung gestoßen, besonders der hochkomplexe, 480 000 Euro teure Tourbograph Perpetual „Pour le Mérite“, von dem es nur 50 Exemplare geben wird, und das 37 500 Euro teure Modell 1815 Jahreskalender.

Auch für Thomas Wanka, Chefredakteur des 1989 gegründeten Uhren-Magazins, zählte letzterer Zeitmesser zu den Höhepunkten der Messe. „Die Uhr, welche die Monatslängen erkennt und anzeigt, bedarf lediglich jeden Februar einer einfachen Korrektur“, sagt der Fachmann. Doch auch andere Uhrenhersteller zeigten Außergewöhnliches. „Die Uhrenindustrie liefert sich eine Materialschlacht, was neue Gehäuselegierungen anbetrifft. Ein Schweizer Hersteller trumpft mit einer Uhr aus Käse auf, welche er sinnigerweise Swiss Mad nennt“, berichtet Thomas Wanka.

Im Gegensatz zu früheren Messen habe es beim 27. Uhrensalon einen deutlich geringeren Besucherandrang gegeben. „Besonders auffällig war die nahezu vollständige Abwesenheit asiatischer Einkäufer und Journalisten“, sagt Wanka. Dennoch hätten sich die Uhrenfirmen optimistisch gegeben. „Die Stimmung war besser als die Lage“, schätzt Thomas Wanka ein. Denn auch die Luxusindustrie könne sich „von der Weltlage nicht in dem Maße abkoppeln, wie sie sich das vielleicht wünschen würde“. Ähnlich beschreibt das Manager-Magazin die Stimmung. Nach dessen Recherche hätten alle Firmen eingeräumt, dass die Zeiten seit zwei Jahren schwierig seien. Das Magazin befragte dazu Juan-Carlos Torres. Er ist Geschäftsführer der Genfer Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin, der ältesten ununterbrochen tätigen Uhrenfirma der Welt. Torres, der seit 40 Jahren in der Branche tätig ist, habe 2016 als das komplizierteste empfunden. Er erwarte, dass 2017 noch anspruchsvoller werde. Andere Uhrenexperten gaben sich zuversichtlicher. Diese erhoffen für 2017 „einen leichten Aufwärtstrend“, fasst Uhrenjournalist Wanka die Einschätzungen zusammen. Ob sich die Erwartungen erfüllen, wird sich in ein paar Wochen zeigen. Dann steht die Baselworld an. Zu dieser weltweit größten Uhrenmesse fahren die meisten anderen Glashütter Uhrenfirmen. Auch sie werden ihre Neuheiten präsentieren. Das Lange-Messeteam hat den größten Auftritt des Jahres hinter sich. Es kehrt am Wochenende zurück und beginnt mit der Produktion der neuen Uhren. Die ersten Neuheiten sollen bereits im Frühjahr ausgeliefert werden, sagt Frau Meusinger.