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Großschweidnitz droht Finanzkrise

Bürgermeister Jons Anders legte die Eröffnungsbilanz für die doppische Haushaltsführung vor. Die enthält erhebliche Risiken.

© Markus van Appeldorn

Von Markus van Appeldorn

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Großschweidnitz. Was ist eine Gemeinde wert? Also wenn man alles zusammenrechnet. Grundstücke, Straßen und Plätze, Gebäude, Fahrzeuge und so fort. Diese Frage stellt die Haushaltsführung nach der sogenannten Doppik. Seit 2013 verpflichtend in Sachsen eingeführt, soll die Doppik den Kommunen ein kaufmännisches Rechnen ermöglichen und den Städten und Gemeinden einen transparenten Blick auf ihre wahre Vermögenslage gewährleisten.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag legte Bürgermeister Jons Anders (parteilos) nun die Eröffnungsbilanz für Großschweidnitz zur Beschlussfassung vor. „Die erste Beschlussvorlage des Jahres hat‘s gleich mal in sich“, sagt Anders und verkündete die Bilanzsumme: 7,3 Millionen Euro – das ist Großschweidnitz rechnerisch wert. Und dann konfrontierte Bürgermeister Anders den Rat auch gleich mit den Problemen, ´die in dieser Bilanz für die Zukunft schlummern. Über 94 Prozent (6,9 Millionen Euro) der Bilanzsumme würde das sogenannte Anlagevermögen der Gemeinde ausmachen. Dazu zählen in der Hauptsache Straßen und Gebäude wie das Feuerwehrhaus oder die Kita. Als wertvollster Posten stehen mit 500 000 Euro zum Beispiel Verwaltungsgebäude in der Bilanz – im Wesentlichen das Gemeindeamt. Problem dabei: Laut Bilanz sei das Anlagevermögen schon zu über 50 Prozent abgenutzt. So wie ein Unternehmer Abschreibungen auf eine Maschine vornehmen muss, weil er irgendwann eine neue braucht, so müssen Kommunen nach der Doppik solche Rückstellungen für die Neuanschaffungen abgenutzter Vermögenswerte bilden – und diese Rückstellungen auch irgendwie selbst erwirtschaften.

Die Rechnungsprüfer sehen wegen des hohen Abnutzungsgrades „erhebliche Investitionen“ auf die Gemeinde zukommen. Ein ausgeglichener Ergebnishaushalt sei deshalb auch mittelfristig nicht möglich. Bürgermeister Jons Anders bezifferte den Fehlbetrag, der durch den Zwang zu Rückstellungen besteht, auf aktuell 238 000 Euro. „Dieser Fehlbetrag muss theoretisch von der Verwaltung erwirtschaftet werden“, sagte Anders, sah aber keine Möglichkeit, wie die Gemeinde Großschweidnitz Kosten in dieser Höhe irgendwo einsparen könne. Allerdings hätte die Gemeinde schon in der Vergangenheit sehr sparsam gewirtschaftet. Darauf weise der geringe Verschuldungsgrad von 4,4 Prozent der Bilanzsumme hin.