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Großvermieter investiert in Hochhaus

Ein in die Jahre gekommener Zehngeschosser wird bald eingerüstet. Insgesamt saniert die WGR mehr, als sie abreißt.

© Lutz Weidler

Von Christoph Scharf

Riesa. Sie machen die Silhouette von Riesa unverwechselbar: die Hochhäuser an der Bahnhofstraße, die man schon von Röderau aus sieht. Bald wird einer der Zehngeschosser eingerüstet: Die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) lässt am Haus Bahnhofstraße 5-9, das direkt am Zebrastreifen steht, die Fassade erneuern. Auch wenn nur Putz ausgebessert wird und frische Farbe dran kommt, schlägt das Projekt mit fast einer halben Million Euro zu Buche – und ist damit das größte Instandhaltungsvorhaben, das die WGR in diesem Jahr plant.

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Wenn das Gerüst schon einmal steht, werden auch gleich noch sämtliche Fenster am Hochhaus gewartet, das an drei Aufgängen 150 Wohnungen beherbergt. Wer genau hinsieht, entdeckt Putzschäden vor allem am mittleren Treppenhaus oben. Dabei wurde die Fassade erst um das Jahr 2000 herum neu gemacht. „Das ist nun auch schon fast 20 Jahre her“, sagt WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa. Da sei es normal, dass eine Erneuerung ansteht. „Wir investieren jedes Jahr in die Instandhaltung unserer Objekte, damit gar nicht erst ein Rückstau entsteht.“

Derzeit läuft die Ausschreibung für das Projekt, gebaut wird im Sommer. Die Mieter müssen dann mit einem Gerüst vor den Fenstern leben – eine Erfahrung, die schon viele Nachbarn gemacht haben. So hatte die WGR zuletzt am Karl-Marx-Ring und an der Klötzerstraße mehrere Wohnblocks um ein bis zwei Etagen geschrumpft.

Das wird dem Hochhaus nicht passieren: Die zehn Geschosse bleiben komplett. Und wie sieht die Fassade nach dem Neuanstrich aus? „Die roten Fliesenspiegel aus DDR-Zeiten bleiben auf jeden Fall“, sagt Roland Ledwa. Das Farbkonzept für die Wand stehe noch nicht fest. „Aber das Gebäude soll weiter ins Umfeld passen.“ Bei den Nachbargebäuden steht dann Stück für Stück in den Folgejahren eine Instandhaltung an. „Wir müssen schauen, wie wir das mit den eigenen Mitarbeitern realisieren können – und wann überhaupt Baufirmen verfügbar sind“, sagt der WGR-Chef. Man merke immer wieder, dass die Auftragslage bei den Bauunternehmen „extrem gut“ sei.

Das ist gerade in diesem Jahr ein Thema, in dem man bei der WGR ein anspruchsvolles Programm hat: An der Plauener und an der Zwickauer Straße sollen Mehrfamilienhäuser saniert werden, parallel läuft die Erschließung des Eigenheim-Standortes Segouer Straße. In der Pausitzer Delle erneuert Riesas größter Vermieter in sechs verschiedenen Gebäuden die Heizkesselanlagen. Damit wird künftig auch die Abgaswärme, die sonst durch den Schornstein verloren geht, aufgefangen und als Heizwärme genutzt. Allein dort investiert das stadteigene Unternehmen 100 000 Euro. Am Alexander-Puschkin-Platz steht das Ärztehaus an der Deutschen Bank auf der Projektliste: Dort wird für 40 000 Euro ein neuer Aufzug eingebaut. „Die vorhandene Anlage befindet sich durch die Arztpraxen von Montag bis Freitag quasi im Dauerbetrieb“, sagt WGR-Prokurist Reiner Striegler. – Abgerissen wird dieses Jahr nur ein einziges Gebäude: der Block Plauener Straße 2 a-f. Auch wenn sich der Bevölkerungsschwund in Riesa zuletzt auf knapp anderthalb Prozent verlangsamt habe – um das Thema Abriss und Rückbau komme man auch in diesem Jahr nicht herum, sagt WGR-Chef Roland Ledwa. Als einer der beiden großen Riesaer Vermieter habe man auch die Pflicht, den Markt zu regulieren.

Mit dem Abriss des seit dem Jahreswechsel leerstehenden Gebäudes verschwinden 48 Wohnungen. Zum Vergleich: Zwischen 2002 und 2017 hat die WGR fast 1 600 Wohnungen vom Markt genommen. Auch in den nächsten Jahren werde man – je nach Bedarfsentwicklung – weiter abreißen. Aktuell liegt der Leerstand bei der WGR bei 13 Prozent, da sind die Wohnungen im Abrissobjekt allerdings noch enthalten. „Durch die Neuvermietung am Karl-Marx-Ring geht der Wert aber noch runter“, sagt Roland Ledwa. Dort hatte die WGR in den vergangenen Jahren mit einem Millionenaufwand mehrere Blöcke verkleinert und modernisiert.