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Grüne protestieren gegen Riesaer Hafenausbau

Wieder einmal sieht sich die Partei von den aktuellen Zahlen des Hafenbetreibers bestätigt: Der Anteil des Schiffsverkehrs sei viel zu gering.

Mehr als 43.000 Containereinheiten wurden vergangenes Jahr im Hafen Riesa umgeschlagen – per Schiff gingen aber nur 2 400 auf die Reise. © Sebastian Schultz

Riesa/Dresden. Wer die Nachrichten zum Riesaer Hafen verfolgt, dem dürfte das Prozedere aus den Vorjahren bekannt vorkommen: Erst stellt der Hafenbetreiber Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO) seine Jahresstatistik vor. Dann nehmen die Grünen die Zahlen zum Anlass, um gegen den geplanten Bau eines Containerterminals in Riesa zu protestieren.

Die SBO hatte vor zwei Wochen verkündet, im Hafen Riesa mit einem Umschlag von mehr als 43 000 Containereinheiten 2018 das beste Ergebnis überhaupt erzielt zu haben – obwohl wegen des Niedrigwassers sieben Monate lang kein Frachtschiff auf der Elbe fahren konnte. Die Grünen haben per Kleiner Anfrage bei Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zu den Umschlagszahlen im Hafen Riesa nachgefragt. Demnach hat der Anteil des Schiffsverkehrs beim Güterumschlag im Jahr 2018 gerade noch 4,3 Prozent betragen. Per Lkw wurden etwa 59 Prozent und per Bahn rund 37 Prozent der Güter umgeschlagen. Zudem seien nur noch 5,5 Prozent aller Container im Riesaer Hafen per Schiff transportiert worden, per Lkw dagegen 20 Prozent, per Bahn 74,5 Prozent.

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„Die neuen Umschlagzahlen zum Riesaer Hafen sind wenig überraschend“, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier. „Ich kann meine Kritik aus den Vorjahren nur wiederholen: Der Hafen Riesa ist für den Schiffsumschlag völlig ausreichend dimensioniert“, erklärt Katja Meier. Der überwiegend aus Steuergeldern finanzierte Neubau eines Terminals für kombinierten Verkehr sei vor allem für mehr Lkw-Transporte wichtig.

SBO-Chef Heiko Loroff hält das an der Südseite des Hafens geplante Terminal so oder so für unverzichtbar: Längst arbeite man im Riesaer Hafen am Limit. Die regionale Wirtschaft sei auf die Umschlags- und Transportkapazitäten der Anlage angewiesen. Man gehe zudem von einer steigenden Nachfrage nach Containertransporten in Riesa aus. Gern hätte man 2018 mehr Güter auf dem Wasser transportiert – habe aber wegen des monatelang viel zu niedrigen Wasserstands Alternativen suchen müssen. Diese sind nicht billig: Um 1 000 Tonnen Fracht von einem Schiff auf die Straße umzuladen, brauche man fast 45 Lkw-Ladungen. Loroff setzt auf das zuletzt von der Politik beschlossene Gesamtkonzept Elbe. Allein mit der Beseitigung von einem halben Dutzend Engstellen elbabwärts lasse sich die Transportfähigkeit per Schiff künftig deutlich verbessern.

Die Grünen dagegen monieren, dass man in Riesa kaum noch von Trimodalität – also dem Zusammenwirken der Verkehrswege Schiff, Bahn, Lkw – sprechen könne. „Es geht im Kern um ein Logistikzentrum für Lkw- und Bahntransporte mit mindestens zusätzlichen 600 Lkw-Bewegungen pro Tag mitten in der Stadt Riesa“, sagt Katja Meier. Der Ausbau der sächsischen Elbehäfen gehöre grundsätzlich auf den Prüfstand. So habe im nur 15 Elbkilometer von Riesa entfernten und von der SBO betriebenen Mühlberger Elbhafen 2018 keine eine einzige Verladung stattgefunden. Heiko Loroff bestätigt, dass man sich mit Mühlberg schwertue. Dafür gäbe es aber nur einen Grund: Der Mühlberg Hafen habe – anders als Riesa oder Dresden – keinen Bahnanschluss und sei deshalb allein auf den Elbpegel angewiesen.