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Grünen-Stiftung zieht ins Kraftwerk Mitte

Nach und nach werden auch die Häuser um den Theaterneubau saniert. Ein weiterer Mieter könnte bald folgen.

© A. Schneider

Von Sandro Rahrisch

Noch vor ihrem Einzug ins Kraftwerk Mitte bekommen die Staatsoperette und das Theater Junge Generation eine neue Nachbarin. Die politische Bildungsstätte „Weiterdenken“ der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung wird im September die alte Trafohalle zwischen Villa und Eventwerk eröffnen. Das um 1900 gebaute Haus hat in den letzten Monaten einen neuen Dachstuhl, eine Zwischendecke, eine neue Bodenplatte und 15 Fensterdurchbrüche erhalten. „Das ist nicht einfach nur ein Umzug“, sagte „Weiterdenken“-Geschäftsführer Stefan Schönfelder zum Richtfest am Freitag. „Im Kraftwerk erhoffen wir uns eine enge Verknüpfung zwischen politischer und kultureller Bildung.“

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Die Hochschule für Musik hat bereits im März 2014 das Gelände bezogen. Die städtische Musikschule – das Heinrich-Schütz-Konservatorium – und die beiden Theater folgen bis zum Jahresende. In die alte Heizzentrale am Wettiner Platz zieht im kommenden Jahr die Firma Neonworx ein, welche die 1 600 Quadratmeter große Fläche an Künstler und Gründer weitervermietet. „Man muss Idealist sein, in so eine kleine Trafohalle zu wollen und sich in dieses Umfeld zu verlieben“, sagte Drewag-Geschäftsführer Reinhard Richter. Das Areal ist noch eine große Baustelle, und die Stadtwerke suchen noch weitere Mieter.

Auf rund 230 Quadratmetern bekommen die zwölf Stiftungsmitarbeiter Büros, im Erdgeschoss soll ein Seminarraum entstehen. Die Umbaukosten betragen 710 000 Euro. Die zum Teil verrosteten Metalltore, die nahezu die gesamte Front des Klinkerbaus eingenommen haben, sind bereits verschwunden und werden in den nächsten Monaten durch Glas ersetzt. „Weiterdenken“ hat den Auftrag, politische Bildung für Erwachsene zu organisieren, und versteht sich als Ideenwerkstatt und Plattform für Debatten. „Ich finde, dass hier eine spannende Mischung aus Kultur und Bildung entsteht“, sagte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Er lobt die Sanierung als einen respektvollen Umgang mit alten Gebäuden und sieht den Einzug der Stiftung als einen Impuls für das Kraftwerk Mitte. Denn zur Theatereröffnung im Dezember werden nicht alle Gebäude auf dem Gelände saniert und vermietet sein. Noch keine konkreten Pläne gibt es für die Villa am Wettiner Platz. Auch das Reaktanzenhaus steht noch leer. Weitere Mietverträge sind laut Drewag bislang nicht unterzeichnet worden. Allerdings sei der Einzug der Dresdner Puppentheatersammlung noch nicht vom Tisch. Sie gilt als eine der bedeutendsten der Welt und umfasst über 12 000 Puppen aus der Zeit des 18. Jahrhunderts bis heute sowie Bühnenbilder und Requisiten. Derzeit lagert die Sammlung im Depot der Garnisonkirche. Das letzte Wort zum Umzug hat der Freistaat, mit dem die Drewag verhandelt.

Planmäßig schreiten die Arbeiten am Theaterneubau voran. „Am Abschlusstermin wird sich nichts ändern“, sagte Projektleiter Florian H. Brandenburg von der Kommunalen Immobiliengesellschaft Dresden (KID), die eigens für die Sanierung des Kraftwerks und des Kulturpalastes gegründet wurde. Die Arbeiter seien derzeit stark beschäftigt, die Bühnentechnik zu installieren. Dazu gehören die Züge für die Vorhänge und Dekorationen sowie die Verkabelung für Scheinwerfer und Lautsprecher. Auch die Maler seien unterwegs in dem rund 100 Millionen Euro teuren Bau.

Um die Liquidität der städtischen KID über 2016 hinaus zu sichern, hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erst vor wenigen Tagen den Stadtrat gebeten, Geld nachzuschießen. Denn gleich zu Baubeginn sind wesentlich mehr Altfundamente auf dem Kraftwerksgelände entdeckt worden als angenommen. Diese mussten entfernt werden, damit der Theaterneubau überhaupt hochgezogen werden konnte. Hinzu kommen Fördermittel, welche die Stadt nicht bekommen hat.

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Stefan Schönfelder ist sich gewiss, dass schon im kommenden Jahr viel Trubel auf dem Kraftwerksgelände herrschen wird. „Weiterdenken“ habe sich mit der Entscheidung nicht schwergetan, die aktuellen Büroräume in der Schützengasse zu verlassen. „Nicht nur, weil wir uns vergrößern wollen, sondern auch, weil wir uns eine sehr lebendige Nachbarschaft erhoffen“, sagt der Geschäftsführer.