merken

Grüner Winter

In der Sächsischen Schweiz macht der Frost Pause, Kommunen sparen beim Winterdienst. Trotzdem sind nicht alle froh.

© Dirk Zschiedrich

Der Winter lässt im Flachland auf sich warten. Bis auf das kurze Schnee-Intermezzo nach Weihnachten ist die kalte Jahreszeit in weiten Teilen der Sächsischen Schweiz noch nicht angekommen. Lediglich in Rugiswalde hält sich die Schneedecke wacker. Doch schon in Sebnitz und Neustadt haben die milden Temperaturen für große grüne Löcher auf den Feldern gesorgt. In Stolpen und Dürrröhrsdorf-Dittersbach sprießt erstes Grün auf den Wiesen. Sebastian Manns vom Deutschen Wetterdienst Leipzig bestätigt: „Anfang Januar wurden Temperaturen um 15 Grad gemessen.“ Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer beim bisherigen Winterwetter?

Anzeige
Durchblättern und viel sparen

Frisch, lebendig und lesefreundlich. Stöbern Sie hier online in den aktuellen Magazinen und Partnerangeboten.

Skiklub Rugiswalde muss mit Kunstschnee nachhelfen

Die Bedingungen am Hang in Rugiswalde sind perfekt. Doch dafür hat nicht allein das Winterwetter gesorgt. Die Mitglieder vom Skiklub mussten mit Maschinenschnee nachhelfen. Mehrere Tage lang sind die Geräte gelaufen, die Wasser in Schneekristalle verwandeln und in die Luft pusten. Auf rund 20 Zentimeter ist die Schneeschicht dadurch angewachsen, auf der Skifahrer und Snowboarder nun ihren Spaß haben. Erst seit dem vergangenen Wochenende läuft der Lift wieder. Ein geplanter Skiwettbewerb musste bereits wegen Schneemangels verschoben werden. Technikwart Siegmar Kind bleibt dennoch optimistisch. Er hofft vor allem, Wintersportler aus der Region anzulocken. Von der grünen Wiese zum weißen Hang in Rugiswalde sind es oft nur wenige Kilometer.

Privathaushalte und Gewerbe sparen Heizkosten

Günstiger wird es für viele Pirnaer. Aufgrund des lauen Winters verzeichnen die Stadtwerke und die Energieversorgung Pirna rund 25 Prozent weniger Absatz an Heizenergie als in den Vorjahren, teilt Sprecherin Ute Ullrich mit. Energie-intensive Unternehmen profitieren besonders. Dazu zählen unter anderem Gärtnereien.

Den Pflanzen droht bei längerer Warmperiode Gefahr

„Noch ist alles mit der Natur in Ordnung“, erklärt Gerhard Drossel. Er ist Fachberater für den Territorialverband Sächsische Schweiz der Gartenfreunde. Dennoch lauere Gefahr. Halten die warmen Temperaturen an, treiben die Pflanzen frühzeitig aus. „Schlimm wird es, wenn danach noch einmal eine Frostperiode eintritt. Die Knospen würden erfrieren“, sagt Drossel.

Mäuse in Gärten und auf Feldern vermehren sich rasant

„Den Mücken ist es egal, ob draußen minus 15 Grad oder plus 15 Grad herrschen. Sie überwintern meist in geschützten Kellerräumen oder Höhlen“, erklärt Schädlingsbekämpfer Thomas Scherber aus Pirna. Ob es im Sommer eine Mückenplage gibt, habe daher kaum etwas mit dem Winter zu tun. Folgen hat der milde Winter jedoch für die Wespenpopulation. Die feucht-warmen Temperaturen begünstigen die Entwicklung von toxischen Pilzsporen, die sich auf den Chitin-Panzer der Wespenkönigin setzen und das Tier töten. Problematisch könnte es auch für die Landwirtschaft werden, sagt der Experte. Da Bodenfrost bisher größtenteils ausgeblieben ist, fänden die Mäuse viel Nahrung und könnten sich so optimal vermehren. Eine Mäuseplage sei nicht auszuschließen.

Räum- und Streudienst kann sich um andere Dinge kümmern

Wenn es nicht schneit und nicht glatt ist, dann braucht der Räum- und Streudienst nicht auszurücken. Die Kommunen sparen Geld: Sie müssen weniger Salz und Splitt einkaufen. Bisher habe man nur ein Drittel der kalkulierten Menge an Salz verbraucht, teilt zum Beispiel die Stadt Pirna mit.

Wetterdienst schreibt den Winter noch nicht völlig ab

In den nächsten Tagen soll es laut dem Deutschen Wetterdienst etwas kühler werden, sodass morgens eventuell mit Glätte zu rechnen sei. Ab 400 Meter verdichtet sich die Schneedecke. Im Tal hingegen kommt der Niederschlag besonders in der Nacht auf Freitag weiterhin als Schneeregen herunter. Noch sei der Winter aber nicht ganz verloren. „Es kann durchaus sein, dass Schnee in den Ferien im Februar auch in tieferen Lagen fällt“, sagt Meteorologe Sebastian Manns. (hui/am/sab/kat)

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special