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Grundstücke für Woba reichen nicht

Um in Dresden die geplanten 8 000 Sozialwohnungen zu bauen, muss zugekauft werden. Das kann den Markt aufwirbeln.

© Visualisierung: Stesad

Die Ziele sind klar: 500 Wohnungen im ersten Schritt, 2500 bis 2019 und sogar 8 000 neue sozialverträgliche Unterkünfte bis 2025. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will die neue Woba schnell wachsen sehen, um Bedürftige mit günstigen Wohnungen zu versorgen. Doch neben vielen finanziellen Unklarheiten gibt es schlicht ein Platzproblem in Dresden.

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Für die ersten 500 Wohnungen sind bereits ein Dutzend konkrete Grundstücke vorgesehen, und die Wohnungen werden bereits geplant. Darunter Flächen am Käthe-Kollwitz-Ufer, der Ulmenstraße, der Alemannenstraße, der Bulgakowstraße, der Lugaer Straße, der Jüngststraße, der Friedrich-Ebert-Straße, der Kipsdorfer Straße, der Schäferstraße, der Gerokstraße, der Florian-Geyer-Straße, dem Nickerner Weg, und der Fröbelstraße. Diese umfassen insgesamt rund fünf Hektar. Damit ist bereits ein beträchtlicher Teil der Flächen weg, die der Stadt gehören und für den sozialen Wohnungsbau geeignet sind. Auf SZ-Anfrage antwortete Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain: „Die Landeshauptstadt Dresden hat Flächen im Umfang von insgesamt 12,5 Hektar, die für sozialen Wohnungsbau grundsätzlich in Betracht kommen könnten.“ Zunächst werden die zwölf Grundstücke in die neue Woba eingelegt, sobald diese gegründet ist. Bleiben also noch rund 7,5 Hektar, die zur Verfügung stehen. „Aus diesem Potenzial und dem städtischen Treuhandvermögen werden sukzessive weitere Grundstücke eingelegt, um das Ziel von 2 500 mietpreisgünstigen Wohnungen zu erreichen“, so der Bürgermeister. Allerdings muss noch genau untersucht werden, ob wirklich alle Flächen geeignet sind. „Das reicht hinten und vorne nicht aus“, räumt auch Grünen-Stadtrat Michael Schmelich ein. „Aber wir haben beschlossen, dass Grundstücke im Wert von 50 Millionen Euro in die Woba eingelegt werden.“

Die ersten zwölf sind gut sieben Millionen Euro wert. „Die Woba oder die Stadt muss Grundstücke zukaufen“, so Schmelich. Wer dies am Ende abwickelt, sei noch zu klären. Dafür bedürfe es aber zunächst einer Übersicht, welche Flächen in der Stadt nicht der Verwaltung gehören. Außerdem könne man über Umwidmungen zu Bauland kommen. Dabei werden Grundstücke, die bisher nicht bebaut werden dürfen zu Bauland deklariert. „Es geht auch über Lückenbebauungen und Nachverdichtungen“, so Schmelich. Jede Möglichkeit müsse genutzt werden.

Diese Verfahren dauern allerdings und können den Zeitplan der Kooperation gefährden. Eine weitere Gefahr sieht CDU-Stadtrat Ingo Flemming. „Bauherrengemeinschaften haben bereits Probleme, Grundstücke zu bekommen. Alles soll in die Woba, das ist nicht gut für den Markt. Da bleibt für nichts anderes mehr Platz.“ Denn gerade die Genossenschaften und private Investoren haben in den vergangenen Jahren wieder mehr neue Wohnungen gebaut. Das sind zwar in der Regel keine Sozialwohnungen, aber sie werden dringend benötigt, da die Einwohnerzahl stetig steigt – auch perspektivisch.

Flemming fordert, der Wohnungsbau müsse generell vorangetrieben und unterstützt werden. Die Stadtratsmehrheit denke aber nur an die Woba. Zumal er die Ziele für unerreichbar hält. „Es ist völlig illusorisch, so viele Wohnungen in der Zeit zu bauen“, so Flemming. Die Woba als Gesellschaft werde es frühestens im Herbst geben. Erst dann kann sie Fördergeld beantragen, um günstige Mieten garantieren zu können. „Frühestens Ende 2018 werden die ersten Wohnungen fertig sein“, prognostiziert der CDU-Politiker. „Wir werden die Kooperation daran messen, 2019 sind die nächsten Wahlen.“ Indes will die Stadt Geld einnehmen, um weitere Grundstücke für die Woba zu erwerben. Das soll auch über Grundstücksverkäufe reinkommen. Nämlich die Flächen, auf denen keine Wohnungen gebaut werden können. Zunächst muss aber der von Schmelich geforderte Überblick über die Grundstücke, die nicht der Stadt gehören, erarbeitet werden. Der Stadtrat hat bis zum Sommer eine Liste eingefordert, die zeigt, welche konkreten Grundstücke in die Woba eingelegt werden können.

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