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Günther Jauch verrät das Geheimnis guter TV-Kandidaten

Der Moderator war überraschend in Radeberg zu Gast. Eigentlich sollte es vor allem um seine Weine gehen, doch es kam anders.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

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Als wäre es das Normalste überhaupt: Da sitzt Deutschlands wohl bekanntester Moderator Günther Jauch im Geschäft von Thomas Tiebel in Radeberg. Vor sich ein paar Gläser Wein und beide fachsimpeln die geschmackliche Bandbreite von Rieslingweinen, den Vorzügen der Spontangärung und dem Comeback guter Rebensäfte. Ganz so, als wären sie seit langem gute Bekannte. Schuld daran, dass beide vertraulich zusammensitzen, hat gewissermaßen der Radeberger. Nach einer Weinmesse im vergangenen Jahr kamen er und ein befreundeter Weingroßhändler auf die Idee, doch auch Weine vom Gut Othegraven in Rheinland-Pfalz ins Angebot zunehmen. Unter Weinkennern ist bekannt, dass es Günther Jauch gehört. „Das wussten wir natürlich, uns ging es aber vor allem um die guten Weine, die von dort kommen. Wir haben nicht im Traum daran gedacht, dass der Inhaber höchstpersönlich bei uns vorbeischauen würde“, sagt Thomas Tiebel. Vor einigen Tagen kam dann der Anruf. „Herr Jauch möchte seine Weine bei mir vorstellen, hieß es. Ich dachte erst, das ist ein Witz“, sagt Thomas Tiebel.

Jetzt sitzt er da, der Mann, den die meisten als gewieften Fragensteller aus dem Fernsehen kennen. Er sieht nicht ganz so wie auf der Mattscheibe im feinen Anzug aus, sondern hat Jeans und Schlabberpulli an und seine Haare sind etwas durcheinander. Unverkennbar aber ist das Schuljungenlächeln, das immer dann zu sehen ist, wenn die 500 000 Euro-Frage kommt und der Kandidat nicht weiterweiß.

Diesmal grillt er aber sein Gegenüber nicht. Freundlich berichtet Günther Jauch, wie er zum Winzer wurde. 2010 kaufte er das Gut an der Saar. Nicht, weil es schick war, auf der Terrasse zu sitzen, den eigenen Wein zu schlürfen und auf die eigenen Reben zu gucken. „Das Gut ist seit 1805 im Besitz meiner Vorfahren. Jetzt drohte es in fremde Hände zu gelangen. Das wollten meine Frau und ich verhindern“, sagt er. Jetzt gehören 16 Hektar Weinhänge an vier nahe beieinanderliegenden Standorten den Jauchs. Rund 100 000 Flaschen werden jedes Jahr produziert und in aller Welt verkauft, einige davon jetzt in Radeberg.

Und sein eigentlicher Beruf als TV-Moderator? „Das wird immer weniger. Ich liebe das Winzerdasein immer mehr. Aber keine Angst. Bei ,Wer wird Millionär?‘ mache ich mindestens noch die 20 Jahre voll. Das Jubiläum liegt im nächsten Jahr“, sagt er. Wer sich aus Radeberg als Kandidat bewerben willen, kann das gerne noch tun, rät er und gibt auch gleich noch einige Tipps, wie Fans das am besten anstellen. „Nach der schriftlichen Bewerbung werden geeignete Kandidaten von der Redaktion angerufen. Wer dann locker und bereitwillig von sich erzählt, hat gute Chancen, eingeladen zu werden“, sagt er.

Auf die Frage, ob denn in einer der nächsten Sendungen die Stadt Radeberg vorkommt? Vielleicht bei der Millionenfrage? Jetzt wo er schon einmal hier war. „Das kann ich nicht sagen, ich glaube aber eher nicht. Die Fragen denkt sich ein Team von Redakteuren aus. Manchmal ist mir auch schleierhaft, woher sie das alles haben.“ Und als Radeberger bei RTL anrufen und selber eine Frage vorschlagen? „Auch das klappt nicht. Bei uns gibt es zwei Gesetze, die nicht gebrochen werden dürfen. Eins lautet: Es werden keine zugesandten Fragen verwendet. Es könnte ja der Fall eintreten, dass gerade der Einsender dann als Kandidat vor mir sitzt.“ Das zweite ,Wer- wird-Millionär-Gesetz‘ lautet: Alle Fragen werden in drei voneinander unabhängigen Quellen geprüft. „Wikipedia gehört da nicht dazu“, fügt er hinzu.

Dann zum Abschluss der Weinrunde lässt es sich Thomas Tiebel nicht nehmen, einen Radeberger Bitter aus eigener Produktion anzubieten. Günther Jauchs Frau Dorothea Sihler schmeckt das dunkle Getränk. „Sehr lecker, das sollte es auch bei uns geben“, sagt sie. Günther Jauch selber ist zurückhaltender. „Ich bin kein Fan von Kräuterlikören. Das ist aber reine Geschmackssache. Wenn meine Frau das gut findet, in Ordnung. Jeder soll für sich das Beste heraussuchen. Das gilt natürlich auch für meine Weine. Der eine mag sie, der andere nicht“, sagt er und dann hat er wieder dieses typische Schuljungen-Lächeln auf den Lippen.