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„Gundi“ ist nicht tot!

Fans des 1998 verstorbenen Liedermachers feiern in Weixdorf in dessen Geburtstag hinein.

© Bernd Goldammer

Von Bernd Goldammer

Weixdorf. Ausverkauft! Diese Lieder haben eben nichts von ihrer Kraft verloren. Auch nicht fast 20 Jahre nach dem Tod ihres Sängers. Am Sonnabend war er im Weixdorfer Dixiebahnhof wieder zu spüren, dieser unbändige Zauber unsterblicher Songs. Lieder von Gerhard Gundermann, den eigentlich alle nur „Gundi“ nannten. Am Sonntag wäre er 61 geworden, hätte ihn nicht im Sommer 1998 ein Hirnschlag mitten aus dem Leben gerissen.

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Das Dresdner „Folxkunstkollektiv“ Huderich hat die Lieder Gundermanns aufgegriffen. Huderich, damit ist jene musikalische Pflanze gemeint, die es vermag, Songs des deutschen Liedermachers und Rockmusikers Gerhard Gundermann in urwüchsiger Weise aufleben zu lassen. Am Sonnabend ist die Nähe besonders spürbar gewesen. Das vollbrachte die Band im ganz eigenen, folkloristischen Huderich-Stil. Es kam sogar hier und da das Gefühl auf, als sei der unscheinbare Typ im Fleischerhemd, mit der großen Brille und dünnem, langem Haar – „Gundi“ eben – im Wartesaal des Dixiebahnhofs, um die Stunden der musikalischen Erinnerung mitzufeiern. Mit wirklich unsterblicher Musik – und mit den vielen Gästen, die Gundermanns Lieder von der ersten bis zur letzten Strophe mitsangen.

Huderich gab dazu Gedanken an die Zukunft mit auf den Weg. Und das mit reichlich Humor. Der Philosoph, Ökonom, Journalist und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx erschien in unvergötterter Form, neben dem bücherschreibenden Sozialpsychologen Harald Welzer. Und aus Hans-Dieter Schütts Erinnerungsbuch an Gespräche mit „Gundi“, die unter dem Titel „Tankstelle für Verlierer“ zusammengefasst sind, gab es auch einige Sätze an diesem Abend.

Ausgedehnte Tourneen

Die Zusammenstellung ist dabei folgerichtig. Gerhard Gundermann hat seine kraftvollen Verse aus gesellschaftlichem Querdenken und melancholischer Philosophie gemacht. Und die Songs sind putzmunter! Besonders, wenn man bedenkt, dass Gerhard Gundermann von den großen Medien weitestgehend ignoriert worden war … Aber seine Lieder leben in den Fragen der Zeit. Auslöschen durch Verschweigen ist unmöglich. Weil sie den Nerv eines engagiert-kritischen Publikums treffen. Und zu all dieser Strahlkraft vermitteln sie außerdem Wärme, Halt und eine gesellschaftliche Zuversicht. Gerade in unseren aktuell „spaltungsvertieften“ Zeiten gehen Lieder wie „Niemandsland“, „Krieg“, „Keine Zeit mehr“ oder „Vögelchen“ tief unter die Haut. Obwohl sie schon Anfang der 90-er Jahre geschrieben, vertont und bei vielen Konzerten unter die Leute gebracht wurden. Das war die Zeit, in der Gerhard Gundermann ausgedehnte Tourneen mit Bob Dylan und Joan Baez unternahm und danach „Arbeitslosigkeit mit Umschulung zum Tischler“ in seinem Lausitzer Revier kennenlernte. Bis dahin war er jahrzehntelang als Baggerfahrer der Braunkohle zuleibe gerückt. Bekannt deshalb auch als der „singende Baggerfahrer“ aus der Region zwischen Schwarze Pumpe und Hoyerswerda.

Und am Sonnabend hatten die Gundi-Fans im Dixiebahnhof für ein paar Stunden das Gefühl, als ob der Findlings-Stein auf dem Hoyerswerdaer Waldfriedhof nur einen Teil der Wahrheit erzählt … Die gefühlsechte Interpretation durch Huderich ließ Gundermanns Lieder nämlich erwachen. In eigenem instrumentalen Klangbild und mit feinsinnigem Ausdruck. Von sanft bis derb. „Gundi“ jedenfalls hätte seine Freude gehabt!