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Gut gewirtschaftet – dennoch Sanierungsfall

Ende des Jahres 2013 stand die WGH kurz vor der Insolvenz. Seit einigen Jahren kann sie wieder investieren.

© Dietmar Thomas

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Die Wohnungsgenossenschaft Hartha (WGH) hat zurzeit über eine halbe Million Euro auf dem Konto. 415 000 Euro davon sollen für Investitionen ausgegeben werden. „Wir bezahlen alle unsere Rechnungen und auch den Lohn pünktlich. Deshalb kann ich nicht verstehen, dass es das Gerücht gibt, dass die Genossenschaft pleite ist“, so der Vorstand der WGH Jörg Keim zur Mitgliederversammlung in der Hartharena. Er könne dem nur widersprechen.

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Pfingstsonntag in den Bürgergarten
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Zahlungsfähigkeit immer gesichert

Der Vorstand hatte auch jede Menge Zahlen mitgebracht. „Als die Leipziger Wohnungsgenossenschaft Kontakt zu Weihnachten im Jahr 2013 vor der Frage stand, die Harthaer Wohnungsgenossenschaft zu betreuen, war uns damals nicht ganz wohl“, sagte Rainer Löhnert vom Aufsichtsrat. Er leitete die Versammlung.

Gefühlt hat die Wohnungsgenossenschaft Hartha im Jahr 2016 gut gewirtschaftet, auch wenn ein Fehlbetrag in Höhe von 13 000 Euro ausgewiesen ist. Der Schuldenberg konnte um 312 000 Euro minimiert werden. „Das heißt, wir haben in dieser Höhe Kredite zurückgezahlt und das bei Mieteinnahmen in Höhe von jährlich 1,4 Millionen Euro. Die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens war immer gesichert. Es seien zwar nur kleine Schritte beim Abbau der Verbindlichkeiten in Höhe von rund zwölf Millionen Euro, aber wir setzen Zeichen, dass es langsam vorwärts geht“, so Jörg Keim. Trotzdem ist die WGH für die Banken immer noch ein Sanierungsfall.

Investitionen geplant

Dass es auf gutem Weg Schritt für Schritt weitergeht, werden vor allem die Mieter im Wohnblock 20 bis 26 an der Straße des Friedens zu spüren bekommen. In den Wohnungen ist eine Modernisierung geplant. Hier sollen die Etagenheizungen ausgetauscht werden. Dazu ist der Anbau von Balkonen immer noch im Blick. Besonders attraktiv könnten sie werden, wenn sie mit einem Aufzug ausgestattet würden, so Keim. Nach den Bauarbeiten würden die Wohnungen barrierearm und altersgerecht sein. Über dieses Vorhaben sind sich der Aufsichtsrat und die Bank einig. „Doch das ist zurzeit nicht realisierbar“, sagte Keim. Sollte jedoch der Freistaat Sachsen demnächst Fördermittel in Aussicht stellen, wäre das Projekt wieder in greifbare Nähe gerückt.

Zurzeit sei man dabei, das Feuchtigkeitsproblem im Haus an der Weststraße 2 bis 4 zu beseitigen. Die Gebäudeabdichtung im vorderen Teil des Blocks ist durch die Firma Straßen- und Tiefbau Estler erfolgt. Die Kosten belaufen sich auf fast 18 000 Euro. Im Herbst wird noch die große Weide gefällt. „Durch sie gibt es bei Starkniederschlägen einen Rückstau“, so Keim. Dann könne auch die kaputte Schleuse repariert und verhindert werden, dass Wasser in den Keller läuft. Ein schon länger geplantes Projekt, die Umfahrung des Blockes Nordstraße 38 bis 42 soll ebenfalls in diesem Jahr umgesetzt werden. Die Fahrstraße ist zurzeit schlecht und die Entwässerung kaputt.

Wäschemangel wird geschlossen

Er hat zur Mitgliederversammlung auch eine weniger schöne Nachricht. „Die Wäschemangel mussten wir Ende Juni schließen. Sie hat sich einfach nicht gerechnet. Der Aufwand war mit dem Ertrag nicht mehr zu rechtfertigen“, sagte der Vorstand. Er bedankte sich bei Familie Guhlmann für die Betreuung der Wäschemangel.

Ein weiteres aktuelles Thema ist zurzeit die Umrüstung für das Internet und den Fernsehempfang durch die Firmen Sicherheitstechnik Tony Paulick und Fernsehtechnik Nico Paulick. Ziel sei es, bis Ende des Monats die Kabel bis ans Haus zu legen. Im Oktober soll dann alles fertig sein. Ab dem 1. Juli 2018 übernimmt die Firma auch diejenigen Kunden, die bis dahin durch Telecolumbus versorgt waren.

163 Wohnungen stehen leer

Derzeit hat die Genossenschaft 560 Wohnungen. 163 davon sind nicht vermietet. Das entspricht einer Leerstandsquote von 29 Prozent – trotz des Stilllegens von leeren Wohnungen in den oberen Etagen. Mehr als jede dritte Wohnung wurde bereits vor 1990 vermietet. Das heißt, die meisten Mieter sind schon älter. „Die Demografieproblematik wirkt sich inzwischen spürbar aus. Seit Anfang 2017 gab es zehn Auszüge aufgrund von Sterbefällen, Umzug ins Pflegeheim oder Betreutes Wohnen“, so Keim.

600 000 Euro haben die WGH die nicht vermieteten Wohnungen gekostet. Diese Zahl setzt sich aus fehlenden Mieteinnahmen und nicht umlagefähigen Betriebskosten zusammen.

Das Geschäftsjahr 2016 wurde mit einer Bilanzsumme in Höhe von etwas mehr als 14 Millionen Euro abgeschlossen. 12,9 Millionen Euro davon sind Anlagevermögen. Das heißt, das ist der Wert der Gebäude. Dem gegenüber stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 12,5 Millionen Euro und Eigenkapital von 1,4 Millionen Euro.

Die WGH hatte Ende vergangenen Jahres 448 Mitglieder. Das sind zehn weniger als im Vorjahr. Jährlich gibt die Genossenschaft 175 000 Euro für laufende Instandhaltungsmaßnahmen und Modernisierung im Zuge von Nutzerwechsel aus.