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Gut sortiert ist halb recycelt 

Die Welt hat ein Müllproblem. An der TU Dresden lernen junge Menschen, wie die Lösungen dafür aussehen. Doch am Teebeutel scheiden sich die Geister.

Wohin mit dem Müll? Nicht nur die Sortieranlage am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft weiß das. Prof. Christina Dornack (r.) und Roman Maletz kennen sich ebenfalls bestens aus. Manchmal werden sie dafür aber zu Spielverderbern.
Wohin mit dem Müll? Nicht nur die Sortieranlage am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft weiß das. Prof. Christina Dornack (r.) und Roman Maletz kennen sich ebenfalls bestens aus. Manchmal werden sie dafür aber zu Spielverderbern. © Thorsten Eckert

Am Teebeutel scheiden sich die Geister. Ist der jetzt Bio- oder Restmüll? Müssen der kurze Faden und das Papierfähnchen daran extra entsorgt werden? Und wohin mit der kleinen Metallklammer? Prof. Christina Dornack und Roman Maletz kennen solche Fragen. Abfall ist schließlich ihr Spezialgebiet. Oft kommen die Fragen von Menschen, die es richtig machen wollen. Manchmal aber auch von Kritikern, die einen vermeintlichen Mülltrennungswahn anprangern. Aber auch dann bleiben die Wissenschaftler ruhig. „Am Ende haben wir Menschen es selbst in der Hand, für gutes Recycling zu sorgen“, sagt die Leiterin des Instituts Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden. Aufklärung sei deshalb wichtig, aber ohne erhobenen Zeigefinger.

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Der würde nur abschrecken. Knapp 38 Millionen Tonnen Abfall produzieren deutsche Haushalte jedes Jahr. Insgesamt 68 Prozent davon werden heute recycelt. Noch in den 1980er-Jahren landete in der Bundesrepublik alles im Restmüll. Aktuell entsorgen die Deutschen nur noch 30 Prozent ihres Abfalls in der schwarzen Tonne. Der Rest wird als Wertstoff verwendet. Beim Altglas und beim Altpapier ist Deutschland im Weltvergleich RecyclingSieger. Beim Kunststoff gibt es dagegen noch viele Reserven. „International gesehen stehen wir aber auch beim Plastik gut da“, erklärt Christina Dornack.

Sie verschweigt allerdings nicht die Probleme rund um das Thema Kunststoff. Vor allem die Lieferung von Plastikabfällen aus Deutschland nach Südostasien ist derzeit stark in der Kritik. Deutschland exportiere jährlich rund ein Sechstel seiner Plastikabfälle – das sind gut eine Million Tonnen. Aufgrund des Einfuhrverbots nach China nehmen die Exporte in andere asiatische Staaten zu. Die größte Menge, rund 100 000 Tonnen, haben deutsche Firmen allein im Jahr 2018 nach Malaysia verschifft. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 75 Prozent. Auch die Exporte nach Indien und Indonesien stiegen deutlich an. „Wir haben ein weltweites Plastikproblem.“ Dem müsse man schon ganz am Anfang begegnen.

In ihrer Forschungsarbeit widmen sich die TUD-Wissenschaftler deshalb intensiv dem Kunststoffrecycling. Dabei geht es um die Frage, wie Verpackungen künftig nicht mehr nur aus Primärstoffen wie etwa Erdöl hergestellt werden können. „Wir müssen die Produzenten davon überzeugen, dass sie Recyclingmaterialien verwenden“, erläutert Christina Dornack. Dazu wäre auch politischer Druck notwendig. Etwa durch die Einführung einer Quote für recycelte Rohstoffe oder Strafzahlungen bei ihrer Nichtnutzung. Ein anderer Ansatz sind die Unternehmen selbst, die Dinge herstellen beziehungsweise verpacken. „Es muss sich dringend ein Bewusstsein bei den Firmen dafür einstellen, dass sie schon zu Beginn eines Entwicklungsprozesses auch an die Verwertung am Ende denken“, erklärt Roman Maletz. „Mit solchen Forderungen sind wir natürlich in den Augen vieler ganz oft die Spielverderber.“

Längst nicht alles lässt sich allerdings recyceln. Sogenannte Sortierreste werden zur Energiegewinnung genutzt. Müllverbrennung, für manche ist das ein Reizwort. „Wir hören ganz oft den Satz: ‚Warum soll ich denn Müll trennen? Das wird doch eh alles verbrannt.‘“, sagt Christina Dornack. Dabei sei das Sortieren wichtig, um so wenig Abfälle wie möglich zu verbrennen. Denn nur, was gut getrennt ist, lässt sich in den großen Sortieranlagen den einzelnen Stoffströmen zuordnen. Deshalb sei es immens wichtig, dass die Menschen zu Hause die verschiedenen Mülltonnen korrekt benutzen. Der Slogan dabei: Je vereinzelter, desto besser. Das heißt eben, dass der Joghurtbecher aus Kunststoff richtig von seinem Deckelchen aus Aluminium getrennt wird. „Den aber bitte nicht in die nächste Konservendose stopfen, um in der gelben Tonne oder im gelben Sack Platz zu sparen“, erklärt Roman Maletz. Das bringe am Ende gar nichts. Die Sensoren der Sortiermaschinen könnten den Inhalt der Dose nicht erkennen und würden sie der falschen Kategorie zuordnen. Im schlimmsten Fall würde sie als Sortierrest verbrannt werden. Wie solch eine Sortieranlage arbeitet, lernen die Studenten an der TU Dresden live.

In Pirna-Copitz, wo das Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft angesiedelt ist, steht ein Nahinfrarot-Detektor inklusive Förderband. Er erkennt, woraus der Müll besteht und sortiert ihn mittels leistungsstarker Druckluftdüsen. An der TU Dresden gibt es deutschlandweit den einzigen eigenständigen Masterstudiengang Abfallwirtschaft und Altlasten. Gerade in der heutigen Zeit seien die Absolventen nach dem Abschluss bei den Unternehmen begehrt. „Das globale Abfallproblem wird akuter. Da braucht es natürlich Experten, die damit umzugehen wissen“, sagt die Institutsdirektorin. Ob Umweltrecht, Fragen der Abfallvermeidung, Verfahren der Energietechnik oder Betriebswirtschaft – das Thema Abfall ist schon im Studium abwechslungsreich. Nicht nur der Abfall in den Mülltonnen interessiert die TUD-Forscher.

In einem Projekt finden sie gerade heraus, wie sich Klärschlämme am besten so aufbereiten lassen, dass die Reststoffe als Düngemittel verwendet werden können. Auch die Frage, wie der Einsatz von recycelten Baustoffen vorangetrieben werden kann, beschäftigt sie. Baurestmassen verschwinden heute im Straßenunterbau, in Tagebaurestlöchern oder auf der Mineralstoffdeponie. „Es wäre natürlich viel besser, wenn sie aufbereitet und wiederverwendet werden könnten“, sagt Christina Dornack. Das schützt auch die Umwelt, da weniger Kies und Steine aus Gruben abgebaut werden müssen und die Naturräume weniger beansprucht werden. Ihre Forschungsergebnisse behalten die Dresdner nicht für sich. Gerade international tauschen sie sich mit Kollegen aus. „Abfallwirtschaft ist eine globale Aufgabe. Wir müssen das Wissen deshalb weitertragen.“

Für das Teebeutel-Problem gibt es indessen eine Lösung. „Ihn kann man in den meisten Fällen in den Biomüll werfen, da die Hersteller versuchen, kompostierbare Produkte anzubieten“, sagt Roman Maletz. Im Zweifelsfall auf der Packung schauen, da gibt es meist einen Entsorgungshinweis entsprechend des verwendeten Materials. Der Faden würde sich irgendwann zersetzen. „Und die Metallklammer stört den Kompostierprozess nicht.“ Es sind die kleinen Dinge, die am Ende viel bewirken können, sagt Christina Dornack. „Ein einzelner Mensch rettet sicherlich nicht die Welt, wenn er mit einem Stoffbeutel einkaufen geht. Aber es ist ein feiner Beitrag dazu, dass weniger Müll entsteht und es schärft das Bewusstsein.“ 

Von Jana Mundus

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