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Gute Aussichten für die Energiefabrik

Das Museum in Knappenrode wird umgebaut. Die neue Dauerausstellung soll modern und trotzdem authentisch sein.

© Rainer Könen

Von Rainer Könen

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Knappenrode. Die Gäste der Baustellenführung sammelten sich im Kassenbereich, den jeder Besucher der Energiefabrik Knappenrode kennt. Irgendwann im Jahr 2020 – einen genauen Termin gibt es noch nicht – werden die Besucher des Bergbaumuseums die Fabrik im Bereich des ehemaligen Motorenlagers betreten – aus heutiger Sicht quasi am anderen Ende des Museumsareals und bislang vielen bekannt von Firmenfeiern oder Partys. Kirstin Zinke, die Leiterin des Bergbaumuseums Energiefabrik Knappenrode, zeigte den Besuchern an diesem bitterkalten Vormittag, wo in den nächsten beiden Jahren die Verwaltung, das Depot und die neue Dauerausstellung untergebracht werden.

Bevor die Führung startete, gab es erst einige Impressionen zum Museumsprojekt. Im Seminarraum zeigte Kirstin Zinke den Besuchern während einer kleinen Präsentation, wie der Eingangsbereich im ehemaligen Motorenlager künftig aussehen wird. Ziemlich modern wird er daherkommen. Audiovisuell soll man die Ausstellung erkunden. Mit einem noch zu bauenden Fahrstuhl können die Besucher aufs Dach der Fabrik, von hier aus „einen wunderbaren Blick auf die herrliche Umgebung werfen“, so Kirstin Zinke. Shop, ein Café-Bereich und Garderoben sind hier vorgesehen, natürlich auch Toiletten.

Kohle in Kriegszeiten
In der neuen Dauerausstellung werden verschiedene Themenkomplexe detailliert dargestellt. Alle mit dem Bergbau verwoben. Fast alle. Unter dem Begriff „Land der Sorben“ wolle man zeigen, so Zinke weiter, wie diese Bevölkerungsgruppe vor der Industrialisierung in der Region lebte, ohne dabei ins Folkloristische abzudriften. Welchen Stellenwert Kohle in Kriegszeiten hat, wird in der Abteilung „Krieg und Krise“ erklärt. Der Kampf um den Abbau der Kohle soll am Beispiel der beiden Bergbaugroßbetriebe „Eintracht“ und „Ilse“ dargestellt werden. Auch die nach dem Zweiten Weltkrieg geleisteten Reparationszahlungen an die damalige Sowjetunion, hier am Beispiel der Knappenroder Brikettfabrik, werden unter dem Begriff „Demontage“ einen großen Raum in der Ausstellung einnehmen. Der größte Raum wird allerdings dem Energiebezirk Cottbus vorbehalten sein, in dem die Zeit zwischen 1949 und 1989 dargestellt werden soll. Und die bestehende Ofenausstellung soll gekonnt integriert werden.

Dass man diese erste Baustellenführung an dem Tag durchführte, an dem vor 25 Jahren die Brikettfabrik Knappenrode stillgelegt wurde, sei natürlich ein passender Anlass gewesen, so Museumsleiterin Kirstin Zinke. Frank Arnold arbeitete an jenem 25. Februar 1993 in der Brikettfabrik. Der Trocknerfahrer erinnert sich noch gut daran, was er empfand, als um elf Uhr alle Pressen runtergefahren, die Maschinen gestoppt wurden, die letzte Schicht endete. „Das war ein unendlich trauriger Moment“, so der Museumsmitarbeiter. Damals sei es auch ziemlich kalt gewesen. Minus 15 Grad, es habe geschneit. Aber Frank Arnold fand den Weg zurück zu seiner alten Arbeitsstätte, heute ist er unter anderem für die Draisinefahrten auf dem Museumsgelände verantwortlich, die in einigen Wochen wieder starten.

Bis zum Ende dieses Jahres soll das Schwerlastdepot fertiggestellt sein. Für ein Museum von der Größe der Energiefabrik sei ein solches Zentraldepot einfach von immenser Wichtigkeit, hob Zinke hervor. Im kommenden Jahr soll die Verwaltung in den neu geschaffenen Teil der „Fabrik 3“ umziehen. In diesem Jahr werde der Museumsbetrieb wie gewohnt weitergehen. Im kommenden Jahr, so Zinke weiter, werde dieser eingeschränkt und nur am Wochenende fortgeführt. Was den umfangreichen Bauarbeiten geschuldet ist.

Aber bei aller geplanter Modernität: Die Spuren der früheren Brikettfabrik, dazu gehören alte Stromverteilerkästen oder Rohrleitungssysteme, bleiben wenn möglich erhalten, um den Besuchern einen Eindruck zu vermitteln, wie es hier einst einmal aussah. Wer sich künftig die Dauerausstellung anschaut, wird übrigens möglicherweise bekannte Gesichter sehen und bekannte Stimmen hören. Im Zeitzeugen-Bereich berichten ehemalige Mitarbeiter der Fabrik und Knappenroder über ihr Leben mit der Kohle, mit der früheren Brikettfabrik – nichts geht über Authentizität.