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Gute Klos, schlechte Klos

Viele Kleingärten haben WCs – das ist jedoch nur unter einer Bedingung erlaubt. Verstöße können teuer werden.

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© Dietmar Thomas

Von Nicole Preuß und Britta Veltzke

Riesa. Für das natürlichste Bedürfnis der Welt haben sich die meisten Kleingärtner eine Toilette in oder an der Laube gebaut. Auch ein Waschbecken, in dem die Teller vom Grillen abgewaschen werden, zählt inzwischen zum Standard. Manche duschen auch in ihrem Garten. Schließlich schlafen einige Kleingärtner den ganzen Sommer draußen im Gartenhaus und kommen erst im Herbst in ihre Stadtwohnung zurück. „Man findet so allerlei Annehmlichkeiten, wenn man in den Kleingartenanlagen rumkommt“, sagt der Verbandschef der Gartenfreunde Riesa, Torsten Sittmann. Er schätzt den Anteil der Kleingärtner mit Toilette auf über 90 Prozent – dazu kommen Lauben mit eigener Wasch- oder Spülmaschine. Während Letztere in jedem Fall gegen die Vorschriften verstoßen, sind Klos nicht grundsätzlich verboten.

Die Krux ist allerdings: Unter den Toiletten-Betreibern verstößt seit Anfang des Jahres ein nicht unerheblicher Teil gegen das Wasserrecht. Eine neue Vorschrift sagt, dass das Abwasser nicht im Garten versickern darf. Der 31. Dezember war der Stichtag. Bis zu diesem Datum musste die Umstellung erfolgt sein. Die Vorschriften der Gartenfreunde waren zu diesem Zeitpunkt jedoch schon weiter. „Der Passus über die verbotenen Sickergruben steht in unserer Ordnung bereits seit 2009. Allerdings müssen Kleingärtner, die jetzt immer noch dagegen verstoßen, mit empfindlichen Strafen der Behörden rechnen.“

Ans zentrale Abwassersystem angeschlossen sein, dürfen Kleingartenanlagen grundsätzlich nicht. „Das widerspricht der Bundeskleingartenverordnung. Denn Lauben sind nun einmal nicht dafür gedacht, dass man dauerhaft darin wohnt“, so Torsten Sittmann. Hochgekocht war das Thema Abwasserentsorgung im Verband der Gartenfreunde zuletzt, weil ein anonymer Kleingärtner einen Nachbarn beim Kreisumweltamt angezeigt hatte. Doch was tun? „Wer nicht auf seine Toilette mit Wasserspülung verzichten will, braucht eine abgedichtete Grube. Diese müsste dann mindestens einmal im Jahr ausgepumpt werden“, so der Gartenfreunde-Chef.

Doch ganz problemlos sei das nicht. „Erstens kostet die Umrüstung mehrere 100 Euro, und zum anderen schlägt das jährliche Auspumpen mit rund 70 Euro zu Buche.“ Das könne sich nicht jeder Kleingärtner „mal eben“ leisten. Ganz abgesehen davon sei nicht jede Parzelle mit dem Tankwagen zu erreichen. „Die meisten Kleingartenanlagen sind zu DDR-Zeiten gebaut worden. Sie haben schmale Wege, die für Fußgänger mit Handwagen oder allenfalls für Fahrräder ausgelegt sind – aber mit Sicherheit nicht für LKWs“, erklärt Torsten Sittmann.

Doch auch für diese Fälle gibt es eine Lösung – und die heißt Komposttoilette oder Trenntoilette. „Diese Varianten gibt es zum Teil schon ab 100 Euro.“ Doch auch hier müssen die Fäkalien in feuchtigkeitsundurchlässigen Gruben oder Behältnissen gesammelt werden. Torsten Sittmann ist von diesen alternativen Ideen angetan, weiß aber auch um die Akzeptanz unter den Kleingärtnern. „Wer einmal den Luxus eines WCs im Garten hatte, wird sich schwerlich davon trennen können. Außerdem halten die Komposttoiletten viele für unhygienisch. Obwohl das Quatsch ist“, sagt Sittmann. Aus einem ähnlichen Grund hält er Sammeltoiletten an einem zentralen Ort der Kleingartenanlage für illusorisch. „Die würden denke ich nicht genutzt werden, zudem ist die Installation teuer und der Wartungsaufwand hoch.“

Sittmann erhofft sich nun mehr Unterstützung von den zuständigen Behörden. „Wir brauchen günstige Lösungen für die Kleingärtner. Wir können es uns nicht leisten, dass Mitglieder wegen dieses Aufwandes ihre Parzelle aufgeben.“ Der Verband werde alles tun, die Kleingärtner zu unterstützen. Kontrollieren werde er die Einhaltung des Wasserrechts nicht. „Wegen unserer dünnen Personaldecke könnten wir das gar nicht leisten. Das ist aber auch Sache der Behörden“, so Torsten Sittmann.