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Gute Stimmung in der Wirtschaft

Kreis-Wirtschaftsförderer Sascha Dienel rechnet 2018 mit neuen Jobs in der Region.

© Archiv/Claudia Hübschmann

Herr Dienel, schauen die Unternehmer in und um Riesa optimistisch auf 2018?

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Ja, diesen Eindruck habe ich. Wir sehen das daran, dass im vergangenen Jahr viele Firmen im Landkreis Fördermittel bei der Sächsischen Aufbaubank beantragt haben.

Fördermittel wofür?

Für Erweiterungen, etwa ihrer Produktion. Voraussetzung für kleinere Unternehmen dafür ist, dass sie ihre Belegschaft halten und mindestens einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Sie bekamen 2017 noch 35 Prozent Förderung, in diesem Jahr sind es nur noch 30 Prozent. Auch für mittelgroße Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern wurden die Fördermittel abgesenkt – von 25 auf 20 Prozent. Da haben viele Firmen noch die höheren Fördersätze genutzt. Wenn investiert wird, ist das aus unserer Sicht ein gutes Zeichen. Außerdem wollen viele Unternehmen neue Leute einstellen.

Doch die Mitarbeitersuche ist sicher nicht leicht?

Stimmt. Eine Fachkräfteanalyse, die wir 2017 in Auftrag gegeben haben, hat fünf Bereiche herausgearbeitet – jeder mit einem unterschiedlich hohen Ersatzbedarf.

Ersatzbedarf? Was bedeutet das?

Im Raum Riesa gibt es den größten Ersatzbedarf bis 2030. Er liegt bei 30 Prozent. Knapp ein Drittel der Belegschaft scheidet altersbedingt bis 2030 aus. Die Arbeitgeber müssen sich also bis dahin bemühen, Ersatz für 30 Prozent ihrer Belegschaft zu finden, wenn sie ihren Bestand aufrechterhalten wollen. Je näher wir uns Richtung Dresden bewegen, desto geringer wird der Ersatzbedarf. In Großenhain liegt der Wert mit 27 Prozent aber immer noch auf einem hohen Niveau. Die gute Nachricht ist, dass Riesa von den umliegenden Kreisen profitiert. Es kommen mehr Pendler zum Arbeiten nach Riesa, als Riesaer wegpendeln.

Wie stellen sich die Unternehmen bei der Nachwuchssuche an?

Immer besser. Man merkt schon, dass die Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben: sich auf Ausbildungsmessen präsentieren oder an Aktionen wie „Schau rein!“ teilnehmen. Dabei können sich Schüler ein Date bei einer teilnehmenden Firma machen. Die Wirtschaftsförderung Region Meißen organisiert das jetzt zum dritten Mal. 2016 haben sich gut 60 Unternehmen beteiligt, in diesem Jahr werden es fast doppelt so viele sein. Die großen Namen wie Feralpi oder Wacker sind schon länger sehr aktiv, was die Nachwuchssuche betrifft. Die nutzen Facebook, um junge Leute anzusprechen, und haben Kooperationen mit Schulen. Kleinere Firmen haben diese Möglichkeiten meist nicht. Da kümmert sich der Chef um alles selbst, von Personalangelegenheiten bis hin zur Auftragsakquise. Doch selbst die kleineren bemühen sich immer mehr um den Nachwuchs.

Mit welchen Problemen wenden sich Unternehmer noch an Sie?

Ein Thema ist die Digitalisierung. Es werden immer mehr Daten erfasst. Das ist in Zusammenarbeit mit Zulieferern und Partnern wichtig, aber auch, um eigene Prozesse besser bewerten zu können. Ein Dauerthema ist der Breitbandausbau. Unternehmen im ländlichen Raum klagen des Weiteren über den Personennahverkehr. Wenn kein Bus oder Zug fährt, werden dort Fahrgemeinschaften gebildet. Was in der Region aber gut funktioniert, ist die Kinderbetreuung. Das trägt sicher dazu bei, dass hier mehr Frauen arbeiten als anderswo.

Stehen 2018 Neuansiedlungen an?

Keine, die schon spruchreif wären. Aber nahe der Autobahn werden Gewerbeflächen knapp. Riesa ist eher interessant für Unternehmen, die schon vor Ort sind und sich vergrößern wollen. Für Neuansiedlungen sehe ich erst eine Chance, wenn die B 169 ausgebaut ist.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.