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Guter Rat ist nicht teuer

Görlitzer Verbraucherschützer hatten auch 2016 viel zu tun. Dabei ist es zum Teil einfach, Betrugsversuche zu erkennen.

© Pawel Sosnowski

Von Alexander Buchmann

Görlitz. Ob Luftbild des eigenen Hauses, Schlüsselfundmarken, vermeintlich wertvolle Bücher oder Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung der Hirnleistung. Es gibt nichts, was nicht an der Haustür und über Werbeanrufe versucht wird, an den Mann zu bringen. Da macht Görlitz keine Ausnahme. Und so hatten die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Sachsen in ihrem Görlitzer Büro auch 2016 wieder viel zu tun, um Betroffenen zu helfen. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht hervor, der in dieser Woche vorgestellt wurde. In der SZ erklärt die Leiterin der Beratungsstelle Katrin Pötschke, wo Vorsicht geboten ist.

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Wie in den Jahren zuvor sind Werbeanrufe ein großes Problem, das sich kaum eindämmen lässt. Das Angebot ist dabei so vielfältig wie fragwürdig. So haben die Görlitzer Verbraucherschützer erneut viele Anfragen zu einer Dresdner Firma erreicht, bei der Telefongespräche über Arzneimittel immer wieder in zweijährigen Abos von Nahrungsergänzungsmitteln zur Stärkung der Gelenke oder der Erhöhung der Gehirnleistung endeten. Eine andere Firma hat 2016 wieder versucht, Hausbesitzern Luftaufnahmen ihrer Grundstücke zu verkaufen. In einem Fall seien damit Kosten in Höhe von 470 Euro verbunden gewesen, sagt Katrin Pötschke. Sie weist darauf hin, dass bei derartigen Geschäften Widersprüche oft mit dem Verweis auf die individuelle Herstellung des Fotos abgelehnt werden. Und das sei sogar legal, da es dafür Ausnahmen im Widerspruchsrecht gebe, erklärt Katrin Pötschke. Bei Buchbestellungen an der Haustür, durch die schnell Rechnungen über mehrere Tausend Euro zusammenkommen, konnten Kunden mit einem Widerruf vom Kauf zurücktreten.

Immer wieder melden sich im Büro von Katrin Pötschke auch Görlitzer, die Inkasso-Schreiben erhalten haben. Zum Teil mit Forderungen von 600 Euro. Im Vorjahr habe es Fälle gegeben, die gezahlt haben, sagt die Verbraucherschützerin. Wenn nicht sofort klar ist, dass es sich um eine berechtigte Forderung handelt, rät sie jedoch dazu, zunächst einmal zu schauen, wohin das Geld gehen soll. Anhand der IBAN lasse sich das gut erkennen. Steht an deren Anfang ein „DE“, handelt es sich zumindest um ein Konto in Deutschland. Häufig seien es stattdessen aber Konten in Rumänien, erklärt Pötschke. Einmal überwiesen, könne man sich das Geld nicht mehr zurückholen. Seriöse Schreiben erkenne man zudem daran, dass Kontaktadressen und der Auftraggeber genannt werden.

Einige Görlitzer hatten auch Rechnungen über 90 Euro im Briefkasten, die vermeintlich durch den Anruf bei einer Erotik-Hotline entstanden sind. Trotz verschiedener Absender, die meist in Tschechien sitzen, sei der Betrag immer der gleiche. Und nach 14 Tagen erhöht er sich um 40 Euro Mahngebühren. Pötschke rät dazu, diesen Betrag nicht zu überweisen oder, wie es ebenfalls angeboten wird, als Bargeld per Post zu schicken.

Den gleichen Rat haben die Verbraucherschützer auch für Betroffene einer alten, aber immer noch verwendeten Betrugsmasche im Internet, den Routenplanern. Auf einer Seite musste man sich dafür mit seiner Mailadresse registrieren, woraufhin die Nutzer zu einer zweijährigen Mitgliedschaft begrüßt wurden und über 500 Euro zahlen sollten. Dabei ist allein durch die Registrierung noch kein Vertrag zustande gekommen. Denn seit 2012 ist gesetzlich ein Bestellbutton vorgeschrieben, der eindeutig gekennzeichnet sein muss.

Fast jede vierte der 700 Beratungen der Verbraucherschützer hat sich um Versicherungen und Finanzdienstleistungen gedreht. So hat sich 2016 die Kündigungswelle von Bausparverträgen fortgesetzt, bei der die Banken Kunden aus lukrativen, hochverzinsten Verträgen kündigen. Angebote zur Vertragsänderung enthielten schlechtere Konditionen. In einem Fall sollte der Guthabenzins von zwei auf 0,2 Prozent sinken. Die Umstellung von Telefonanschlüssen auf die sogenannte IP-Technologie durch die Telekom hat bei einigen Görlitzern für Unmut gesorgt. Zumal einige Mitarbeiter in den Shops die Möglichkeit genutzt haben, um unnötig teure Verträge zu verkaufen. Obwohl nicht benötigt, enthielt der Vertrag zum Beispiel den Empfang von Fernsehprogrammen. In einigen der Fälle haben sich dann die Verbraucherschützer eingeschaltet und eine Einigung erreicht.

Beim Thema Energie habe das Büro der Verbraucherzentrale viele Beschwerden über einen Hamburger Anbieter erreicht. Kunden haben nicht nachvollziehbare Abrechnungen oder widersprüchliche Schreiben zu Guthaben und Nachzahlungen erhalten. Nach der Insolvenz habe man dann nur noch wenig gehört.Auf ein Wort